1. Preis: Begleitetes Wohnen e.V. Dresden

Berliner Gesundheitspreis 2006/07, Kategorie 2

Was tun, wenn Oma nicht mehr so kann wie früher, die sozialen Kontakte wegbrechen und sie sich einsam fühlt? Für viele Senioren führt der Weg dann ins Heim. Dass es auch anders geht, beweisen die Mitarbeiter des Vereins "Begleitetes Wohnen" in Dresden jeden Tag aufs Neue. Der 1996 von Medizinstudenten gegründete Verein "Begleitetes Wohnen" unterstützt in Dresden seit zehn Jahren ältere, chronisch kranke, behinderte, demente oder psychisch erkrankte Menschen dabei, den Alltag weitgehend allein in den eigenen vier Wänden zu meistern. Ihnen eine möglichst selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen, ist das Ziel der ambulanten psychosozialen Betreuung und Netzwerkarbeit des Vereins.

Vier hauptamtliche und 17 ehrenamtliche Mitarbeiter decken je nach Ausbildung, Kenntnissen und Erfahrung die Bereiche Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialmanagement, Psychologie, Ergotherapie, Medizin und Pflege ab. Sie besuchen die Senioren wie ein Case-Manager zu Hause, helfen ihnen bei der Alltagsbewältigung und der Haushaltsführung, gehen mit ihnen zu Ärzten und Behörden, versorgen sie im Krankheitsfall und auch im Krankenhaus und begleiten sie gegebenenfalls im Sterbeprozess. Mit seiner 24-stündigen Rufbereitschaft schließt der Verein rund um die Uhr die Lücken klassischer Betreuungsangebote auch im psychosozialen Bereich.

Der Verein betreut regelmäßig gut 50 meist über 70-Jährige. Bei den meisten besteht ein Pflegebedarf, der aber unter der Pflegestufe I liegt. Die Leistungen sind im Einzelfall sehr unterschiedlich, sowohl in der Art als auch in der Häufigkeit. Sie werden individuell abgesprochen. Der Kerngedanke ist die Prävention. Das Projekt Begleitetes Wohnen verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem der Mensch mit seinen Fähigkeiten und Ressourcen im Mittelpunkt steht. Die individuellen Lebensgeschichten, Lebenserfahrungen und Lebenssituationen der Teilnehmer sind zentrale Elemente für die gezielte Begleitung. Die Leistungen werden gemeinsam erbracht und nicht über den Kopf der Adressaten hinweg.

Die Form der aufsuchenden Begleitung ist eine sinnvolle Ergänzung zur Pflege und entlastet Angehörige. Die Kosten werden weitgehend durch leistungsgerechte Beiträge der Betreuten finanziert. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten eine Aufwandsentschädigung aus Mitteln des Freistaates Sachsen. Investitionen, vor allem in Fahrzeuge, wurden bisher vornehmlich aus Spenden finanziert. Weitere öffentliche Gelder wurden bisher nicht in Anspruch genommen. Der Verein ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Kontakt:


Steffi Bartsch, Susanne Bengard, Tom Viehweger
Begleitetes Wohnen e.V.
Elsa-Brändström-Straße 1, 01219 Dresden
Tel.: 0351 - 317 23 23
E-Mail-Kontakt


Berliner Gesundheitspreis 2006/07