Berliner Gesundheitspreis 2013 prämiert Wissenstransfer-Projekte

Mehr gesichertes Wissen in den Praxisalltag bringen

BGP 2013 - Preisverleihung 19.03.13 - c

Die Gewinner des Berliner Gesundheitspreises 2013

(20.03.13) Das Wissen der Welt verdoppelt sich innerhalb von fünf Jahren. Doch wie kann dieses neue Wissen in der medizinischen Versorgung nutzbringend angewendet werden? Das war die Aufgabenstellung des diesjährigen Wettbewerbs zum Berliner Gesundheitspreis. Der mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Preis ist am Dienstagabend (19. März) in der Hauptstadt an Projekte verliehen worden, die sich mit dem Wissenstransfer von evidenzbasierter Medizin (EbM) in den Versorgungsalltag auseinandergesetzt haben.

Der erste Preis ging an die Universität Graz für ihre Arbeit zur Umsetzung einer Leitlinie zur Sturzprophylaxe für ältere Patienten. Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, übergab die mit 20.000 Euro dotierte Trophäe an die Preisträger aus der Steiermark. In ihrer Laudatio sagte die Staatssekretärin, dass es eben nicht ausreiche, evidenzbasiertes Wissen zu haben. Es müsse auch ganz gezielt etwas dafür getan werden, dass dieses Wissen - wie in Graz gezeigt - im Alltag zum Tragen komme. Besonders beeindruckt zeigte sich die Staatssekretärin von dem hohen Beteiligungsgrad der Pflegekräfte, die Leitlinie alltagstauglich zu machen.

2013 - Plakat - pl

Zweiter Sieger wurde ein Projekt des Klinikums der Universität München: Die dort angesiedelte Abteilung Arzneimittelinformation hilft Ärzten und Pflegepersonal seit 1992 bei der Beantwortung aller Fragen rund um die Arzneimitteltherapie auf der Grundlage von evidenzbasiertem Knowhow. Überzeugt hatte den Präsidenten der Ärztekammer Berlin,

Dr. Günther Jonitz, der die Laudatio hielt und den Preis überreichte, dass hier ein Musterbeispiel für EbM in der Praxis realisiert wird. Interdisziplinäre Vernetzung von Ärzten und Klinischen Pharmazeuten auf Basis gesicherten, von Dritten unbeeinflussten Wissens sowie die Einbeziehung des Patienten in die Routineversorgung einer Uniklinik zeichnen dieses Projekt in besonderem Maße aus. Die Münchner konnten sich über 15.000 Euro freuen.

Für den dritten Platz und jeweils 7.500 Euro Preisgeld konnten sich zwei Projekte qualifizieren. Dass Herzinfarktpatienten nach internationalen Leitlinien behandelt werden, das ist das Anliegen des Berliner Herzinfarktregisters. Für diese Arbeit des Werbens für eine leitliniengerechte Stroke-Therapie zeichnete sie der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Frank Michalak, aus. Besonders betonte er in seiner Festrede, dass sich auch jenseits von staatlicher Förderung allein durch das Engagement von Ärzten und Krankenhäusern Wissenstransfer und praktische Umsetzung realisieren lassen.

Ebenfalls auf den dritten Platz kam das Projekt zur Vorsorgeuntersuchung Check-up 35. Zeitgemäße Vorsorgeuntersuchungen auf der Basis von evidenzgesicherten medizinischen Erkenntnissen und den individuellen Risiken von Patienten ist der Kern dieser Arbeit der Universität Bremen. Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses, lobte die Preisträger dafür, dass ohne ein hohes Maß an Eigeninitiative und persönlichem Engagement aller Beteiligten das Projekt nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätte.

Neben Staatssekretärin Widmann-Mauz sowie dem österreichischen Botschafter in Berlin, Dr. Ralph Scheide, nahmen rund 300 Gäste im Atrium des AOK-Bundesverbandes in der Rosenthaler Straße an der festlichen Verleihung teil.

Die Pressemitteilung zum Download

 

G+G-Spezial 04/13 - Berliner Gesundheitspreis 2013

 

ams-Extra 01/2013 Berliner Gesundheitspreis
Extra der Politikausgabe des AOK-Medienservice (ams)


Der Berliner Gesundheitspreis 2013: KnHow? - Wie kommt Wissen in die Praxis?

Patienten, Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte möchten gleichermaßen eine Behandlung nach bestem Wissen und auf dem aktuellen Stand der medizinischen und pflegerischen Wis­senschaft. Nur, was ist das "beste Wissen"? Wie erkennt man den aktuellen Stand der Wissenschaft? Und wie lässt sich wissenschaftlich begründetes Wissen praxis­tauglich umsetzen? Mit der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung soll gewährleistet werden, dass Patienten auf Basis der besten gegenwärtig verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse behandelt werden.

