Ehrenpreis: Projekt "Fixpunkt e.V. - Projekt Gesundheitsmobil" in Berlin

Berliner Gesundheitspreis 2008/09

Moderne Wundbehandlung – Hilfe für Suchtkranke

Der Verein "Fixpunkt e.V." hält seit 2007 in seinem Gesundheitsmobil ein spezielles Therapieangebot zur Behandlung von chronischen Wunden bei intravenös injizierenden Drogenabhängigen vor. Dazu fährt ein Team aus zwei Ärzten und zwei Pflegefachkräften an drei Nachmittagen in der Woche einen festen Standort in Berlin an. Dort führen die Mitarbeiter bei Erstkontakt zunächst eine intensive Wundreinigung und Begutachtung sowie eine antiseptische Behandlung durch. Parallel dazu wird der Patient mit Rücksichtnahme auf die besonderen Lebensbedingungen und sein spezielles Umfeld über die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt. Nach einiger Zeit erfolgt dann eine Einschätzung, ob der Patient für die komplexe Wundtherapie in Frage kommt. Ist dies der Fall, wird er geschult und aktiv in die Wundversorgung einbezogen.

Kontakt:

Elfriede Schulte, Doreen Böttcher
Fixpunkt e.V.

Boppstraße 7, 10967 Berlin
Telefon: 030 - 69 32 260
E-Mail-Kontakt

www.fixpunkt.org
 

"Zu jeder Wunde gehört ein Mensch"

Die Behandlung chronischer Wunden ist schwierig und langwierig, der Leidensdruck der Betroffenen hoch. In Berlin behandelt das Team des Vereins "Fixpunkt" Drogenabhängige nach den Methoden des modernen Wundmanagements.

Seit mehr als 20 Jahren ist das Kottbusser Tor ein etablierter Treffpunkt der Drogenszene im Berliner Bezirk Kreuzberg. An drei Nachmittagen in der Woche werden hier Suchtkranke im Gesundheitsmobil des gemeinnützigen Vereins "Fixpunkt - Verein für suchtbegleitende Hilfe" von jeweils einer Pflegefachkraft und einer Ärztin oder einem Arzt versorgt. Ein wesentliches Ziel dieses Angebots ist, die Suchtkranken wieder in die fachärztliche Regelversorgung zu integrieren. Von den 20 bis 30 Patienten, die pro Nachmittag das Gesundheitsmobil aufsuchen, kommt etwa jeder Zweite wegen chronischer Wunden - das sind Wunden, die nicht innerhalb von acht Wochen abheilen.

Termine und Absprachen

Seit Anfang 2007 versorgt das Fixpunktteam solche Wunden nach den Standards des modernen Wundmanagements mit hochwertigen Wundauflagen und beobachtet und dokumentiert den Behandlungsverlauf. Diese Form der Therapie setzt eine intensive Mitarbeit des Patienten voraus. Längst nicht jeder der oft mehrfach Drogenabhängigen kommt dafür infrage. "Der Patient muss in der Lage sein, zu verstehen, was wir ihm erklären. Das ist abhängig vom Grad der Intoxikation", erläutert Pflegefachkraft Doreen Böttcher, die ebenso wie ihre Kollegin Elfriede Schulte zertifizierte Wundexpertin ist. Weitere Voraussetzungen sind Krankheitseinsicht bezüglich der Wunde, Akzeptanz der Begleittherapie, aktive Mitarbeit bei der Umsetzung sowie das Einhalten von Terminen und Absprachen (etwa keine Manipulation an Verband oder Wunde).

Die meisten Patienten wissen, worauf sie sich einlassen: "Oft wurde schon Jahre an den Wunden herumgedoktert", erläutert die Wundexpertin. "Wir machen ihnen Mut und fordern sie zur aktiven Mitarbeit auf. So eine Vorgehensweise kennen unsere Patienten nicht - das macht sie oft sprachlos, aber neugierig."

Respekt und Toleranz

"Zu jeder Wunde gehört auch ein Mensch", so lautet das Leitmotiv der Behandlung. Im Rahmen des niedrigschwelligen Ansatzes akzeptiert das Fixpunktteam die Lebenswelt der Patienten und toleriert darum auch schon einmal eine offene Bierflasche im Gesundheitsmobil. "Lässt der Patient die Flasche draußen, ist sie nach der Behandlung nicht mehr da", erklärt Doreen Böttcher pragmatisch. Bei Frauen, die sich prostituieren, werden die Verbände so angelegt, dass sie trotzdem noch anschaffen gehen können.

Der Erfolg gibt den Wundexperten von "Fixpunkt" Recht: Seit der Einführung des modernen Wundmanagements suchen Patienten mit chronischen Geschwüren das Gesundheitsmobil doppelt so häufig auf wie vorher. "Neben der eigentlichen Wundbehandlung ist die stabile, partnerschaftliche und respektvolle Beziehung zwischen dem Team und den Patienten wesentlich für den therapeutischen Erfolg«, davon sind die Wundexpertinnen überzeugt.

Dass so selbst unter widrigsten Umständen ein hohes Maß an Adherence erreicht werden kann, zeigt das Beispiel eines mehrfach abhängigen Patienten: Trotz vielfältiger Rückschläge durch selbstschädigendes Verhalten erscheint er seit Monaten getreulich zweimal pro Woche zum Verbandswechsel.

(Text aus "G+G-Spezial Berliner Gesundheitspreis 2008")


Berliner Gesundheitspreis 2008/09