Die Arzneimittel-Rabattverträge der AOK
Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz erlaubt es den Krankenkassen, mit einem Arzneimittelhersteller Verträge über Preisnachlässe für Medikamente zu schließen. Seit 1. April 2007 müssen Apotheken bei der Auswahl eines Medikamentes entsprechende Rabattverträge einer Krankenkasse beachten.
Die Rabattverträge für Arzneimittel haben den Wettbewerb im Generika-Bereich deutlich in Schwung gebracht. Allein im Jahr 2010 wird die AOK dank der Rabattverträge rund 520 Millionen Euro bei den Ausgaben für Generika einsparen. Seit dem Start der bundesweiten AOK-Arzneimittelverträge bis Ende 2010 werden die realisierten Einsparungen rund eine Milliarde Euro betragen.
Vorreiter bei der Durchsetzung der Verträge
Die AOK-Gemeinschaft ist Vorreiter der europaweiten Ausschreibung der Rabattverträge für Generika. Insbesondere dank des Engagements der AOK ist das Auschreibungsverfahren rechtssicher und allgemein akzeptiert.
Derzeit laufen Arzneimittelverträge für 143 Wirkstoffe. Diese Wirkstoffe betreffen allein bei den AOKs ein Ausgabenvolumen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Seit Juni 2009 laufen Rabattverträge für 63 Wirkstoffe. Sie sind noch bis Ende Mai 2011 in Kraft. Am 1. April 2010 sind weitere Verträge für 80 Wirkstoffe in Kraft getreten. Sie gelten bis Ende März 2012.
Anfang Juni wurden die Zuschläge für die Verträge der fünften Ausschreibungsrunde erteilt. Diese Verträge starten am 1. Oktober 2010 und betreffen zwölf Wirkstoffe. Auch diese Verträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren. (Presseinfo vom 29.06.10)
Laufzeit: 1. Juni 2009 bis 31. Mai 2011
63 Wirkstoffe
2,3 Milliarden Euro AOK-Umsatzvolumen
22 Vertragspartner,
darunter 14 große Unternehmen, z. B. "1 Pharma" (Novartisgruppe, Nr. 4 auf dem Generikamarkt), Aliud Pharma (Tochter von Stada, Nr. 3 auf dem Generikamarkt);
darunter acht mittelständische Unternehmen, z. B. Heumann Pharma GmbH (Nürnberg), Apogepha Arzneimittel GmbH (Dresden)
Laufzeit: 1. April 2010 bis 31. März 2012
80 Wirkstoffe
1,4 Milliarden Euro Umsatzvolumen AOK
26 Vertragspartner,
darunter 13 große Unternehmen, z. B. Ratiopharm (Nr. 2 auf dem Generikamarkt), Sanofi Aventis Deutschland (Nr. 5 auf dem Generikamarkt);
darunter elf mittelständische Unternehmen, z. B. G. Pohl-Boskamp GmbH (Hohelochstedt), DR. KADE Pharmazeutische Fabrik (Berlin und Konstanz).
Laufzeit: 1. April 2010 bis 31. März 2012
12 Wirkstoffe
ca. 280 Millionen Euro Umsatzvolumen AOK
Acht Vertragspartner
AOK-Arzneimittelrabattverträge 2009 bis 2012
Übersicht der Wirkstoffe und Vertragspartnerunternehmen
Erfolgsmodell Arzneimittelrabattverträge
Antworten auf häufig gestellte Fragen (Stand: März 2010)
- Pressekonferenz zum Start der 4. Vertragsstaffel 2010 bis 2012 (30.03.2010)
- Pressekonferenz zum Start der Rabattverträge 2009 bis 2011
AOK-Ausschreibungsverfahren stärkt Wettbewerb und nützt mittelständischen Unternehmen
Zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung werden pro Jahr mehr als 2.500 verschiedene Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen mit mehr als 60.000 verschiedenen Arzneimittelpackungen abgegeben. Die 50 umsatzstärksten Anbieter in Deutschland haben 2008 mehr als 80 Prozent des gesamten Umsatzes für fertige Arzneimittel erwirtschaftet.
