Krankenkassen schreiben schwarze Zahlen
(07.09.09) Die gesetzlichen Krankenkassen haben in den ersten sechs Monaten 2009 erneut schwarze Zahlen geschrieben. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums vom Montag (7. September) standen Einnahmen von 85,0 Milliarden Euro Ausgaben in Höhe 83,8 Milliarden Euro gegenüber. Damit erzielten die Kassen in der ersten Jahreshälfte ein Plus von 1,2 Milliarden Euro. Nach Angaben des Ministeriums stehen den Krankenkassen für 2009 (ohne Landwrtschaftliche Krankenkassen) 167,6 Milliarden Euro für die Versorgung der Versicherten zur Verfügung und damit rund elf Milliarden Euro mehr als im Jahr davor.
Im bisherigen Verlauf 2009 habe keine Krankenkasse ein Defizit ausweisen müssen. Mit einer Ausnahme habe auch keine Kasse Zusatzbeiträge erhoben. Auch habe sich gezeigt, dass "viele Selbstverwaltungen die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich zu wirtschaftlichen Leistungseinheiten zusammengeschlossen haben". So sei die Zahl der Kassen mittlerweile auf 186 von 215 Kassen zum Jahresende 2008 zurückgegangen.
Die Leistungsausgaben der Kassen insgesamt stiegen dem Ministerium zufolge im ersten Halbjahr um 6,2 Prozent je Versicherten. Für ambulante ärztliche Leistungen wurden 8,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2008 ausgegeben. Hier zeigt sich laut Ministerium eine erhebliche Verbesserung der Vergütungssituation für Ärzte infolge der Honorarreform. Hierzu hätten außerdem die um 21,7 Prozent höheren Ausgaben für ärztliche Früherkennungsuntersuchungen beigetragen. Insgesamt betrage der Anteil aller Ausgaben der GKV, die der vertragsärztlichen Versorgung zugute kämen, einschließlich Praxisgebühr rund 19 Prozent.
Ein Anstieg bei den Ausgaben für stationäre Versorgung von 5,8 Prozent im Halbjahr spiegelt den Angaben zufolge zu einem erheblichen Teil bereits die zusätzlichen Mittel von ca. 3,5 Milliarden Euro wider, "die den Krankenhäusern in diesem Jahr zur Verbesserung der Finanz- und Arbeitssituation zur Verfügung stehen". Der Anstieg der Arzneimittelausgaben (ohne Impfkosten) lag bei 5,1 Prozent, wobei Einsparungen durch Rabattverträge darin noch nicht enthalten sind. "Deren konsequente Nutzung ist weiterhin dringend geboten", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.
AOK-Überschuss bei 800 Millionen Euro
Die AOK hat im ersten Halbjahr 2009 einen Überschuss von 818 Millionen Euro erzielt. Von diesem Finanzergebnis profitierten "vor allem unsere 24 Millionen Versicherten, denn die AOK ist 2009 nicht auf Zusatzbeiträge angewiesen und bietet sichere Leistungen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, am 25. August. Er geht davon aus, dass die AOK durch das gute erste Halbjahr für das gesamte Jahr 2009 ein ausgeglichenes Finanzergebnis mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von voraussichtlich rund 66 Milliarden Euro erreichen wird. Der Überschuss werde von der AOK benötigt, um absehbare Belastungen, wie weiter steigende Behandlungskosten und die Schweinegrippe-Schutzimpfung, zu bezahlen. Als Erfolgsfaktoren nannte Reichelt das gute Kosten- und Leistungsmanagement der AOK, zum Beispiel durch Arzneimittel-Rabattverträge und Disease-Management-Programme für chronisch Kranke. Auch die Mitgliederentwicklung sei positiv. Die AOK werde zunehmend von Berufseinsteigern, jungen Familien und Berufstätigen gewählt.
Ausgaben der GKV von Januar bis Ende Juni 2009:
(Veränderungsrate je Versicherten zum 1. Halbjahr 2008 in Prozent)
- Ärztliche Behandlung: 16,1 Milliarden Euro
GKV: + 8,1 %
AOK: + 11,6 %
- Zahnärztliche Behandlung: 4,3 Milliarden Euro
GKV: + 4,6 %
AOK: + 4,8 %
- Zahnersatz: 1,6 Milliarden Euro
GKV: + 3,4 %
AOK: + 2,7 %
- Arzneimittel: 16,0 Milliarden Euro
GKV: + 5,1 %
AOK: + 4,2 %
- Hilfsmittel: 2,6 Milliarden Euro
GKV: + 5,5 %
AOK: + 6,1 %
- Heilmittel: 2,1 Milliarden Euro
GKV: + 3,7 %
AOK: + 4,7 %
- Krankenhaus: 28,4 Milliarden Euro
GKV: + 5,8 %
AOK: + 6,1 %
- Krankengeld: 3,6 Milliarden Euro
GKV: + 9,9 %
AOK: + 8,2 %
- Fahrkosten: 1,7 Milliarden Euro
GKV: + 7,5 %
AOK: + 9,0 %
- Vorsorge- und Reha-Maßnahmen: 1,3 Milliarden Euro
GKV: - 1,0 %
AOK: - 0,8%
- Soziale Dienste/Prävention: 1,0 Milliarden Euro
GKV: - 7,6 %
AOK: - 9,3 %
- Schwangerschaft /Mutterschaft ohne stationäre Entbindung: 0,5 Milliarden Euro
GKV: + 3,4 %
AOK: + 1,2 %
- Häusliche Krankenpflege: 1,4 Milliarden Euro
GKV: + 11,2 %
AOK: + 11,7 %
Netto-Verwaltungskosten: 4,1 Milliarden Euro
GKV: + 3,9 %
AOK: + 3,6 %
(Quelle: BMG, KV-45-Zahlen, 07.09.09)






