Das Gesundheitssystem in Luxemburg

Das obligatorische Sozialversicherungssystem Luxemburgs umfasst Arbeitnehmer und gleichgestellte Gruppen, zu denen im Wesentlichen Rentenbezieher und weitere Empfänger von sozialen Leistungen zählen. Ehepartner und Kinder, solange Anspruch auf Kindergeld besteht, haben Anspruch auf kostenlose Mitversicherung. Luxemburger, die nicht pflichtversichert sind, können sich freiwillig absichern. Eine Versicherungspflichtgrenze gibt es nicht.

Organisation
Seit Januar 2009 ist für alle Versicherten, die im Privatsektor arbeiten, eine einzige Krankenkasse, „Caisse Nationale de Santé“, zu Deutsch die „nationale Gesundheitskasse“, zuständig. Darin haben sich die sechs Krankenkassen aus der Privatwirtschaft zusammengeschlossen. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um die bisherige Privatbeamtenkrankenkasse, die Arbeiterkrankenkasse, die Kassen der Arbed-Beamten und Arbed-Arbeiter, die Krankenkasse der Freiberufler und diejenige der Landwirte. Die drei Kassen des öffentlichen Dienstes sind dem Zusammenschluss ferngeblieben. Die neue Gesundheitskasse ist im Zuge der Einführung des Einheitsstatuts im Großherzogtum entstanden. 18 Zweigstellen, über das ganze Land verteilt, stehen den Versicherten zur Verfügung.

Es gilt generell das Kostenerstattungsprinzip: Alle Versicherten müssen zunächst in Vorkasse treten. Die Krankenkassen erstatten dann die Behandlungskosten, aber nicht zu 100 Prozent. Versicherte müssen sich prozentual an den Kosten der ärztlichen Versorgung beteiligen. Diese Selbstbeteiligung darf jedoch nicht mehr als drei Prozent des beitragspflichtigen Jahreseinkommens des Vorjahres betragen. Beim ersten Arztbesuch innerhalb von 28 Tagen zahlt der Patient 20 Prozent der Rechnung selbst. Für weitere Besuche und Konsultationen muss er fünf Prozent der Kosten (maximal 6,54 Euro) übernehmen. Bei Krankenhausaufenthalten sind pro Tag 12,64 Euro fällig. Kosten für Arzneimittel erstatten die luxemburgischen Kassen nur bei ärztlicher Verordnung. In der Regel gilt ein Erstattungssatz von 80 Prozent.

Zusätzlich zu der gesetzlichen Krankenversicherung bestehen freiwillige, auf dem Prinzip des Genossenschaftswesens basierende Zusatzversicherungssysteme.

Finanzierung
Das luxemburgische Gesundheitssystem wird zu rund zwei Dritteln aus auf das Arbeitseinkommen erhobenen Beiträgen finanziert. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich die Finanzierung paritätisch. Sie zahlen jeweils 2,7 Prozent für die Absicherung von Sachleistungen im Krankheitsfall. Bei den Geldleistungen ist mit der Einführung des Einheitsstatuts der Unterschied in der Beitragshöhe zwischen Angestellten (employés privés) und Arbeitern (ouvriers) weggefallen; das Sozialrecht und Arbeitsrecht kennt fortan nur noch Beschäftigte (salariés). Seit 2009 müssen alle Beschäftigten einen einheitlichen Beitrag leisten, der bei 0,25 Prozent liegt. Die Arbeiter profitieren allerdings nicht sofort von dieser Reduzierung. Ihr Beitrag wird erst ab 2012 stufenweise auf 0,25 Prozent gesenkt werden. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 8.413,79 Euro im Monat.

Außerdem haben seit Januar 2009 alle Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber im Krankheitsfall einen Anspruch auf Gehaltsfortzahlung über einen Zeitraum von 13 Wochen. Nach deren Ablauf übernimmt die Gesundheitskasse die Zahlung des Krankengelds, das auf Grundlage des in den Monaten vor der Arbeitsunfähigkeit bezogenen Gehalts errechnet wird.

Für die Absicherung von Pflegeleistungen zahlen alle Versicherten einen Sonderbeitrag von 1,4 Prozent ihres Gesamteinkommens, dazu zählen Gehalt, Pensionen und das Einkommen aus Vermögen und Zusatzrenten. Dieser Beitrag wird durch eine Staatsbeteiligung von 140 Millionen Euro sowie durch einen Beitrag des Elektrizitätssektors ergänzt.

Die Beiträge für die Krankenversicherung, die Unfallversicherung und die Pflegeversicherung werden vom „Centre commun de la Sécurité sociale“ eingezogen, und die Ausgaben stehen in einem gemeinsamen Haushalt der neu geschaffenen Gesundheitskasse.
 

Demografische und gesundheitsökonomische Kennzahlen

  • Einwohnerzahl (2011): 0,51 Millionen
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2011): 66.900 Euro
  • Arbeitslosenquote (2011): 4,8 Prozent
  • Erwerbsquote (2011): 72,7 Prozent
  • Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (2009): 7,8 Prozent
  • Zahl der Ärzte (2009): 2,7 je 1.000 Einwohner
  • Zahl der Krankenhausbetten (2009): 5,5 je 1.000 Einwohner
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen (2004): 7.566 Personen


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