Die soziale Pflegeversicherung

Ambulante Pflege

Die Pflegeversicherung erbringt ihre Leistungen als Geld- oder Sachleistungen. Kann der Pflegebedürftige zu Hause von Angehörigen gepflegt werden, erhält er ein der jeweiligen Pflegestufe entsprechendes Pflegegeld.

Ist eine Betreuung durch Angehörige nicht oder nicht vollständig möglich, können ambulante Pflegedienste die Pflege übernehmen. Deren Einsatz wird von den Pflegekassen als sogenannte Sachleistung gestaffelt nach Pflegestufen übernommen. Pflegegeld für die private Betreuung und Sachleistung für den Pflegedienst können auch miteinander kombiniert werden.

Häusliche Pflege durch Angehörige

Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause von Angehörigen gepflegt, erhalten diese ein auf die jeweilige Pflegestufe abgestimmtes Pflegegeld.

Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige (Stand 01.01.14):

  • Pflegestufe I: 235 Euro
  • Pflegestufe II: 440 Euro
  • Pflegestufe III: 700 Euro

Die Pflegekassen bezahlen darüber hinaus technische Pflegehilfsmittel und beteiligen sich an den Kosten für Umbaumaßnahmen des Wohnumfelds, die für eine häusliche Pflege erforderlich sein können. Pflegende können einen Pauschbetrag von 924 Euro jährlich bei der Einkommensteuer geltend machen, wenn sie für ihre Pflegeleistung keine Vergütung erhalten. Wer Arbeitslosengeld I oder II bezieht, darf gleichzeitig einen Angehörigen pflegen, ohne dass das Pflegegeld auf das Arbeitslosengeld angerechnet wird.

Häusliche Pflegekräfte sind darüber hinaus in den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung einbezogen, wenn die Pflegetätigkeit nicht erwerbsmäßig und mindestens 14 Stunden wöchentlich erbracht wird. Die Unfallversicherung ist für Unfälle gedacht, die während der Pflegetätigkeit in der Wohnung und im Zusammenhang damit außerhalb der Wohnung passieren können.

Für Personen, die aufgrund der häuslichen Pflege eines Angehörigen selber nicht arbeiten können, bezahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das gilt für Personen, die wenigstens 14 Stunden pro Woche in der Pflege tätig sind und keiner Beschäftigung von über 30 Stunden nachgehen sowie noch keine Vollrente wegen Alters beziehen. Die Pflegetätigkeit wird dann mit einem fiktiven Einkommen - je nach Pflegestufe und Pflegeaufwand - angesetzt. Durchschnittlich ergibt ein Jahr Pflegetätigkeit einen monatlichen Rentenanspruch zwischen 7,10 Euro und 21,32 Euro (alte Bundesländer) und zwischen 6,26 Euro und 18,80 Euro (neue Bundesländer).

Auch die AOK unterstützt ehrenamtliche Pflegekräfte: Sie bietet kostenfreie Pflegekurse an, in denen hilfreiche Tipps für die Pflege vermittelt werden. Fällt der betreuende Angehörige wegen Krankheit oder Urlaub einmal aus, übernimmt die Pflegekasse die Aufwendungen für eine Ersatzpflegekraft für längstens vier Wochen je Kalenderjahr bis zu maximal 1.550 Euro. Anspruch darauf hat eine Pflegeperson nach mindestens sechs Monaten privater Pflegetätigkeit.

Ambulante Pflegedienste

Die häusliche Pflege ist eine Aufgabe, die Familien oft nicht ohne professionelle Unterstützung leisten können. Ist eine häusliche Betreuung tagsüber oder nachts nicht im erforderlichen Maße sichergestellt, trägt die Pflegekasse die Kosten für die Tages- bzw. Nachtpflege in einer teilstationären Einrichtung. Pflegedienste, die von Verbänden der freien Wohlfahrtspflege oder privaten Verbänden, Kirchen oder Gemeinden getragen werden, bieten ambulante Pflege und Unterstützung im Haushalt an. 

