Von Abu Dhabi bis Phnom Penh: AOK-Experten im Einsatz
Gesundheitskasse berät international
12.07.12 (ams). Auch im Ausland wird der Rat der AOK und deren Mitarbeiter geschätzt. Pro Jahr ist ein Dutzend AOK-Experten in etwa zehn Ländern im Einsatz. In den vergangenen zwölf Jahren erstreckten sich die Aktivitäten auf 44 verschiedene Staaten. Umgekehrt besuchten zahlreiche ausländische Gäste den AOK-Bundesverband in Berlin, so auch in diesen Tagen. Gerade hat sich eine pakistanische Delegation verabschiedet. In Kürze erwartet die AOK in der Rosenthaler Straße Besucher aus Südkorea. Dazwischen ist Platz für eine philippinische Hospitanz in der Abteilung Politik und Unternehmensentwicklung.
Weitere Infos zu GIZ, GVG und AOK-Consult
"Unser regionaler Schwerpunkt ist aktuell Asien, vor allem China, Vietnam und Indonesien", erklärt Karin Dobberschütz, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationales bei der AOK-Consult. Dieser Geschäftsbereich berät gemeinsam mit dem AOK-Bundesverband politische Entscheidungsträger und begleitet die Entwicklung von Krankenversicherungen und Krankenversicherungsprojekten im Ausland. Dabei kooperiert die AOK-Consult GmbH mit der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und Gestaltung (GVG), der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und weiteren Partnern. Schwerpunkt ist die Vermittlung von Fachleuten aus der AOK-Familie an international operierende Organisationen. In diesem Jahr hat das Beratungsunternehmen bereits sieben Aufträge abewickelt. Ein Auslandseinsatz in Kambodscha ist in Vorbereitung.
Besonders die GIZ als die von der Bundesrepublik Deutschland getragene Organisation der Entwicklungszusammenarbeit greift gerne auf das Know How der AOK zurück. Und die AOK hilft gern: "Gute Gesundheitsversorgung ist auch eine Frage der Menschenwürde", sagt Rainer Eikel, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im AOK-Bundesverband. "Das deutsche Gesundheitssystem gilt zurecht als eines der besten der Welt. Wir übernehmen hier auch soziale Verantwortung im internationalen Kontext." Selbstverständlich trägt die GIZ alle Kosten für solche Einsätze, ebenso wie alle anderen Auftraggeber, die an die AOK-Consult herantreten.
Sendefertige Radio-O-Töne
Rainer Eikel zu den Vorteilen internationaler Kooperationen
Rey Balena über die Erwartungen an seine Hospitanz beim AOK-Bundesverband
Englisches Original
Rey Balena über seine Eindrücke nach den ersten Wochen beim AOK-Bundesverband
Englisches Original
Rey Balena über die mittelfristigen Ziele von PhilHealth
Englisches Original
Übersetzungsvorschläge für die Statements von Rey Balena
Manuskript
Ausgerechnet Asien
Der Schwerpunkt Asien kommt nicht von ungefähr. Die GIZ ist mit ihrem Studienprogramm "International Leadership Training Social Security" zur Zeit verstärkt in den östlichen Regionen unseres Erdballs aktiv. Ziel ist die Aus- und Weiterbildung von Führungskräften aus Entwicklungs- und Schwellenländern im Bereich der sozialen Sicherungssysteme. Eine dieser Führungskräfte ist Rey Balena. Der 39-Jährige kommt von den Philippinen und arbeitet dort für die staatliche Krankenversicherung PhilHealth. Seit Juni hospitiert er beim AOK-Bundesverband. Bei PhilHealth ist Rey Balena der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit. "Hier beim AOK-Bundesverband bekomme ich wertvolle Hinweise und Anregungen für meine Arbeit zu Hause", freut sich Balena. "Deutschland hat umfassende Erfahrung in der gesundheitspolitischen Kommunikation. Davon kann ich nur profitieren."
Ehrgeizige Ziele gesetzt
Profitieren, das wollen auch Balenas "Chefs" von PhilHealth. Sie haben sich ein äußerst ehrgeiziges Ziel gesetzt. In 15 Jahren sollen jeder Mann und jede Frau auf den Philippinen umfassenden Krankenversicherungsschutz genießen. Nur zum Vergleich: Deutschland hat dafür am Ende über 100 Jahre gebraucht. „Als ich das gehört habe, habe ich schon ein wenig geschluckt“, gibt Balena offen zu. "Das macht es nicht unbedingt einfacher, zumal die ,normalen‘ Menschen auf den Philippinen sich nur bis zu einem gewissen Grade für Gesundheitspolitik interessieren. Wenn sie krank sind, soll das System halt funktionieren. Ansonsten will sich niemand mit der Materie beschäftigen." Das bedeutet für Balena eine zusätzliche Herausforderung. Schließlich erhoffe sich die philippinische Regierung auch einen Imagegewinn durch eine erfolgreiche Gesundheitspolitik, sagt er. Die aktuelle Führung von PhilHealth hat eine ganze Reihe an Reformprogrammen gestartet, von denen sie sich eine deutliche Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands der philippinischen Bevölkerung erhofft.