Die AOKs haben 2008 bei über 150 Anbietern für jeweils mindestens eine Million Euro Generika eingekauft. Besonders für Wirkstoffe, die häufig verschrieben werden und hohe Umsätze erzielen, gibt es viele Anbieter. So haben 2008 zum Beispiel 40 Hersteller den Wirkstoff Omeprazol abgeboten, der zur Behandlung säurebedingter Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt wird. Die AOK nutzt diese Anbietervielfalt für effizienten Wettbewerb und erfüllt damit die gesetzlichen Vorgaben des Vergaberechtes.
Die AOK schreibt die Arzneimittelrabattverträge regional über fünf Gebietslose aus. Je Wirkstoff und Gebietslos erhält ein Hersteller exklusiv den Zuschlag. Dieses Verfahren hat sich als besonders mittelstandsfreundliche erwiesen. Kleine und mittlere Unternehmen haben gute Chancen auf einen regionalen Zuschlag und erhalten Planungssicherheit.
Auch nach der inzwischen vierten Ausschreibungsrunde der AOK-Gemeinschaft seit 2007 ist nicht zu erkennen, dass sich im Markt neue Oligopole bilden bzw. die mittelständischen Hersteller benachteiligt würden. Im Gegenteil: Anstatt weniger Anbieter gibt es mehr, was wiederum den Wettbewerb fördert. Die oligopolartige Vormachtstellung der 2006 noch führenden Unternehmen wurde unter anderem zugunsten kleiner mittelständischer Unternehmen gebrochen und diesen damit die Chance gegeben, ihre Marktanteile deutlich zu erhöhen.
Die Rabattverträge, wie sie die AOK umsetzt, sind ein Instrument zur Förderung des Wettbewerbs und der mittelständischen Unternehmen. Diese Wirkung wird auch bei den aktuellen Rabattverträgen zu beobachten sein.
Rabattverträge für teure patentgeschützte Medikamente dringend nötig
Derzeit bezieht sich der gesetzliche Rahmen für Arzneimittelrabattverträge fast ausschließlich auf den Markt für Nachahmerpräparate, die Generika. Die AOK tritt dafür ein, dass der Gesetzgeber entsprechende gesetzliche Möglichkeiten auch für den Bereich der patentgeschützten Medikamente schafft. Denn der Markt der Arzneimittel mit Patentschutz ist für die Krankenkassen wirtschaftlich noch viel wichtiger als der Generika-Markt.
Deshalb begrüßt die AOK die aktuellen Pläne der Bundesregierung für eine Arzneimittelreform zur kurzfristigen Begrenzung der Ausgaben und Einführung einer Schnellbewertung von neuen Medikamenten als Grundlagen für eine faire Preisbildung.
Wie dringend die Krankenkassen das Instrument der Rabattverträge auch für den Bereich patentgeschützter Medikamente benötigen, belegen die Ausgaben für diese Arzneimittel:
Bei den Arzneimittelverschreibungen für AOK-Versicherte hatten patentgeschützte Medikamente 2009 einen Anteil von 18 Prozent. Nicht einmal ein Fünftel der Verordnungen macht dabei knapp 54 Prozent der Kosten aus: 5,9 Milliarden Euro hat die AOK 2009 für patentgeschützte Medikamente ausgegeben, 5,1 Milliarden für Generika*.
Verordnungen 2009 zu Lasten der AOK-Gemeinschaft:
- Generika: 203 Millionen (Verordnungsanteil 82 Prozent)
- Patentgeschützte Medikamente: 44,56 Millionen (18 Prozent)
Kosten für die AOK 2009 (Apothekenverkaufspreis):
- Generika: 5,1 Milliarden Euro (46,3 Prozent des Umsatzes)
- Patentgeschützte Medikamente: 5,9 Milliarden Euro (53,7 Prozent)
*Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)






