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Winterdepression: Wenn die Dunkelheit traurig macht

24.11.09 (ams). In der dunklen Jahreszeit haben viele Menschen Heißhunger auf Süßes. Außerdem sind sie häufiger niedergeschlagen, energielos und wollen mehr schlafen als im Frühjahr oder Sommer. "Wenn das Stimmungstief den Alltag beeinträchtigt, mehrere Winter hintereinander auftritt und regelmäßig im Frühjahr verschwindet, spricht man von einer Winterdepression oder saisonal abhängigen Depression. Das gilt allerdings nur, wenn nicht auch zu anderen Jahreszeiten depressive Phasen auftreten", erklärt Dr. Christiane Roick, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Charakteristisch für eine Winterdepression ist der wiederkehrende Rhythmus, bei dem die Beschwerden meist im Oktober oder November einsetzen. Die Ausprägung der Symptome hilft, zwischen einem vorübergehenden Stimmungstief und einer klinischen Depression zu unterscheiden. "Jahreszeitliche Einflüsse auf die Stimmung und das Verhalten machen sich bei den meisten Menschen bemerkbar. Bei einer Winterdepression sind Stimmung und Antrieb jedoch über mehrere Wochen deutlich beeinträchtigt. Dadurch werden das Familien- und Berufsleben in Mitleidenschaft gezogen", sagt Dr. Roick. In schweren Fällen nimmt die Arbeitsfähigkeit so stark ab, dass ein geregelter Arbeitstag nicht mehr möglich ist. Die Unterscheidung zwischen einem vorübergehenden Stimmungstief und einer Winterdepression kann am besten ein psychiatrischer Facharzt treffen.

 

Differenzierte Diagnose ist wichtig

Auch eine "klassische", nicht saisonal bedingte Depression kann im Winter beginnen. Sie zeigt allerdings teilweise andere Symptome als eine Winterdepression: eher Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme als Esslust, eher Schlafstörungen als eine erhöhte Schlafdauer. "Eine differenzierte Diagnostik ist wichtig, um die richtige Therapie zu finden", sagt Roick.

Saisonal abhängige Depressionen entstehen wahrscheinlich durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn, das wiederum durch einen Mangel an Sonnenlicht in den Wintermonaten zustande kommt. Der Lichtmangel kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stören und dadurch zur Entwicklung der depressiven Symptome beitragen. Dabei scheint das schlafregulierende Hormon Melatonin eine Rolle zu spielen. Dieses Hormon, das auch die Stimmung beeinflusst, wird besonders bei Dunkelheit ausgeschüttet. Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, bildet der Körper mehr Melatonin. Gleichzeitig reduziert er die Ausschüttung des Botenstoffes Serotonin, der die Stimmung positiv beeinflusst.

 

Bewegung im Freien entspannt

Viele Menschen halten sich vor allem im Winter zu wenig im Freien auf, um ausreichend Licht zu "tanken", das für eine ausgeglichene Stimmungslage erforderlich ist. Eine Therapie mit Kunstlicht kann dieses Defizit zwar ausgleichen, hat aber einen entscheidenden Vorteil der Tageslichttherapie nicht - die Bewegung. Regelmäßige körperliche Aktivität hat eine antidepressive, Angst lösende und entspannende Wirkung. Bewegung wird deshalb schon seit langem als Antidepressivum genutzt. Ein Spaziergang bei Tageslicht kann daher helfen, die Stimmung aufzuhellen. Selbst an grauen Tagen ist das natürliche Licht deutlich heller als künstliches Licht. Wer regelmäßig genügend Tageslicht "tankt" und trotzdem unter Anzeichen einer Depression leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Der Mediziner kann die Beschwerden mit Medikamenten oder auch mit einer Psychotherapie behandeln.


Zum ams-Ratgeber 11/09