Gesetzliche Krankenversicherung schließt 2012 mit Finanzplus ab

(07.03.13) Auch das Jahr 2012 hat die GKV mit einem Finanzplus abgeschlossen. Die Krankenkassen verzeichneten bei Einnahmen von 189,6 Milliarden Euro und Ausgaben von 184,5 Milliarden Euro einen Überschuss von 5,07 Milliarden Euro. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag (7. März) mit. Der Gesundheitsfonds verzeichnete demnach ein Plus von 3,55 Milliarden Euro. 2011 betrug der Überschuss der Kassen noch rund vier Milliarden Euro. Nach Angaben des Ministeriums verfügt die GKV über eine Finanzreserve von 28,3 Milliarden Euro, von denen 13,1 Milliarden Euro auf die Liquiditätsreserve im Gesundheitsfonds und 15,2 Milliarden Euro auf die Krankenkassen entfallen.

Im Zusammenhang mit der Debatte um eine Kürzung des Bundeszuschusses zur Haushaltskonsolidierung verweist das Ministerium darauf, dass mit der ursprünglich vorgesehenen Höhe des Steuerzuschusses von 14 Milliarden Euro im Jahr "nur rund 40 Prozent der familienpolitischen Leistungen der GKV" abgedeckt seien. Diese beliefen sich auf insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro jährlich.

Bei Arzneimitteln verzeichnet die GKV 2012 einen Anstieg der Ausgaben pro Versicherten um 1,1 Prozent. Diese "moderate" Entwicklung führt das Ministerium auf Einsparungen durch Rabattverträge in Höhe von rund zwei Milliarden Euro und auf die Vorgaben des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) zurück. In den Ausgaben für die vertragsärztliche Behandlung, die um 2,6 Prozent je Versicherten gestiegen sind, sind lediglich flächendeckende Abrechnungen aller Kassenärztlichen Vereinigungen für das erste Halbjahr enthalten. Die Mehrausgaben entsprechen laut Ministerium einem Plus von 800 Millionen Euro an Arzthonoraren auf nun 34,49 Milliarden Euro. 

Graalmann: Finanzpolster deckt Ausgaben von neun Tagen

Als "ausgesprochen erfreulich" bezeichnet der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, das Finanzergebnis der AOK-Gemeinschaft. Die AOK habe ihre Kosten im Griff, was neben der stabilen Finanzausstattung der GKV durch die Politk "zum guten Ergebnis beigetragen" habe. Zwar klinge ein Plus von 1,85 Milliarden Euro "nach viel. Doch dazu sollte man unbedingt wissen, dass wir mit diesem Finanzpolster gerade mal neun Tage lang unsere täglichen Ausgaben bestreiten könnten angesichts des Ausgabenvolumens für medizinische Versorgung von über 70 Milliarden Euro im Jahr", stellte Graalmann klar.

Der AOK-Chef appellierte erneut an die Politik, den Gesundheitsfonds nicht einfach "als Finanzreserve zur Stützung des Bundeshaushalts" zu nutzen. Vielmehr müsse die positive Entwicklung endlich für Strukturreformen in der GKV genutzt werden, um aus dem Finanzplus "ein Qualitätsplus für die Versicherten" zu machen. "Also Chance nutzen statt Geschenke verteilen."


Ausgaben der GKV im Jahr 2012 in ausgewählten Bereichen

Veränderungsrate je Versicherten gegenüber 2011 in der GKV und der AOK:

Ärztliche Behandlung: 34,49 Milliarden Euro
GKV: + 2,6%
AOK: + 2,3 %

Zahnärztliche Behandlung: 9,00 Milliarden Euro
GKV: + 2,4 %
AOK: + 2,8 %

Zahnersatz: 3,23 Milliarden Euro
GKV: - 1,8 %
AOK: - 1,7 %

Arzneimittel: 31,33 Milliarden Euro
GKV: + 1,1 %
AOK: - 0,5 %

Hilfsmittel: 6,81 Milliarden Euro
GKV: + 1,9 %
AOK: + 2,5 %

Heilmittel: 5,26 Milliarden Euro
GKV: + 2,1 %
AOK: + 2,4 %

Krankenhaus: 62,47 Milliarden Euro
GKV: + 2,7 %
AOK: + 2,3 %

Krankengeld: 9,17 Milliarden Euro
GKV: + 7,6 %
AOK: + 8,9 %

Fahrkosten: 4,06 Milliarden Euro
GKV: + 4,6 %
AOK: + 4,3 %

Vorsorge- und Reha-Maßnahmen: 2,48 Milliarden Euro
GKV: + 2,6 %
AOK: + 1,1 %

Soziale Dienste/Prävention: 1,72 Milliarden Euro
GKV: + 0,0 %
AOK: - 6,4 %

Schwangerschaft /Mutterschaft ohne stationäre Entbindung: 1,05 Milliarden Euro
GKV: + 1,7 %
AOK: + 5,3 %

Häusliche Krankenpflege: 3,91 Milliarden Euro
GKV: + 9,0 %
AOK: + 7,9 %

Netto-Verwaltungskosten: 9,61 Milliarden Euro
GKV: + 2,6 %
AOK: - 0,6 %


(Quelle: BMG, KV-45-Zahlen, 07.03.13)