Endlich wieder richtig durchatmen

Entzündung der Nasennebenhöhlen vorbeugen und behandeln

25.10.11 (ams). Sie entwickeln sich meist aus einem Schnupfen und treten besonders in der kalten Jahreszeit auf: Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis). Klingt die Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen nicht nach spätestens drei Monaten ab, spricht man von einer chronischen Rhinosinusitis. Wie sich die akute und chronische Form vorbeugen und behandeln lassen, erläutert Dr. Olaf Michel, Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und -Chirurgie. Er lehrt zurzeit in Brüssel, und zwar am Universitair Ziekenhuis der Vrijen Universiteit Brussel. Bei jährlich rund 6,3 Millionen Patienten stellen Ärzte in der Bundesrepublik eine akute Rhinosinusitis fest - das teilt die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie mit. Bei mehr als einem Drittel von ihnen - etwa 2,6 Millionen Menschen - diagnostizieren Mediziner eine chronische Form der Erkrankung. 

Auslöser sind Viren oder Bakterien

"Auslöser der akuten Nasennebenhöhlenenzündung sind in der Regel Erkältungsviren, die mit der Atemluft in die Nasengänge gelangen und von dort aus in die Nasennebenhöhlen wandern. Die chronische Form wird meist durch Bakterien verursacht", erklärt HNO-Mediziner Michel. Die Nasennebenhöhlen sind Hohlräume in den Gesichtsknochen; dazu gehören die neben der Nase liegenden Kieferhöhlen, die Stirnhöhlen sowie die Keilbeinhöhle und Siebbeinzellen hinter der Nase. Die Erreger befallen in einer oder mehrerer dieser Nebenhöhlen die Schleimhäute, die daraufhin vermehrt Sekret absondern. Der zähe und oft eitrige Schleim drückt auf die Höhlenwände und verursacht Schmerzen und ein Stauungsgefühl im Gesichtsbereich. Durch das Sekret und das Zuschwellen der Nasengänge fällt den Erkrankten das Atmen schwer, sie leiden unter Kopfschmerzen und können schlechter riechen und schmecken. Allgemeine Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Husten können hinzukommen. Wenn die Schleimhaut durch die virale Entzündung geschwächt ist, können bakterielle Erreger die Erkrankung verschlimmern.

Bei der chronischen Rhinosinusitis treten ähnliche Symptome auf, sind allerdings meist weniger stark ausgeprägt als bei der akuten Form. Anatomisch verengte Zugänge zu den Nasenhöhlen begünstigen eine chronische Entzündung, die aber auch allergisch bedingt sein kann. Häufig bilden sich Polypen. "Gehen Sie beim Verdacht auf eine Rhinosinusitis zum HNO-Arzt, damit dieser Komplikationen erkennen und behandeln kann", rät Facharzt Michel. Komplikationen treten zwar selten auf, können aber einen gefährlichen Verlauf gerade bei Kindern nehmen. Ohne angemessene Therapie kann sich die Entzündung beispielsweise in die Augenhöhle ausbreiten und zu Sehstörungen führen. Um eine Nasennebenhöhlenentzündung zu vermeiden, empfiehlt es sich, die zugrunde liegende Erkältungskrankheit ausreichend zu behandeln. "Trinken Sie viel und spülen Sie Ihre Nase drei bis vier Mal täglich mit einer Kochsalzlösung", empfiehlt Michel. Diese sogenannte Nasendusche befeuchtet die Schleimhäute in der Nase und reinigt sie. Die Salzlösung kann man selbst herstellen, indem man einen Esslöffel Kochsalz in einen Liter lauwarmes Wasser gibt.

Ruhe gönnen und ausreichend trinken

Entwickelt sich dennoch eine akute Rhinosinusitis, können abschwellende Nasentropfen das Atmen erleichtern. Die Patienten sollten sie allerdings höchstens sieben bis zehn Tage anwenden. Wer warme Dämpfe einatmet, kann dadurch die Nasenschleimhäute beruhigen. Auf den Zusatz ätherischer Öle kann verzichtet werden, da dies keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Entscheidend ist es auch, dem Körper Ruhe zu gönnen und ausreichend zu trinken. "Bei den meisten Patienten ist die akute Rhinosinusitis durch Viren verursacht. Daher ist eine Behandlung mit Antibiotika nicht notwendig", sagt HNO-Experte Michel. Bei ansonsten gesunden Menschen heilt auch eine bakteriell bedingte Erkrankung in der Regel spätestens nach einigen Wochen.

Antibiotika nur in bestimmten Fällen einnehmen

Antibiotika sollten Patienten nur einnehmen, wenn sie starke Beschwerden haben oder wenn sich die Beschwerden im Laufe der Erkrankung verstärken, bei Fieber über 38,3 Grad Celsius und wenn Komplikationen drohen. Die Gabe von Antibiotika ist zudem notwendig bei Menschen mit chronisch entzündlicher Lungenerkrankung, herabgesetzter Immunabwehr, schweren Grundleiden, im Alter und bei besonderen Risikofaktoren. Bei einer chronischen Rhinosinusitits kann eine längere Therapie mit An-tibiotika sinnvoll sein. Nasenspülungen und -sprays können die Beschwerden lindern. "Helfen alle Maßnahmen nichts oder drohen Komplikationen, sollte eine Operation erwogen werden", sagt HNO-Experte Michel.

In der Regel führt der Chirurg den Eingriff durch die Nasenlöcher mit einem Endoskop (Instrument zur Vergrößerung) und mit mikrochirurgischen Instrumenten durch. Dabei versucht er, anatomische Engstellen und die erkrankte Schleimhaut zu beseitigen. Um sich Zugang zu den Nebenhöhlen zu verschaffen, muss der Operateur manchmal die Nasenscheidewand begradigen oder die Nasenmuscheln verkleinern. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie ist die minimal-invasive Chirurgie der chronischen Rhinosinusitis effektiv – bei vielen Patienten bessern sich die Beschwerden nach einem Eingriff langfristig und die Lebensqualität steigt. Allerdings kann die Erkrankung in chronischen Fällen auch nach einer Operation auftreten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erkranken 20 bis 60 Prozent der Patienten mit chronischer Rhinosinusitis, die mit Polypen einhergeht, nach einem Eingriff erneut, wenn nicht regelmäßig weiter mit Medikamenten behandelt wird.

Weitere Infos in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.


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