Pflegesachleistung für Pflegedienste ambulant und teilstationär (Stand 01.01.14):

  • Pflegestufe I: 450 Euro
  • Pflegestufe II: 1.100 Euro
  • Pflegestufe III: 1.550 Euro. Härtefälle können bis zu 1.918 Euro monatlich erhalten.

Sie suchen einen geeigneten Pflegedienst?

Der AOK-Pflegedienst-Navigator hilft Ihnen. Bundesweit und von jedem beliebigen Ort aus. Der Navigator liefert Adressen, Kontaktdaten und Preise der jeweiligen Dienste. Darüber stellen die Einrichtungen selbst Angaben zu ihren Angeboten wie Hausnotruf, betreutes Wohnen, Essen auf Rädern usw. bereit. Ein zusätzlicher Service des Navigators ist ein Kostenrechner, mit dem der Kunde online verschiedene pflegefachliche Leistungen zusammenstellen und kalkulieren kann. Eine Warenkorbfunktion ermöglicht es, die Preise für die individuellen Leistungspakete bei den einzelnen Anbietern zu vergleichen.

Mehr Leistungen für Demenzkranke

Ab 2013 erhalten Demenzkranke mit Inkrafttreten des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes (PNG) in der Pflegestufe 0 erstmals und in den Pflegestufen I und II erhöhte Leistungen.

Pflegegeld für Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz:

  • Pflegestufe 0: 120 Euro
  • Pflegestufe I: 305 Euro
  • Pflegestufe II: 525 Euro
  • Pflegestufe III: 700 Euro

Sachleistungen für Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz:

  • Pflegestufe 0: 225 Euro
  • Pflegestufe I: 665 Euro
  • Pflegestufe II: 1.250 Euro
  • Pflegestufe III: 1.550 Euro

Gefördert werden auch selbst organisierte, ambulant betreute Wohngruppen:

  • Maximal 2.500 Euro pro pflegebedürftigen Mitbewohner
  • bis zu einem Höchstbetrag von 10.000 Euro je Wohngruppe

gibt es für die altersgerechte oder barrierefreie Umgestaltung der Wohnung. Bei einem höheren Organisationsaufwand ist ein Zuschlag von 200 Euro pro Monat und Bewohner möglich.

Für die Gründung einer Wohngemeinschaft gibt es einen Zuschuss von 2.500 Euro pro pflegebedürftigen WGler und maximal 10.000 Euro pro Gruppe. Die Förderung endet, wenn die zur Verfügung gestellte Summe von 30 Millionen Euro aufgebraucht ist, spätestens aber am 31. Dezember 2015. Für eine Pflegekraft, die zum Beispiel bei der Organisation des Zusammenlebens hilft, zahlt die Pflegekasse an den Pflegebedürftigen monatlich pauschal 200 Euro.

Außerdem gewährt die Pflegekasse Zuschüsse, die das individuelle Wohnumfeld von Pflegebedürftigen verbessern, von bis zu 2.557 Euro je Maßnahme ohne Einkommensprüfung. Leben mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung, ist der Gesamtbetrag auf 10.228 Euro begrenzt. Je nachdem, wie stark der Pflegebedürftige eingeschränkt ist, können beispielsweise breitere Türen oder ein barrierefreier Zugang zu Dusche und Bad notwendig sein.

Auch pflegende Angehörige werden entlastet: Bei Kurzzeit- oder Verhinderungspflege wird das halbe Pflegegeld bis zu vier Wochen jährlich weiterbezahlt. Die Mindestpflegeaufwendung von 14 Stunden pro Woche - als Voraussetzung für die rentenversicherungsrechtliche Absicherung - muss nicht mehr durch die Pflege allein eines Pflegebedürftigen erbracht werden. Das ist künftig auch durch die Pflege zweier Pflegebedürftiger möglich. Außerdem werden die Reha-Möglichkeiten für Pflegende verbessert.


Pflegebedürftige in Behinderten-Einrichtungen wird das Pflegegeld für die Tage, an denen sie sich in häuslicher Pflege befinden, nicht mehr gekürzt.
 

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