Projekte in der engeren Auswahl

Berliner Gesundheitspreis 2008/09

Das Leben gemeinsam meistern

Der Leitgedanke eines vertrauensvollen Umgangs mit den Patienten bestimmt die Arbeit von Dr. Anna Wenning-Jokisch und ihrem Team in ihrer Asbacher Praxis für Allgemeinmedizin. Die beiden gegensätzlich anmutenden Schwerpunkte der Praxis - Prävention und Palliativmedizin - stecken dabei den Rahmen ab, innerhalb dessen das Praxisteam daran arbeitet, mit den Patienten "das Leben gemeinsam zu meistern". Zu diesem patientenzentrierten Ansatz gehört neben der langjährigen Begleitung auch eine intensive Einbeziehung in die Therapieentscheidungen, ummfassende Informationen und individuell auf den Patienten abgestimmte Angebote, Kurse und Selbsthilfegruppen. Die Patienten werden dabei immer wieder gezielt zur aktiven Mitarbeit motiviert.

Kontakt:

Dr. med. Anna Wenning-Jokisch
Praxis für Allgemeinmedizin
Hospitalstraße 15 a, 53567 Asbach
Telefon: 02683 - 91530


HAART - Adherence Nurse begleitet AIDS-Therapie

Das am Otto Wagner Spital in Wien angesiedelte Projekt zielt auf die Steigerung der Adhärenz bei Menschen mit HIV/AIDS unter hochaktiver antiretroviraler Therapie (HAART). Die regelmäßige und pünktliche Einnahme der Medikamente ist bei diesen Patienten von entscheidender Bedeutung für Lebensqualität und -erwartung. Im Rahmen des Projektes wurde eine "Adherence Nurse" schrittweise in die klinische Versorgung integriert, die sich um eine zielgenaue Unterstützung der Patienten und die Integration der Medikamenteneinnahme in den Alltag kümmert. Aufgrund der positiven Erfahrungen wird jetzt ein Schulungsprogramm für die verschiedenen beteiligten Gesundheitsberufe entwickelt.

Kontakt:

Mag. Günter Geyer
Otto Wagner Spital
Stipcakgasse 18–22/4/2, A - 1230 Wien
Telefon: 0043 (0)676 4739114
E-Mail-Kontakt


Kasseler Stottertherapie

Bei der Kasseler Stottertherapie, die ein selbst Betroffener entwickelt hat, wird in einem zweiwöchigen Intensivkurs ein neues Sprechmuster erlernt, das die Patienten anschließend durch tägliches intensives Üben mithilfe einer speziellen Feedback-Software beibehalten und verfestigen sollen. An der Erarbeitung der Therapiemodule waren Patienten beteiligt. Die Therapiemotivation erfolgt hauptsächlich über Erfolgserlebnisse. Als wirkungsvoller finanzieller Anreiz zum intensiven Üben hat sich auch eine Übernahme der Kosten für die Software durch die Krankenkasse erwiesen, die nur beim Nachweis der regelmäßigen Anwendung erfogt.

Kontakt:

Dr. med. Alexander Wolff von Gudenberg
Institut der Kasseler Stottertherapie
Feriendorfstraße 1, 34308
Bad Emstal
Telefon: 05624 - 921-0
E-Mail-Kontakt
www.kasseler-stottertherapie.de


Gesundes Kinzigtal: Aktive Einbindung der Patienten

In diesem auf vier Jahre angelegten Modellprojekt der Integrierten Versorgung, das die Gesundes Kinzigtal GmbH gemeinsam mit der AOK und der LKK Baden-Württemberg betreibt, sollen Risikopatienten vorbeugend zur Änderung ihres Lebensstils motiviert werden. An dem Projekt beteiligen sich 44 Praxen und knapp 4000 überwiegend multimorbide Versicherte. Die Ärzte ermitteln anhand eines Fragebogens Risikopatienten und legen mit ihnen gemeinsam Therapieziele fest. Zum Erreichen dieser Ziele stehen den Versicherten verschiedene zielgruppenspezifische Krankheitsmanagement-Programme zur Verfügung. Die beteiligten Ärzte wurden an der Universität Freiburg im Shared-Decision-Making geschult.

