G+G 02/13: Psychiatrie im Aufbruch

"Einer flog über das Kuckucksnest", der Kultfilm der 70-er Jahre, zeichnet ein düsteres Bild einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Dieses Klischee hat sich längst überlebt. Das AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) präsentiert in der Februar-Ausgabe neue Modellprojekte und spürt noch bestehenden Defiziten nach. "Das meiste Geld fließt in die stationäre Behandlung und in die Arzneitherapie", stellen etwa die beiden Ulmer Professoren Reinhold Kilian und Thomas Becker fest. Sie plädieren für mehr ambulante Angebote. Dr. Christiane Roick, Ärztin und stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin im AOK-Bundesverband, kritisiert im G+G-Interview, das seit Anfang 2013 gültige Psychiatrie-Entgeltgesetz zementiere die wirtschaftliche Trennung von ambulanter und stationärer Behandlung. Weitere Themen: Geistig behinderte Menschen als Alltagsbegleiter in der Altenhilfe und wie die Patienten-Uni in Hannover Laien Einblicke in den menschlichen Körper verschafft.

Leseproben der aktuellen Ausgabe

Von der Schwemme in die Klemme

Bei vollen Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kann der Steuerzuschuss zugunsten eines ausgeglichenen Bundeshaushalts sinken. Das findet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Also plant er für 2013 und 2014 mit insgesamt 4,5 Milliarden Euro weniger im Gesundheitsfonds. "Vorsicht!", warnen Professor Klaus Jacobs und Sabine Schulze vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO). Die GKV könne sich zwar über Zusatzbeiträge mit Geld versorgen. Allerdings komme der Sozialausgleich für einkommensschwache Versicherte aus Steuermitteln. So steht’s im GKV-Finanzierungsgesetz. Doch was, wenn der Sozialausgleich die Schuldenbremse oder den EU-Fiskalpakt sprengt? Jacobs und Schulze haben für G+G die Auswirkungen von Fiskalpakt und Schuldenbremse auf die GKV analysiert.

Von der Schwemme in die Klemme
G+G-Beitrag von Prof. Dr. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des WIdO, und Dipl.-Volkswirtin Sabine Schulze, WIdO

 

Klinik-Verbund sorgt für Erfolg

Viele kommunale Kliniken sind in wirtschaftlicher Schieflage. Das konstatiert Hessens Sozialminister Stefan Grüttner im G+G-Einwurf. Selbstkritisch stellt der Minister fest, dass die Länder in den vergangenen Jahren ihren Investitionsverpflichtungen nur unzureichend nachgekommen seien. Hessen will künftig den Kliniken Pauschalen zahlen. Die Kliniken könnten als Wirtschaftsunternehmen so selbstständig über Zeitpunkt und Ausmaß ihrer Investitionen entscheiden können. Doch das alleine reiche nicht aus, schreibt Grüttner. Einzelkämpfer hätten, abgesehen von wenigen Spezialkliniken, keine Zukunft mehr. Grüttner setzt auf Klinikverbünde und weniger politischer Einflussnahme auf das operative Geschäft.

Klinik-Verbund sorgt für Erfolg
G+G-Einwurf von Stefan Grüttner, Sozialminister Hessen