"TigerKids" geben Kalorienbomben keine Chance
Präventionsprojekt der AOK für Kindergartenkinder
06.08.09 (ams). Früh übt sich - wer im Kindesalter lernt, dass Obst und Gemüse gut schmecken und dass regelmäßige Bewegung Spaß macht, ist bereits auf dem besten Weg, auch als Erwachsener gesund zu leben. Übergewicht futtern sich die meisten Menschen schon als Kinder an, zum Teil mit schlimmen gesundheitlichen Folgen. Damit sich möglichst viele Kinder schon frühzeitig an gesunde Kost gewöhnen, bieten die AOK und die Stiftung Kindergesundheit mit "TigerKids - Kindergarten aktiv" ein Präventionsprogramm an, das Kindern zeigt, was gesund ist und lecker schmeckt. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen unterstützt das Projekt.
Die Zahlen sind alarmierend: 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre in Deutschland leiden nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts unter Übergewicht. 6,3 Prozent gelten sogar als fettleibig (adipös). Diabetes Typ II, eigentlich eine Alterserkrankung, trifft immer mehr junge Menschen. Andere Untersuchungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche immer unbeweglicher werden. So einfache Übungen wie rückwärtsgehen oder balancieren können heute immer weniger Kinder, haben Wissenschaftler der Universität Karlsruhe herausgefunden.
4.000 Kindergärten bis Jahresende
Einen Ausweg aus dieser Misere bietet das bundesweit größte Präventionsprogramm "TigerKids". Das Projekt ist ein wichtiger Baustein der AOK-Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft" und wird mittlerweile in mehr als 3.000 Kindergärten in allen 16 Bundesländern eingesetzt. Nach Angaben von Projektleiter Professor Berthold Koletzko werden damit bereits 150.000 Familien erreicht. Bis Ende 2009 sollen es etwa 200.000 Familien sein, 4.000 Kindergärten sollen dann nach dem Programm arbeiten, wie der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, erklärt. Eigens für dieses Projekt geschulte Erzieherinnen leiten Drei- bis Sechsjährige zum Herumtollen und zum regelmäßigen Genuss gesunder Nahrung an. Auch das Trinken von ungezuckerten und kalorienarmen Getränken wie Fruchtsaftschorlen oder Wasser gehört dazu.
"TigerKids" macht sich die Vorbildfunktion von Erziehern und die Gewohnheit des gemeinsamen Essens mit Spielgefährten in den Kindergärten zunutze. "Von meinen eigenen Kindern weiß ich, dass die Kids uns Erwachsene gerne nachahmen und dann zum Beispiel auch für manche Gemüsesorten zu begeistern sind", erläutert Reichelt die Vorgehensweise der Initiatoren. Was gesund ist und was nicht, lernen die Kinder im Spiel. Dabei hilft eine Tiger-Handpuppe, die als Leitfigur das Programm begleitet und zum Beispiel mit den Kindern über die von zu Hause mitgebrachten Pausenbrote "spricht".
Mit von der Partie ist auch ein Holzzug, angeführt von der "kleinen Lok, die alles weiß". In sieben Waggons füllen die Kinder Lebensmittel und Getränke und ordnen sie der Reihe nach. In den ersten Waggon gehören Gemüse, Obst und Getreideprodukte, (z. B. Brot und Müsli), dann folgen Getränke (z. B. Wasser, ungesüßter Tee, Fruchtsaftschorlen), den dritten Waggon beladen die Kinder mit Milch- und Käseprodukten, Eiern, Fisch sowie Fetten und Ölen (z. B. Bratwürstchen, Fleisch), zuletzt kommen die Süßigkeiten. Statt Chips und Schokolade können die Kinder von einem "magischen Obstteller" mundgerecht geschnittenes Obst und Gemüse naschen.