Kontakt:

Helmut Hildebrandt
Gesundes Kinzigtal GmbH
Strickerweg 3 d, 77716 Haslach
Telefon: 07832 974890
E-Mail-Kontakt
www.gesundes-kinzigtal.de


Nachhaltige Information per Patientenbrief

Das gemeinsame Projekt des Universitätklinikums Hamburg-Eppendorf und der Rheumaklinik Bad Bramstedt dient der nachstationären Sicherung der OP-Ergebnisse nach Wirbelsäulenoperationen. Zu diesem Zweck werden mit dem Patienten gemeinsam die einzelnen Schritte des Entlassungsmanagements entwickelt und geplant. Zentrale Elemente des Konzepts, die auch auf andere Krankheitsbilder übertragbar wären, sind ein eingehendes Abschlussgespräch vor der Entlassung und ein umfangreicher Patientenbrief, der neben individuell angepassten Empfehlungen auch Protokollbögen zur täglichen Selbstkontrolle enthält.

Kontakt:

Dr. med.Karl D. Vitt
Verein zur Förderung sozialmedizinischer Grundsatzfragen
Annenstraße 11, 24939 Flensburg
Telefon: 0171 - 818 787 0
E-Mail-Kontakt

www.sic-institut.de


Diabetes-Mobil: Coaching für Zuckerkranke

Im Rahmen einer ein Jahr andauernden, intensiven und systematischen Betreuung durch einen Diabetes-Coach lernen an Diabetes erkrankte Patienten, ihre bisherigen Lebensgewohnheiten konsequent und langfristig zu verändern. Die Zielvereinbarungen werden dabei mit den Patienten gemeinsam entwickelt. Ein Buch mit einem 40-Wochen-Programm unterstützt die Verhaltensmodifikation. Ziel ist es, zu zeigen, dass auch Menschen, die bereits an Typ-II-Diabetes leiden, im Sinne einer Sekundärprävention von einer Änderung des Lebensstils profitieren können. Eine Untersuchung bestätigte bereits in den Jahren 2006/2007 den Erfolg dieses therapiebegleitenden Angebots.

Kontakt:

Gabriele Faber-Heinemann / Prof. Dr. med. Lutz Heinemann
Gemeinnützige Diabetes-MOBIL GmbH
Kehler Straße 24, 40468 Düsseldorf
Telefon: 0211 - 292 69 00
E-Mail-Kontakt
 


CHAMP: Individuelles Gesundheits-Coaching

Das individualisierte präventive Versorgungskonzept "CHAMP" wird seit 2007 an der Berliner Charité implementiert und evaluiert. Ziel des Gesundheitscoachings ist die nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustandes bei chronisch Kranken und Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko. Ein individueller Gesundheitsplan mit kurz- und langfristigen Zielen hilft beim Erreichen der gemeinsam erarbeiteten Therapieziele. Während der gesamten Therapie wird der Patient immer wieder durch motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) darin bestärkt, die eigenverantwortlich getroffenen Entscheidungen dauerhaft umzusetzen. Wenn eine geplante randomisierte Studie die Wirksamkeit des Konzepts belegt, soll es rasch in die Regelversorgung überführt werden. Ein Trainingsprogramm für Gesundheitstrainer wird derzeit erprobt.

Kontakt:

Miriam Ortiz
CHAMP-Ambulanz
Luisenstraße 13, 10117 Berlin
Telefon: 030 - 450 529 234
E-Mail-Kontakt
www.champ-info.de


"Zurück vom Mars": Patienteninformation per Jugendroman

Neue Wege in der Patienteninformation beschreitet der Psychologe Gerd Heinen in Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg: Ein Jugendroman, dessen Hauptfigur an Epilepsie erkrankt, soll sowohl jungen Epileptikern als auch nicht erkrankten Altersgenossen Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit der Krankheit und der damit häufig verbundenen sozialen Stigmatisierung geben. Der Roman, der Anfang 2009 auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, ist Teil eines themenspezifischen Materialpakets, zu dem auch ein interaktiver Ratgeber für Jugendliche und ein in Modulen aufgebauter Gesundheitskurs gehören. Das Konzept richtet sich an junge Erwachsene und soll die Adherence in dieser schwierigen Alters- und Entwicklungsstufe fördern, um zu verhindern, dass sich eine prinzipiell gut behandelbare Epilepsie zu einer chronischen Erkrankung entwickelt.

