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Durch "TigerKids" essen Kinder mehr Obst

ams-Interview: Dr. Herbert Reichelt, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes

Dr. Herbert Reichelt Reichelt, Dr. Herbert 11/08 - m

Dr. Herbert Reichelt

06.08.09 (ams). Seit drei Jahren unterstützt die AOK bundesweit das Präventionsprogramm "TigerKids". Wie die Evaluationsergebnisse nach dieser Zeit ausfallen und welche Bedeutung das Programm für das deutsche Gesundheitssystem hat, erklärt der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, im Gespräch mit dem AOK-Medienservice (ams).

Was hat die AOK mit dem Präventionsprogramm "TigerKids" in den vergangenen drei Jahren erreicht?

Reichelt: Für uns als Gesundheitskasse ist es wichtig, dass Präventionsprogramme wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Das trifft in besonderem Maß für Projekte zu, die sich mit Kindern befassen. Für "TigerKids" liegen die Evaluationsergebnisse nun vor, und ich bin stolz darauf, hier von einer Erfolgsgeschichte sprechen zu können. Die Evaluation hat gezeigt, dass Kinder durch "TigerKids" mehr Obst und Gemüse essen - in der Kita und zu Hause. Außerdem trinken sie weniger versteckte Dickmacher wie Softdrinks, sondern mehr kalorienarme Getränke. Statt Milchschnitte und Schokoriegel bringen sie eine gesunde Pausenverpflegung mit in die Schule. Und die Bewegungsspiele in den Kitas haben zugenommen. Ganz wichtig ist auch, dass "TigerKids" von Erzieherinnen und Erziehern sehr gut angenommen wird und sie das Programm als "sehr wertvoll" bezeichnen.

Was genau leistet die AOK im Rahmen von "TigerKids"?

Reichelt: Die AOK stellt sämtliche Materialien, z. B. das ausführliche Arbeitsmaterial für die Erzieherinnen und Erzieher, die Tigerhandpuppe, die die Kinder dazu animiert, sich mehr zu bewegen und mehr Obst und Gemüse zu essen oder den "TigerKids"-Holzzug. Auch die "Tipp-Cards", die vielfältige und leicht umsetzbare Ernährungs- und Bewegungstipps enthalten, stammen von der AOK. Darüber hinaus machen AOK-Ernährungs- und Bewegungsexperten die Erzieherinnen und Erzieher in Workshops mit der Materie vertraut und erarbeiten individuelle Umsetzungskonzepte für jede einzelne Kita. Die AOK-Experten stehen dann in den folgenden drei Jahren mit Rat und Tat zur Seite - auf Wunsch auch vor Ort. Um die Gruppe der türkischsprachigen Eltern zu erreichen, haben wir die Elternmedien, z. B. die Elternbriefe, zudem ins Türkische übersetzen lassen.

Welche Bedeutung hat das Programm für das deutsche Gesundheitssystem?

Reichelt: Von meinen eigenen Kindern weiß ich, dass die Kids uns Erwachsene gerne nachahmen und dann zum Beispiel auch für manche Gemüsesorten zu begeistern sind. Und die Tatsache, dass sowohl individuelle Essgewohnheiten als auch das Bewegungsverhalten und Stressbewältigungsstrategien maßgeblich in der Kindheit geprägt und verinnerlicht werden, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Das sind wichtige Aspekte, die im Erwachsenenalter unser Gesundheitsverhalten prägen. Wenn wir mit "TigerKids" in der Kita möglichst viele Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten erreichen, heißt das, dass wir ihr künftiges Gesundheitsverhalten ein Stück weit beeinflussen können. Wir können also einen Beitrag leisten, damit die kommenden Generationen ein gesünderes Ess- und Bewegungsverhalten verinnerlichen. Das ist nicht nur gut für das persönliche Wohlbefinden, sondern auch für das deutsche Gesundheitssystem.

Wie geht es mit "TigerKids" weiter?

Reichelt: Die guten Evaluationsergebnisse und auch die positive Resonanz aus anderen Staaten und aus der EU haben uns überzeugt, das Programm fortzusetzen und weiter zu entwickeln. So prüfen wir zur Zeit Möglichkeiten, "TigerKids" auch auf den Krippenbereich auszuweiten. Außerdem werden wir die Eltern noch stärker unmittelbar in die Programme einbinden und uns mit weiteren kommunalen Partnern vernetzen. Wir werden die Umsetzung in anderen EU-Staaten genau beobachten und neue Erkenntnisse in unser Konzept aufnehmen. Und natürlich werden wir den weiteren Verlauf des "TigerKids"-Programms weiterhin dokumentieren und evaluieren.

Weitere Infos zur Initiative "Gesunde Kinder - gesunde Zukunft"


Zum ams-Thema 04/09