Das Gesundheitssystem in Polen

Polen verfügt über eine beitragsfinanzierte Volksversicherung. Pflichtversichert sind alle erwerbstätigen polnischen Staatsbürger. Kinder bis zum 26. Lebensjahr und nicht erwerbstätige Ehepartner sind beitragsfrei mitversichert; auch Arbeitslose zahlen keine Beiträge. Ausländer dürfen sich nicht versichern.

Organisation
Seit 2003 gibt es in Polen eine einzige Krankenkasse, den Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ), dem alle Einwohner angeschlossen sind. Der NFZ ist dem polnischen Gesundheitsministerium untergeordnet. Das Ministerium entscheidet über Finanzen und Leistungsangebot, zum Beispiel darüber, welche Medikamente erstattet werden. Zwei Sozialversicherungsanstalten ziehen die Versichertenbeiträge ein und leiten die Gelder an den NFZ weiter. Der NFZ schließt Verträge mit Leistungserbringern und gewährleistet so die Versorgung der Versicherten in allen 16 Provinzen (Woiwodschaften). Ein einheitlicher Leistungskatalog existiert nicht, nur eine Negativliste, die bestimmte Leistungen ausschließt. Dazu zählen aufwändige zahnmedizinische Behandlungen.

Bei der ambulanten medizinischen Versorgung ist der „Arzt des ersten Kontaktes“, der Familienarzt, wichtigste Anlaufstelle der Patienten. Versicherte können den Familienarzt aus einem Netz von Vertragsärzten auswählen und zweimal im Jahr kostenlos wechseln. Ein Familienarzt soll maximal 2.750 Patienten betreuen. Er stellt Überweisungen aus und steuert auf diese Weise die Versorgung. Für Besuche bei einigen Spezialisten, darunter Frauen- und Zahnärzte, Onkologen und Psychiater, ist keine Überweisung nötig. Auch Tuberkulosekranke, HIV-Infizierte und Drogenabhängige brauchen keine Überweisung. Es gibt dreimal mehr Fachärzte als Familienärzte. Das hat zur Folge, dass viele Spezialisten die Aufgabe eines Primärarztes übernehmen. Die meisten polnischen Ärzte arbeiten als Angestellte; etwa zwei Drittel von ihnen praktizieren zusätzlich privat, um das monatliche Gehalt aufzubessern.

Neben der ambulanten medizinischen Versorgung in Arztpraxen spielen Gesundheitsbetriebe eine wichtige Rolle. Dazu zählen neben allen stationären Einrichtungen auch Ambulanzen und Kinderkrippen. Die meisten sind öffentlich und hoch verschuldet. Private Gesundheitsbetriebe existieren als Unternehmen, Stiftungen und in kirchlicher Trägerschaft. Ihre Situation ist besser als die der öffentlichen Einrichtungen.

Die stationäre Versorgung erfolgt in Krankenhäusern und Polikliniken, die vertraglich an den NFZ gebunden sind. Unter diesen Einrichtungen können Patienten frei wählen, sofern sie eine Überweisung vom Familienarzt haben.

Polnische Patienten müssen für Arzneimittel, Hilfsmittel, bestimmte Diagnosemethoden, Unterbringungskosten bei einer Kur und zahnärztliche Leistungen kräftig zuzahlen. Nach WHO-Schätzungen tragen sie etwa 40 Prozent aller Leistungsausgaben selbst.

Finanzierung
Der Beitragssatz zur Krankenversicherung liegt bei neun Prozent. Er wird allein von Arbeitnehmern und Selbstständigen aufgebracht. Der Beitragssatz für Landwirte richtet sich nach Ertrag und Größe des Grundbesitzes. Der Staat zahlt die Beiträge für Rentner und Arbeitslose.


Demografische und gesundheitsökonomische Kennzahlen

  • Einwohnerzahl (2011): 38.20 Millionen
  • Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2010): 15.300 Euro
  • Arbeitslosenquote (2010: 9,7 Prozent
  • Erwerbsquote (2010): 76,9 Prozent
  • Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (2006): 6,2 Prozent
  • Zahl der Ärzte (2009): 2,2 je 1.000 Einwohner
  • Zahl der Krankenhausbetten (2009): 6,6 je 1.000 Einwohner
  • Zahl der Krankenversicherten (2007): 100 Prozent
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen (2005): 612.000 Personen
     

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