In Rente, aber nicht im Ruhestand
Genau den umgekehrten Weg von Berlin nach Asien geht Mitte August Dr. Detlef Schmidt. Der AOK-Experte wird in Kambodscha ein Projekt zum Thema "Rehabilitation – Gesetzgebung und Verträge zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern" betreuen. Schmidt ist eigentlich im Ruhestand. Sein Engagement vermag das nicht zu bremsen, ganz im Gegenteil. „Ich habe noch nie verstanden, warum man gerade dann aufhören soll zu arbeiten, wenn man endlich was kann“, sprudelt es aus ihm heraus. "Darüber hinaus interessieren mich ferne Länder. Die lernt man am besten dadurch kennen, dass man dort arbeitet, also gewissermaßen existenziell abhängig ist. Nur gucken und Kulturdenkmäler bewundern, ist wenig lebensnah."
Aufwand und Umfang der Projekte der AOK-Consult differieren stark. "Pro Jahr haben wir rund zehn Projekte, wobei ein Projekt meist einen Experten erfordert", sagt Karin Dobberschütz. "Aber es gibt auch immer zwei bis drei Projekte, die bis zu fünf Einsätze unterschiedlicher Experten erfordern." In den vergangenen Jahren waren zwischen 14 und 20 Experten pro Jahr im Einsatz. Das kann bedeuten als Trainer auf der eintägigen Schulung einer ausländischen Delegation. Das kann aber auch heißen: Beratung im Ausland. Solch ein Engagement dauert dann gerne mal zwei Wochen. Einer der längsten Einsätze in Abu Dhabi dauerte sogar sechs Monate.
Seit 2006 baut die Regierung dort eine Krankenkasse auf. Dafür brauchte sie die Expertise aus der Fachwelt. Claus Borkowski, Mitarbeiter in der Stabsstelle Controlling der AOK NORDWEST, war sechs Wochen in einer strategischen Abteilung der Daman Health Insurance – so heißt die staatliche Krankenkasse. Er hat an der Weiterentwicklung eines Controllingberichts mit passenden Indikatoren mitgearbeitet. "Flexibilität ist eine der Grundvoraussetzungen, um als Berater im Ausland zu arbeiten", sagt Claus Borkowski. Das durfte der Controller am eigenen Leib erleben. Erst zehn Stunden vor dem Abflug bekam er grünes Licht für den Einsatz. Außerdem war der neue Arbeitsplatz für den AOK-Mann zunächst gewöhnungsbedürftig. In Kiel teilt sich Borkowski mit einem Kollegen ein Büro. In Abu Dhabi saß er zusammen mit 25 Kollegen aus zwölf Nationen in einem Großraumbüro
Beide Seiten profitieren
Und so sind die Auslandseinsätze der AOK-Experten alles andere als eine Einbahnstraße. "Die Einsätze sind ein wichtiger Baustein unserer Personalentwicklung", betont Rainer Eikel. "Wer sich darauf einlässt, muss sich innerhalb von Tagen auf neue Umstände einstellen, auf neue Kollegen, auf neue klimatische Bedingungen, auf ein ganz anderes kulturelles Umfeld." Zudem schätzt Eikel den Blick über den Tellerrand, den Perspektivwechsel. "Das ist dann auch völlig unabhängig vom Entwicklungsstand der sozialen Sicherungssysteme in den jeweiligen Ländern", sagt der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im AOK-Bundesverband, schaut kurz über den Rand seiner Brille und lächelt verschmitzt: "Oder hätten Sie gedacht, dass PhilHealth auf den Philippinen nahezu alle Belange online im Internet regelt? Stellen Sie sich das mal im Hightech Deutschland vor!"
Wertvolle Impulse
Ähnliche Erfahrungen machten die AOK-Fachleute beim Austausch mit Kollegen aus Thailand. Es ging um den Aufbau einer Pflegeversicherung. Schnell stellte sich heraus, dass sich die damit verbundenen Herausforderungen nur marginal von denen hier in Deutschland unterscheiden. So wurde vereinbart, den bilateralen fachlichen Austausch fortzusetzen. "Aus solchen Kontakten ergeben sich wertvolle Impulse auch für die tägliche Arbeit in Deutschland", sagt Karin Dobberschütz mit ein wenig Stolz in der Stimme. Schließlich sind sie und die Mitarbeiter der AOK-Consult ja nicht ganz unschuldig am erfolgreichen Kontaktmanagement.
Für die zweite Jahreshälfte ist das nächste Schulungsprogramm in Vorbereitung. Ende November kommt eine Delegation aus vier Ländern in Afrika und Asien nach Deutschland auf Studienreise. Kenia, Tansania, Vietnam und Kambodscha geben sich dann ein Stelldichein in Berlin.
