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AOK informiert über Chancen und Risiken der HPV-Impfung

Neue Entscheidungshilfe im Internet

20.07.09 (ams). Gebärmutterhalskrebs ist in Deutschland mit jährlich etwa 6.200 Neuerkrankungen eine vergleichsweise seltene Krebsart. Als Ursache gilt die Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die HPV-Impfung. Der Nutzen dieser Impfung wird jedoch von Gesundheitswissenschaftlern heftig diskutiert. "Die AOK hat deshalb eine Entscheidungshilfe im Internet entwickelt. Damit gibt sie Mädchen, jungen Frauen und ihren Eltern verlässliche und verständliche Informationen an die Hand, um ihnen die Grundlage zu geben für die gemeinsame Entscheidung mit ihrem Arzt für oder gegen die Impfung", sagt Dr. Gerhard Schillinger, Geschäftsführer des Stabes Medizin im AOK-Bundesverband.

Das humane Papillomavirus (HPV) ist ein Virus, das Haut- und Schleimhautzellen des Menschen befällt. Von den mehr als hundert bekannten HPV-Viren gelten etwa 15 als krebserregend. Geimpft wird gegen zwei HPV-Typen, die in etwa 70 Prozent der Gewebeproben von Gebärmutterhalskrebs gefunden werden. Übertragen werden die HPV-Viren meist beim Sex durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt. "Kondome und wenige Sexualpartner verringern das Risiko, sich mit HPV zu infizieren. Einen vollständigen Schutz bieten allerdings auch Kondome nicht", sagt Schillinger.

 

Immunsystem bekämpft Viren meist wirksam

Eine Infektion mit HPV-Viren bedeutet allerdings nicht, dass automatisch ein Krebs entsteht. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes kann das Immunsystem die Eindringlinge in 80 Prozent der Fälle wirksam bekämpfen und wieder aus dem Körper entfernen. Erst wenn die Infektion längere Zeit besteht, kann es zu Zellveränderungen kommen. Sie bilden sich meist ebenfalls von selbst zurück. Bleiben sie bestehen, kann sich daraus ein Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Von der Infektion bis zur Entwicklung schwerer Zellveränderungen am Gebärmutterhals vergehen meist viele Jahre. Wer raucht, ein geschwächtes Immunsystem hat und die Antibabypille einnimmt, hat ein höheres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Ob die Impfung tatsächlich Gebärmutterhalskrebs vermeiden kann, ist bisher nicht erwiesen. Auf jeden Fall sollten auch geimpfte Frauen weiterhin zur Vorsorge gehen, da auch andere HPV-Typen, gegen die nicht geimpft wird, Gebärmutterhalskrebs auslösen. Die bisher veröffentlichten Daten geben auch keine verlässliche Auskunft darüber, wie viele Zellveränderungen am Gebärmutterhals die Impfung tatsächlich verhindern kann. Im Gegensatz zur Impfung ist für die Früherkennungsuntersuchung gesichert, dass sie Krebserkrankungen vermeiden kann.

"Bei der Impfung werden nur einzelne Virusbestandteile gespritzt. Daher kann die Immunisierung selbst keine HPV-Infektion auslösen", erklärt Schillinger. Die häufigsten Nebenwirkungen sind meist harmlos: So können wie bei anderen Impfungen Fieber, Hautreaktionen an der Einstichstelle, Kopf- oder Muskelschmerzen sowie Müdigkeit auftreten. Gleichzeitig wird immer mehr über schwerwiegende Erkrankungen berichtet, unter anderem Nervenerkrankungen, Fälle von Multipler Sklerose und auch Todesfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung auftreten. Auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang nicht nachgewiesen werden kann, bleibt eine Unsicherheit, die dem nicht bewiesenen Nutzen gegenübersteht.

 

Regelmäßig Früherkennungsuntersuchung nutzen

"Auch wer geimpft ist, sollte regelmäßig die Früherkennungsuntersuchungen zum Gebärmutterhalskrebs nutzen", rät AOK-Arzt Schillinger. Durch die Vorsorge werden Veränderungen in den Zellen des Gebärmutterhalses frühzeitig erkannt und können dann rechtzeitig behandelt werden. Die Untersuchung können Frauen ab dem Alter von 20 Jahren einmal im Jahr auf Kosten der AOK wahrnehmen. Eine Praxisgebühr fällt dabei nicht an.

Die Online-Entscheidungshilfe der AOK informiert über die HPV-Infektion, die Erkrankung und Behandlung sowie über Nutzen und Risiken der HPV-Impfung. Zu den verschiedenen Themen sind weitere Hintergrundinformationen verlinkt. Im Anschluss steht die Bewertung und Entscheidungsfindung. Das Internetangebot steht allen Interessierten offen. Sie können die Ergebnisse auch ausdrucken und zum Gespräch mit dem behandelnden Arzt für oder gegen eine Impfung mitnehmen.

Fachlich entwickelt wurden die Inhalte durch das Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien, das hinsichtlich der Studienlage zur HPV-Impfung eine große Expertise hat. "Das Angebot liefert den Nutzern neutrale Informationen. Sinnvoll ist es, wenn sie die Entscheidung für oder gegen die HPV-Impfung gemeinsam mit ihrem Arzt treffen. Die fundierten Informationen, die sie in der Entscheidungshilfe bekommen, können ihnen dabei helfen", sagt Schillinger.

Die Online-Entscheidungshilfe zur HPV-Impfung

 

Zum ams Ratgeber 07/09