Der Gesundheitscoach – Prävention 2.0

Grafik: Förderlogo BMWi

Ein mobiler Personal-Trainer, personalisierte Ernährungs- und Bewegungstipps aufs Handy und ein Heimtrainer mit 3D-Funktion - so sieht die Zukunft der Prävention aus. Eine Mischung aus Personal-Trainer und Gesundheitsberater - das soll er sein, der Gesundheitscoach. Der AOK-Bundesverband hat zwischen September 2011 und August 2013 ein solches Programm für Smartphones und Tablet-PCs mitentwickelt. Der digitale Coach soll insbesondere Gesundheitsmuffeln dabei helfen, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln. "Mit neuen, digitalen Technologien können wir das Thema Prävention bislang schwer erreichbaren, jedoch technikaffinen Zielgruppen näher bringen", erklärt Kai Kolpatzik, Leiter der Präventionsabteilung im AOK-Bundesverband.

Grafik: Gesundheitscoach Inhalte

Auch alte oder kranke Menschen sowie Berufstätige könnten mit Hilfe solcher Technologien Prävention in den eigenen vier Wänden betreiben. Das Vorhaben ist ein Forschungsschwerpunkt im Innovationszentrum “Connected Living”, das neue Möglichkeiten der intelligenten Heimvernetzung erforscht. Zu den Projektbetreibern gehörten neben dem AOK-Bundesverband sechs Unternehmen und Forschungseinrichtungen, darunter die Deutsche Telekom und die TU Berlin. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat das Projekt mit 2,4 Millionen Euro gefördert.

"Gesunde" Entscheidungen treffen

Der Prototyp des Gesundheitscoaches wurde nun vom Projektträger bewertet - eines seiner Module wird in Nordrhein-Westfalen bereits in der Versorgung eingesetzt. Ein Modul des Gesundheitscoaches hat schon konkretes Interesse geweckt. Gemeinsam mit einer Reha-Klinik im nordrhein-westfälischen Bad Driburg profitieren Versicherte der AOK NORDWEST während ihres Reha-Aufenthaltes vom sogenannten "SmartWorkout". Das ist ein individualisiertes Gesundheitstraining, bei dem der Versicherte Übungen zur Förderung seiner Kraft, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit macht.

Herzstück des Coaches ist eine Smartphone-App, die zunächst mit Daten gefüttert werden will. Basierend auf dem Alter, dem Gewicht und dem Body-Mass-Index des Nutzers berechnet das Programm ein personalisiertes Ernährungsprogramm ("Ernährungscoach") und ein individualisiertes Trainingsprogramm ("Aktivitätscoach"). Ein Teil des Ernährungscoaches ist zum Beispiel eine Rezeptsuche, mit deren Hilfe der Nutzer Gerichte findet, die das Programm auf Basis seines Gesundheitsprofils empfiehlt. Ein Teil des Aktivitätscoaches ist das „SmartBike“, das je nach Gesundheitszustand des Nutzers die Belastungsintensität des Hometrainers automatisch einstellt Und: Damit dem Nutzer beim Strampeln nicht langweilig wird, kann er auf dem Fernsehbildschirm virtuelle 3D-Touren durch Großstädte drehen. Die Krankenkassen erhoffen sich durch digitale Präventionsangebote, dass insbesondere Gesundheitsmuffel einen Zugang zu Gesundheitsthemen bekommen.


Evaluationsergebnisse und Abschlusspräsentationen der Konsortialpartner

Ergebnisse der Evaluation

 

Gemeinsame Abschlusspräsentation des Konsortiums

 

Abschlusspräsentation des AOK-Bundesverbandes

 

Abschlusspräsentation T-Systems

 

Abschlusspräsentation Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration

 

Abschlusspräsentation Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechhnologie

 

Abschlusspräsentation DAI-Labor TU Berlin

 

Abschlusspräsentation Art+Com


Grafik: Gesundheitscoach Schema

Dass der Gesundheitscoach funktioniert, hat eine vierwöchige Testphase in einer aufgebauten Musterwohnung gezeigt. Insgesamt 122 Männer und Frauen probierten dabei alle Module des Prototypen aus. "Wichtig ist den Testpersonen insbesondere die individuelle Datenhoheit gewesen. Es kam gut an, dass die persönlichen Daten nicht weitergereicht und nur innerhalb des Systems zur Erstellung des Trainings- und Ernährungsprogramms verwendet werden", so Ulrike Marx, die das Projekt beim AOK-Bundesverband betreut. Nach Abschluss der Entwicklungs- und Testphase wurde der Gesundheitscoach durch den Projektträger, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ausgewertet. Der Coach sei ein neuartiges Konzept, das wertvolles Wissen für die Entwicklung individualisierter Versichertencoaches liefere, heißt es in der Auswertung.

Die AOK will die Erkenntnisse nutzen, um ihren Versicherten zielgruppenspezifische Präventionsangebote zu machen. Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, erklärt: "Mit den Ergebnissen des Gesundheitscoaches wollen wir zum Beispiel neuartige Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Menschen entwickeln." In Zukunft werde es immer mehr Technologien geben, die sich mit der Gesundheit der Menschen befassen, so Graalmann. "Die AOK will diese Entwicklung mitgestalten."