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Das Gesundheitssystem in Lettland

Flagge Lettland

Das lettische Gesundheitswesen finanziert sich aus Steuern und Zuzahlungen. Versichert ist jeder, der bei einem Hausarzt eingeschrieben ist.

Organisation
Die Vertragsverhandlungen mit den Leistungserbringern und deren Bezahlung obliegen acht regionalen Krankenkassen. Die zentrale staatliche Krankenversicherungsagentur (Health Compulsory Insurance State Agency), die dem Ministerium für Gesundheit zugeordnet ist, verteilt das Budget an die Kassen. Sie ist auch für den zentralen Einkauf erstattungsfähiger Arzneimittel zuständig und erstellt gemeinsam mit den Ärzten eine Positivliste.

Im ambulanten Bereich zählen lokale und regionale Gebietskörperschaften zu den Leistungsanbietern. Niedergelassene Ärzte und Praxisgemeinschaften, die auf eigene Rechnung arbeiten, existieren vor allem auf dem Land. Den größten Teil der Grundversorgung leisten jedoch Gesundheitszentren (vormals Polikliniken) und Krankenhausambulanzen. Außerdem unterhalten größere Unternehmen für ihre Mitarbeiter sogenannte Gesundheitspunkte. In diesen betriebsärztlichen Einrichtungen arbeiten ein Allgemeinmediziner, ein Zahnarzt und eine Krankenpflegerin. Die allernötigste Versorgung in Notfällen gewährleisten Feldscher-Praxen. Feldschere sind medizinische Assistenten ohne vollständige ärztliche Ausbildung. Ihnen steht in größeren Praxen eine Hebamme zur Seite. Feldschere haben aber keine Hausarztfunktion.

In der Regel ist der Hausarzt erste Anlaufstelle für Patienten. Er ist für eine umfassende Grundversorgung ausgebildet und steuert als Lotse das weitere Behandlungsgeschehen. Patienten dürfen Fachärzte und Kliniken nur mit Überweisung eines Hausarztes aufsuchen. Ausnahmen sind Frauenärzte, Zahnärzte für Kinder und Arztbesuche bei Tuberkulose-Erkrankungen. Jeder Einwohner ist bei einem selbst gewählten oder zugeordneten Hausarzt registriert. Innerhalb ihres Verwaltungsbezirkes dürfen sie ihn einmal im Jahr wechseln.

Lettische Vertragsärzte der Krankenkassen haben die Möglichkeit, Leistungen auch privat anzubieten und abzurechnen. In medizinisch gut ausgestatteten Bereichen sind viele Leistungen sogar nur privat zu erhalten.

Eine Privatisierung im stationären Bereich ist noch nicht abzusehen. Lettland verfügt über 119 staatliche Krankenhäuser. Spezialkliniken und größere Krankenhäuser gibt es nur in der Hauptstadt Riga. Geplant ist, die Zahl der Krankenhäuser bis 2010 auf 52 zu verringern und das Krankenhaussystem zu zentralisieren.

Alle Einwohner haben zwar Anspruch auf eine medizinische Grundversorgung; allerdings sind hohe Zuzahlungen fällig. Lettische Patienten müssen sämtliche Zahnbehandlungen und fast alle Arzneimittel selbst bezahlen. Ausgenommen sind Patienten unter 18 Jahren und bestimmte Gruppen chronisch Kranker. Bei einem Hausarztbesuch sind 70 Cent fällig. Im Krankenhaus zahlen die Patienten sieben Euro als Aufnahmegebühr, danach 2,20 Euro je Tag. Unabhängig von der Länge des Krankenhausaufenthalts werden 40 Euro für Kost und Logis berechnet. Zuzahlungsfrei sind nur Notfallbehandlungen. Die Selbstbeteiligung ist jährlich auf 130 Euro pro Person begrenzt.

Es gibt etwa zehn private Krankenversicherungen. Die meisten bieten Zusatzversicherungen für zahnärztliche und stationäre Behandlung sowie Arzneimittel an. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer privaten "Vollkaskoversicherung". Diese Option nutzen vor allem besser Verdienende.

Finanzierung
Das lettische Gesundheitssystem ist steuerfinanziert. Das Staatsbudget deckt die Behandlung von Notfällen sowie akuten und chronischen Erkrankungen, Zahnbehandlung bis zum 18. Lebensjahr sowie Programme zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten und anderen ansteckenden Krankheiten ab. Darüber hinaus finanzieren die Letten rund 20 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben über Zuzahlungen.


Demografische und gesundheitsökonomische Kennzahlen

  • Einwohnerzahl (2008): 2,27 Millionen
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2007): 8.800 Euro
  • Arbeitslosenquote (2008): 7,5 Prozent
  • Erwerbsquote (2007): 68,3 Prozent
  • Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (2006): etwa 6 Prozent
  • Zahl der Ärzte (2005): 2,9 je 1.000 Einwohner
  • Zahl der Krankenhausbetten (2005): 5,3 je 1.000 Einwohner
  • Zahl der Krankenversicherten (2004): 90 Prozent
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen (2005): 46.000 Personen
     

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