Anerkennungspreise

Berliner Gesundheitspreis 2008/09

Ärztliche Gesprächsführung - "Der Nächste bitte!"

Rund 200.000 Patientengespräche führt ein Arzt im Laufe seines Berufslebens. Damit diese erfolgreich verlaufen, steht für Medizinstudenten in Ulm regelmäßig "Ärztliche Gesprächsführung" auf dem Stundenplan.

Weil eine realistische Einschätzung des Patienten durch den Arzt und eine gelingende Arzt-Patient-Kommunikation die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung bilden, ziehen sich die - ursprünglich auf Studentenwunsch eingeführten - theoretischen und praktischen Übungen zur Gesprächsführung inzwischen als Pflichtveranstaltungen wie ein roter Faden durch das gesamte Medizinstudium in Ulm. "Manche Studenten empfinden diese Angebote zunächst als überflüssig", weiß Dr. Lucia Jerg-Bretzke, die das Ulmer Curriculum zusammen mit Fachkollegen entwickelt hat. "Aber spätestens im praktischen Jahr merken sie, was sie alles gelernt haben."

Die Studierenden analysieren zunächst Videosequenzen mit Arzt-Patienten-Gesprächen und trainieren dann in Rollenspielen die Grundlagen der Gesprächsführung. Später fungieren auch eigens ausgebildete (Laien-)Schauspieler als "Test-Patienten". Im Laufe des Studiums lernen die angehenden Ärzte außerdem zwei wertvolle Hilfsmittel für die ärztliche Praxis kennen, die ebenfalls an der Ulmer Universität entwickelt wurden: Ein standardisierter Patientenfragebogen ermöglicht Einblicke in die Ängste, Erwartungen und Wünsche der Ratsuchenden, und eine Patiententypologie dient als Leitfaden, um besser auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Patientenpersönlichkeiten einzugehen.

Kontakt:

Dr. biol. hum. Lucia Jerg-Bretzke
Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ulm
Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Telefon: 0731- 500 619 16

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Therapietreue bei Brustkrebs - Gezielte Hilfe an kritischen Punkten

Eine Brustkrebstherapie ist langwierig und hat viele Nebenwirkungen. Das Waldkrankenhaus in Berlin-Spandau setzt auf eine intensive Begleitung, um den betroffenen Frauen das Durchhalten zu erleichtern.

"Die Brustkrebsbehandlung endet nicht mit der Operation. Für optimale Heilungschancen muss die anschließende Therapie fünf Jahre lang fortgesetzt werden. Viele Frauen brechen sie aber in den ersten drei Jahren ab", erklärt Dr. Martina Dombrowski, die das Brustzentrum des Waldkrankenhauses in Berlin-Spandau leitet. Sie und ihr Team konnten wiederkehrende Problemsituationen im Behandlungsverlauf identifizieren und entwickelten daraufhin ein Therapiekonzept, das die Patientinnen an diesen "kritischen Punkten" gezielt unterstützt.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Breast Nurse, eine speziell ausgebildete Pflegekraft, die die Patientin vom Diagnosemitteilungsgespräch über die Akutbehandlung bis in die Nachsorge kontinuierlich begleitet. Die Erfahrung zeigt: Mit der Breast Nurse sprechen die Frauen auch über Fragen, die sie  sich nicht trauen, den Ärzten zu stellen. Ein frei zugänglicher Informationsraum, ausführliche Gespräche mit den behandelnden Ärzten und ein Behandlungsordner, den die Patientin selbst führt, sind weitere Kernelemente des Spandauer Konzepts, das die aktive Rolle der Patientin im Behandlungsprozess stärken soll.

"Je besser die Patientin verstanden hat, was auf sie zukommt, desto eher schafft sie es, durchzuhalten", weiß Martina Dombrowski. Steigende Behandlungszahlen und die Ergebnisse einer Befragung unter 102 Patientinnen zeigen, dass dieses Konzept aufgeht: 98 Prozent der Befragten würden sich erneut für eine Brustkrebsbehandlung im Waldkrankenhaus entscheiden.

Kontakt:

Dr. med. Martina Dombrowski,
Brustzentrum im Waldkrankenhaus Spandau
Stadtrandstraße 55, 13589 Berlin
Telefon: 030 - 370 21 20 2

E-Mail-Kontakt
www.waldkrankenhaus.com


Berliner Gesundheitspreis 2008/09