Mithilfe der Eltern gefragt
Auch die Eltern werden in das Programm einbezogen. Dazu erhalten die Kitas einen Leitfaden mit sechs Themenheften. Darin enthalten sind wichtige Projektinformationen, Tipps und Materialien sowie zahlreiche praktische Vorschläge für Bewegungsspiele und Aktionen zum Thema Ernährung. Außerdem wird auf Elternabenden über eine gesunde Lebensweise informiert. Als einen wichtigen Aspekt des Projekts hebt Koletzko hervor, dass auch sozial benachteiligte Kinder und Familien davon profitieren. Da 97 Prozent aller Kinder in Deutschland Kindertageseinrichtungen besuchen, werden annähernd alle Bevölkerungsgruppen erreicht, auch Kinder aus bildungsfernen Familien oder mit Migrationshintergrund. Begonnen wurde das Projekt 2003 mit einer Testphase in 64 bayerischen Kindergärten. Heute ist "TigerKids" das bundesweit größte Präventionsprojekt in Kindertageseinrichtungen. Ermutigt durch die beobachteten Erfolge, planen die Initiatoren eine Ausweitung auf Krippen. Auch in anderen EU-Ländern macht "TigerKids" Furore. Die Europäische Kommission hat im "Weißbuch Ernährung, Übergewicht, Adipositas: Eine Strategie für Europa (2007)" das Programm als europäisches Modellprojekt empfohlen, um gegen ungesunde Ernährung und Übergewicht zu kämpfen. Geplant ist deshalb, das Projekt in Griechenland, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Polen einzusetzen.
Kindergesundheit bei der AOK
Die AOK-Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft" besteht aus zahlreichen bewährten Präventionsprojekten. Dabei arbeitet die Gesundheitskasse schon seit Jahren mit Eltern, Lehrern und Kita-Teams, mit Wissenschaftlern, Medien und Verbänden zusammen.
Projekte der AOK-Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft":
- AOK-Familienportal www.aok.de/kids: Wie wachsen Kinder gesund auf? Was kann man tun, damit sie gesund bleiben? Auf der Internetseite können sich Eltern, Lehrer und Erzieher rund um das Thema Kindergesundheit vom Säuglings- bis zum Teeniealter informieren.
- Familientag der AOK: Bei dem bundesweiten Aktionstag werden in mehr als 100 Städten Programme geboten, wie ein Mitmach-Zirkus, Pool-Partys oder das Klettern über Seillandschaften. Jedes Jahr steht der Tag unter einem anderen Gesundheits-Motto.
- "Fit sein macht Schule" - deshalb motiviert das Projekt Schülerinnen und Schüler zwischen sechs und 18 Jahren, sich wieder mehr zu bewegen. 2001 ging das Projekt an den Start und zählt mittlerweile eine Million Teilnehmer.
- AOK-Kindertheater: "Möhren, Kinder, Sensationen" - bundesweite Theatertournee für Kinder von vier bis zwölf Jahren. Auf Workshops können sich die Kids als Artisten ausprobieren. Im Zentrum steht das Theatermusical "Henrietta in Fructonia". Ziel ist es, den Kindern gesundes Essen und viel Bewegung schmackhaft zu machen.
- Kooperation der AOK und des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH): Die AOK und das DJH setzen sich gemeinsam für die Gesundheit junger Menschen und Familien ein. Dazu informieren sie über Gesundheitsthemen und schaffen (Freizeit-)Angebote, die bewegen - zum Beispiel die erste deutsche Meisterschaft im Tischtennisrundlauf.
- AOK-Babytelefon: 365 Tage im Jahr stehen Ärzte und Fachpersonal telefonisch bereit, um Hilfe suchenden Eltern Fragen zu beantworten, wenn ihr Kind krank ist.
- AOK-Broschüre "Familienalltag leicht gemacht": In dem Ratgeber erfahren Mütter und Väter, wie sie ihr Familienleben aktiv und gesund gestalten können. Die Broschüre fasst die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zusammen, die im Auftrag von AOK und der Illustrierten "Stern" erstellt wurde. Der Ratgeber ist in allen AOK-Geschäftsstellen erhältlich.
- "PowerKids": Ein Programm, in dem übergewichtige Kinder ab acht Jahren spielerisch lernen, wie sie weniger fett essen und sich mehr bewegen können.