In vielen Bereichen gibt es gesichertes Wissen, das noch zu wenig in der Praxis Anwendung findet. Grundlage der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung ist die systematische Suche nach wissenschaftlichen Belegen und die Fähigkeit, die Zuverlässigkeit dieser Belege beurteilen zu können. Nur in Verbindung von bestem Wissen, den Erfahrungen aller am Behandlungsprozess Beteiligten und den Bedürf­nissen des Patienten ist eine leistungsfähige Medizin und Gesundheitsversorgung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau zu gewährleisten. Dabei trägt Evidenz in der Behandlung zum wirtschaftlichen Einsatz der vorhandenen Ressourcen und zu mehr Patientennutzen bei. Was sich auf den Begriff der Evidenzbasierten Medizin (EbM) begründet und den Lehren des nordamerika­­­­­­­­­­nischen Mediziners David Sackett aus den letzten Jahrzehnten folgt, wonach jeder Erkenntnisgewinn belegt und nachweisbar sein muss, wird zwar längst als Voraussetzung für eine effektive Gesundheitsversorgung anerkannt, im Versorgungsalltag jedoch vielfach noch vernachlässigt. Dabei verwundert es nicht, wenn es bei mehr als zwei Millionen Fachartikeln weltweit pro Jahr schwer fällt, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Bei einer solchen Informationsflut den Überblick zu bewahren und fundiertes Wissen konsequent für den Patienten zu nutzen, scheint bei begrenzten zeitlichen Kapazitäten fast unmöglich. Damit eine optimale Therapieentscheidung und Behand­lung gesichert werden kann, sind Hilfestellungen beim Wissenstransfer notwendig, um nützliche von weniger nützlichen, oftmals interessengesteuerten Informationen zu unterscheiden. Kriterien wie Form, Darstellung und Kommunikation von Wissen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Informationen sollten demnach primär frei und vollständig zugänglich sowie möglichst schnell erfassbar sein.

Zum Wohle des Patienten sollten Ärzte und Beschäftigte in Gesundheitsberufen selbst in der Lage sein, relevante Publi­kationen zu identifizieren und die Aussagen zur Wirk­samkeit von Therapien auf dieser Basis kritisch zu hinterfragen. Nur so können die Souveränität gewährleistet und eine selbstständige Entscheidungsfindung im Sinne von EbM möglich sein. Wichtig ist auch, dass Patienten einen Zugang zu verständlichen Gesundheitsinformationen erhalten.

Theoretische Ansätze:

  • Systeme oder Methoden, die Studien kritisch auswerten und die Bewertung frei zur Verfügung stellen. Hilfestellungen, wie neue Informationen überblickt und dabei objektiv auf ihre Zuverlässigkeit und ihren Nutzen überprüft werden können (Bsp. Qualitätszirkel).
  • Neue Denk- und Handlungsansätze, um evidenzbasierte Medizin alltagstauglich zu betreiben.
  • Forschungsprojekte, die Ansätze dafür geben, wie Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte das aus Studien verfügbare Wissen in der Praxis noch besser umsetzen können.

Konkrete Ansätze:

  • Projekte, die EbM im Versorgungsalltag umsetzen.
  • Methoden, die
    - Studien und gesichertes Wissen für den Versorgungsalltag aufbereiten,
    - die den Wissenstransfer optimieren und nutzbar machen sowie
    - praxistauglich Wissen zur Verfügung stellen, z. B. organisatorische und personelle Aktivitäten von medizinischen und pflegerischen Einrichtungen.
  • Modelle und Beispiele, wie EbM für Patienten zugänglich gemacht werden kann.

KnHow? - Wie kommt Wissen in die Praxis?
Infoflyer zum Berliner Gesundheitspreis 2013

 

Auswahlverfahren:

Die Entscheidung über die Preisträger trifft eine unabhängige Jury. Es werden Preise im Gesamtvolumen von 50.000 Euro vergeben. Für den ersten Preis 25.000 Euro, den zweiten Preis 15.000 Euro und den dritten Preis 10.000 Euro. Die Jury kann eine andere Aufteilung des Preisvolumens vornehmen. Gegen Entscheidungen der Veranstalter und der Jury ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Mitarbeiter der Veranstalter sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Teilnehmer erklärt mit seiner Unterschrift sein Einverständnis zur auszugsweisen Verwertung und Veröffentlichung der eingereichten Arbeit sowie seines Namens im Zusammenhang mit der Teilnahme am "Berliner Gesundheitspreis 2013" durch dessen Initiatoren.

Mitglieder der Jury:

  • Prof. Dr. rer. nat. Gerd Antes
    Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums, Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg
     
  • Dr. med. Wolfgang Blank
    Facharzt für Allgemeinmedizin, Sprecher Fachbereich EbM in Klinik und Praxis des Deutschen Netzwerkes Evidenzbasierte Medizin e.V. und Preisträger des Berliner Gesundheitspreises 2004
     
  • Rainer Knerler
    Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
     
  • Karin Maag, MdB
    CDU/CSU, Mitglied des Bundestags-Ausschusses für Gesundheit
     
  • Dr. rer. nat. Carola Reimann, MdB
    SPD, Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit
     
  • Prof. Dr. med. Andrea Siebenhofer-Kroitzsch
    Stellvertretende Direktorin; Leiterin des Arbeitsbereichs Chronische Krankheit und Versorgungsforschung am Institut für Allgemeinmedizin, J.W. Goethe Universität Frankfurt
     
  • Prof. Dr. med. Jürgen Windeler
    Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
     
  • Dr. rer. pol. Volker Hansen
    Vorsitzender des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes
     
  • Dr. med. Günther Jonitz Präsident der Ärztekammer Berlin
     
  • Dr. med. Regina Klakow-Franck M.A.
    Unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses

Informationen zu den bisherigen Wettbewerben um den Berliner Gesundheitspreis: