Konzepte gesucht: Auch pflegende Angehörige brauchen Hilfe
Berliner Gesundheitspreis 2010 ausgeschrieben
15.01.10 (ams). Mit dem Berliner Gesundheitspreis 2010 wollen der AOK-Bundesverband, die Ärztekammer Berlin und die AOK Berlin-Brandenburg den Blick der Öffentlichkeit auf die Leistung pflegender Angehöriger lenken. Denn in Deutschland ist die Familie immer noch die wichtigste Institution bei der Pflege von Angehörigen. Immerhin werden rund drei Viertel aller Pflegebedürftigen heute zu Hause gepflegt. Betroffen sind etwa 1,2 Millionen Haushalte. "Man kann hier mit Fug und Recht vom größten Pflegedienst der Nation sprechen", so der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, zum Start der Ausschreibung.
Über Monate und vielfach auch über Jahre hinweg kümmern sich Familienmitglieder oder Freunde - oft rund um die Uhr - um ihre pflegebedürftigen Angehörigen. 68 Prozent von ihnen müssen die Pflege mit einer eigenen Berufstätigkeit in Einklang bringen. Dabei können für sie die belastenden Auswirkungen des Pflegens erheblich sein: Schwere Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensqualität, soziale Isolation, familiäre Konflikte und finanzielle Schwierigkeiten gehören zu den Problemen, die in den Familien auftreten können. "Ärzte erleben dies täglich, lang andauerndes Pflegen kann krank machen", sagt Dr. med. Günther Jonitz, der Präsident der Ärztekammer Berlin.
Hinzu kommen weitere Faktoren, die die Belastungen verstärken, wie etwa fehlende Informationen über unterstützende Dienste oder die Tendenz zur Selbstüberforderung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass pflegende Angehörige selbst einen großen Veränderungsbedarf sehen. Sie wünschen sich mehr Informations- und Beratungsangebote, weniger Bürokratie, mehr Freizeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
Entlastung im Alltag
Deshalb sucht der Berliner Gesundheitspreis, den der AOK-Bundesverband, die AOK Berlin-Brandenburg und die Ärztekammer Berlin seit 1995 gemeinsam vergeben, bundesweit nach innovativen Projekten, die pflegende Angehörige unterstützen. Bis zum 31. Mai 2010 können sich Institutionen bewerben, die eine gesundheitliche Entlastung für diese Personengruppe bieten und ihr helfen, am sozialen Leben teilzuhaben sowie Pflege und Beruf besser vereinbaren zu können. Dabei geht es nicht ausschließlich um Menschen, die ihre älteren Angehörigen pflegen. Vielmehr ist auch an Eltern gedacht, die sich um ihre langzeit-pflegebedürftigen Kinder kümmern. "Es gibt gute Ansätze, wie man pflegende Familien in ihrem Alltag entlastet, und genau diese suchen wir, um sie auszuzeichnen", so Frank Michalak, Vorstandsvorsitzender der AOK Berlin-Brandenburg. Der Berliner Gesundheitspreis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert.
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