Kontakt:

Gerd Heinen, Dipl.-Psych.
Psychotherapiepraxis am Epilepsiezentrum Berlin-Brandenburg
Herzbergstraße 79, 10365 Berlin
Telefon: 030 - 54723034
E-Mail-Kontakt


"Münchner Modell" für mehr Therapietreue

Das Münchner Modell wurde mit dem Ziel gestartet, ein praxistaugliches, patientengerechtes und wirtschaftliches Programm zur Verbesserung der Therapietreue zu entwickeln. Gleichzeitig strebten die Initiatoren eine Optimierung der Kommunikation zwischen den einzelnen Leistungsträgern an. Eine Schlüsselrolle in diesem Modellprojekt spielt ein Adherence Coach, der zunächst 400 Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen im Großraum München Therapie unterstützend begleitete. Diese Zielgruppe wurde  ausgewählt, weil hier Therapietreue besonders wichtig, aber auch besonders schwierig ist. Das nach Paragraf 140 Sozialgesetzbuch V anschubfinanzierte "Münchner Modell" wird aufgrund seiner guten Ergebnisse künftig in 40 weiteren Regionen umgesetzt und soll auch auf weitere Krankheitsbilder ausgedehnt werden.

Kontakt:

Dr. med. Werner Kissling
Centrum für Disease Management
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Technische Universität München
Möhlstraße 26, 81675 München
Telefon: 089 - 41404207

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Epivista: Elektronischer Behandlungskalender

Das Norddeutsche Epilepsiezentrum in Raisdorf, das auf die Behandlung therapieschwieriger Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist, stellt seinen Patienten und deren Familien einen elektronischen Kalender zur Dokumentation des Anfallsgeschehens zur Verfügung. Dieser arbeitet auf der Basis einer internetbasierten Kommunikations- und Dokumentationsplattform, die alle an der Behandlung Beteiligten miteinander verbindet.Verlaufsdiagramme veranschaulichen den Einfluss der Behandlung auf die Anfälle. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass das neue Medium die Motivation der Beteiligten, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren und aktiv an der Therapie mitzuwirken, stärkt.

Kontakt:

Norddeutsches Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche
Henry-Dunant-Straße 6–10, 24223 Schwentinental/Raisdorf
Telefon: 04307 - 909201
www.drk-epilepsiezentrum.de


Gut informiert zum Arzt - der TK-Patientendialog

Seit 2006 erprobt die Universität Freiburg gemeinsam mit der Techniker-Krankenkasse ein interaktives Informationssystem für Patienten. Das System, das über die homepage der Krankenkasse zugänglich ist, informiert die Patienten in verständlicher Weise über evidenzbasierte Behandlungsoptionen bei akuten Kreuzschmerzen oder Depression. Es soll zum einen der Vorbereitung des Arztbesuches und der Therapieentscheidung dienen und zum anderen den Patienten zu realistischen Erwartungen bezüglich Wirksamkeit, Verträglichkeit und Nützen verschiedener Therapien verhelfen. Monatlich nutzen rund 1500 Versicherte diesen Service. Aufgrund der positiven Resonanz ist eine Ausweitung auf die Themen "chronische Kreuzschmerzen" und "Diabetes Typ II" geplant.

Kontakt:

Daniela Simon, Dipl. Psych. / Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Härter
Universitätsklinikum Freiburg
Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie,
Sektion Klinische Epidemiologie und Versorgungsforschung
Hauptstraße 5, 79104 Freiburg
Telefon: 0761 - 2909533

E-Mail-Kontakt


Berliner Gesundheitspreis 2008/09