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Uwe Deh: Schutz vor überflüssigen Operationen muss besser werden

Ehrliche Diskussion um besseren Patientenschutz nicht mit Rationierungsvorwürfen blockieren

(04.05.12) "Niemandem darf eine notwendige Operation vorenthalten werden. Aber genauso wenig darf unnötig operiert werden." Dies erklärte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, am Freitag (4. Mai) zur aktuellen Diskussion um die Senkung zu hoher Operationszahlen in Deutschland.

Eine ehrliche Diskussion um besseren Schutz der Patienten vor überflüssigen Operationen dürfe auch nicht durch vorschnelle Rationierungsvorwürfe blockiert werden. Deh: "Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland sichert jedem Patienten, ob nun jung oder alt, gute medizinische Behandlung und dazu gehört auch ohne jede Altersbegrenzung selbstverständlich eine künstliche Hüfte oder ein künstliches Kniegelenk. Die AOK will, dass das ohne wenn und aber auch so bleibt. Verbessern müssen wir aber den Schutz der Patienten vor überflüssigen Operationen. Hier besteht großer Handlungsbedarf. Denn überflüssige Operationen setzen Patienten medizinethisch unvertretbar hohen Risiken aus. Das sind zugleich vermeidbare finanzielle Belastungen für die Beitragszahler."


O-Töne mit Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes

Vermeidung überflüssiger Operationen ist aktiver Patientenschutz

 

Steigende Zahl von Operationen ohne medizinische Notwendigkeit

 

Sinnvolle Instrumente zur Vermeidung überflüssiger Operationen


Deh sagte weiter: "Je stärker Kliniken aufgrund von Überkapazitäten unter wirtschaftlichem Druck stehen, desto größer ist auch der Anreiz, aufgrund eines rein wirtschaftlichen Kalküls zu operieren. So zeigen wissenschaftliche Studien, dass durchaus nicht allein die medizinische Notwendigkeit im Vordergrund steht. Was früher die Hüft- und Kniegelenksoperationen waren, das sind heute die Rückenoperationen. Wir verzeichnen eine enorme Zunahme der Fallzahlen, ohne dass hierfür medizinische Gründe ersichtlich wären."

Beispielsweise hätten die Cage Implantationen (Wirbelkörperversteifungen mit Metallkäfigen) von 2007 bis 2009 um knapp 60 Prozent zugenommen, und die Zahl der Bandscheibenendoprothesen sei im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent gestiegen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie arbeite die AOK daran, diese Entwicklung genau zu untersuchen und wirkungsvolle Qualitätssicherungsmaßnahmen zu etablieren, um Patienten besser vor möglicherweise überflüssigen und gefährlichen Operationen an der Wirbelsäule zu schützen.

Ein wichtiger Beitrag zum Schutz vor überflüssigen Operationen seien auch die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr vorgeschlagenen Mehrleistungsbegrenzungen für Krankenhäuser. Dieses Instrument müsse so gestaltet werden, dass es unattraktiv werde, Operationszahlen aus einem rein ökonomischem Kalkül in die Höhe zu treiben.

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, müsse bei der Finanzierung von Kliniken grundsätzlich die Qualität der medizinischen Versorgung eine größere Rolle spielen. Besonders wichtig sei für Patienten die richtige Auswahl der Klinik, in der die sinnvolle Operation stattfinden soll. Hier biete die AOK allen gesetzlich Krankenversicherten schon heute die Möglichkeit, beim geplanten Einsatz einer künstlichen Hüfte, eines Kniegelenks oder bei der geplanten Entfernung der Gallenblase sich nach der Internetrecherche im AOK-Krankenhaus-Navigator für die Durchführung der Operation in Krankenhäusern mit guten Qualitätsergebnissen zu entscheiden.

Auch das von der AOK mitinitiierte Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) leiste einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit. Bei künstlichen Hüft- und Kniegelenken werde es dadurch bald leichter als heute möglich, bei Bedarf gezielte Rückrufaktionen zu starten und betroffene Patienten schnell und direkt über mögliche Produkt- und Prozessmängel zu informieren.. Das Register nehme Mitte 2012 seinen Betrieb auf.

Das Einsetzen von künstlichen Hüft- und Kniegelenken gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Allein im Jahr 2010 haben Ärzte rund 390.000 Hüft- und Knie-Endoprothesen bei Patienten mit starkem Gelenkverschleiß (Arthrose) oder nach Brüchen eingebaut. Darin enthalten sind knapp 37.000 Wechseloperationen, bei denen die Kunstgelenke ausgetauscht werden mussten. Über die Gründe dafür wollen die Beteiligten mit Hilfe des EPRD mehr erfahren.

(Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 04.05.12)

Mehr Infos zu den regional unterschiedlichen Operationshäufigkeiten im  Krankenhaus-Report 2012

Hintergrund:

Die Preise für Cage Implantationen bewegen sich zwischen etwa 6.300 Euro und 13.000 Euro. Abgerechnet werden diese nach dem Fallpauschalen-Katalog, der Auflistung der abrechenbaren Diagnosis Related Groups (DRGs). Maßgeblich für die Cage Implantationen sind die DRGs I09A bis I09E. Dabei bezeichnet I09A den höchsten Schweregrad.

Bei der Bandscheibenprothese bewegen sich die Preise zwischen 6.600 Euro und 9.800 Euro. Maßgeblich sind hier - je nach Schweregrad - die DRGs I45A und I45B.

Die genannten Preise sind Richtwerte für das Jahr 2012. Diese Werte variieren aufgrund unterschiedlicher Landesbasisfallwerte von Bundesland zu Bundesland.

Weitere Infos zum DRG-System sowie die aktuellen Vereinbarungen und Vorgaben