Gesund planen, doppelt gewinnen

Grafik: BGF-Preis-Siegel

Mit innovativen Ideen die Gesundheit von professionell Pflegenden verbessern – das ist das Ziel des AOK-Wettbewerbs „Gesunde Pflege“. Zum ersten Mal zeichnete der AOK-Bundesverband am 12. Mai 2022 die fünf besten Konzepte zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern aus. Die gesunde und nachhaltige Organisation der Pflegearbeit spielt bei allen Konzepten eine zentrale Rolle.

Der BGF-Preis steht unter einem jährlich wechselnden Motto. Bei dem Wettbewerb 2021 unter der Überschrift „Gesund planen, doppelt gewinnen“ dreht sich alles um die gesunde Arbeitsorganisation. Es geht beispielweise um Themen wie intelligente Schichtpläne, Unterstützung durch Führungskräfte, gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wirksame Beteiligung der Mitarbeiter. Solche Ansätze tragen dazu bei, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und die Ressourcen von professionell Pflegenden zu stärken. 

BGF-Preis Key Visual 1 - stq

Über die Gewinnerprojekte hat eine prominent besetze Jury entschieden. Zu dieser gehörten Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Antje Ducki, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Berliner Hochschule für Technik sowie Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes und Knut Lambertin, alternierender Vorstandsvorsitzender der Versichertenseite im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes. Alle Gewinnerinen und Gewinner engagieren sich in besonderer Weise für die Gesundheit ihrer Belegschaften. Dafür haben drei von ihnen einen der BGF-Hauptpreise und zwei einen der BGF-Sonderpreise erhalten. 

Gewinnerinnen und Gewinner des BGF-Preises 2021
Foto: Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung

"Was ich am Konzept der Vinzentinerinnen besonders hervorheben möchte und weshalb sie diese Auszeichnung verdienen, ist, dass diese große Einrichtung einen klaren Fokus hat: die Gesundheit der Beschäftigten ganz eng mit der Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner in der stationären Pflege verknüpfen." 

Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und Jurymitglied

Bei den Vinzentinerinnen aus Köln hat Betriebliche Gesundheitsförderung Tradition. Im Mittelpunkt des im Jahr 2016 gestarteten und bis 2030 angelegten Prozesses steht der Gedanke, dass eine gesunde Arbeitsorganisation auch den Heimbewohnerinnen und -bewohnern dient. Für das Unternehmen steht fest, dass nur gesunde und zufriedene Beschäftigte dauerhaft leistungsfähig und motiviert sind. Die Kölner Einrichtung versorgt viele Menschen mit Demenz, was für die Pflegekräfte eine intensive individuelle Betreuung und eine hohe psychische Belastung bedeutet. Gewalterfahrungen sind daher keine Seltenheit. Im Rahmen des Projektes ist es den Vinzentinerinnen gelungen, die Gewaltprävention und die frühzeitige Deeskalation von kritischen Situationen durch offene Kommunikation und eine offene Fehlerkultur voranzubringen. Unterstützung hierbei gab es von der AOK Rheinland/Hamburg und ihrem BGF-Institut.

Mehr Informationen

Foto: Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates

"Die Seniorenresidenz Kirchheimbolanden zeigt beispielhaft, wie auch kleine Pflegeeinrichtungen viel für die Gesundheit der Pflegekräfte tun und mit ausgeklügelten Konzepten für die Dienstplanung spürbar die Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern können."

Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates und Jurymitglied

Für die Beschäftigten der Seniorenresidenz Kirchheimbolanden war die Arbeit bis vor ein paar Jahren durch eine wenig verlässliche Dienstplanung geprägt. Bei kurzfristigen Ausfällen mussten Pflegekräfte oft aus ihrer Freizeit geholt werden. Das häufige Einspringen hat zu Unzufriedenheit und Demotivation bei der Belegschaft geführt. 2016 hat die Einrichtung deshalb das Projekt „Gemeinsam viel bewegen“ gestartet. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland unterstützt das Projekt. Mit einem fundierten Konzept für ein sogenanntes Ausfallmanagement gelingt es der Pflegeeinrichtung heute, die Dienstplanung verlässlicher zu organisieren. Das Einspringen ist zwar weiterhin nötig. Für kurzfristige Personalausfälle aber werden Pflegekräfte nun als „Joker“ und damit als Reserve eingeplant.

Mehr Informationen

Foto: Antje Ducki, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Berliner Hochschule für Technik

"Das Projekt der Greizer Senioren- und Pflegeheim GmbH besticht durch seine nachhaltigen Strukturen und Prozesse. Besonders wichtig bei diesem umfangreichen BGM- und Change-Projekt ist, dass die Mitarbeitenden direkt von der Maßnahmenplanung bis zur Umsetzung eingebunden sind."

Antje Ducki, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Berliner Hochschule für Technik und Jurymitglied

Die Greizer Senioren- und Pflegeheim gGmbH hatte 2018 einen umfassenden Prozess des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ins Leben gerufen. Noch bis 2023 läuft das BGM-Projekt „Gesundes Unternehmen, gesunde Mitarbeiter“ mit Unterstützung der AOK PLUS. Ein Change-Prozess auf Leitungsebene läutete das Ende einer überkommenen Führungskultur ein. Ein Meilenstein ist die Entwicklung einer verbindlichen Arbeitsordnung für alle Beschäftigten. Sie bildet die Basis für das heute gelebte, respektvolle und gerechte Miteinander. Die Beschäftigten sind in die Umsetzung des Prozesses eingebunden. Zum BGM-Projekt gehört neben klassischen Maßnahmen wie internen Sport- und Präventionsangeboten auch eine externe Ausbildungs- und Werbekampagne. 2021 begrüßte das Unternehmen zwölf neue Pflegeauszubildende – so viel wie noch nie. 

Mehr Informationen

Knut Lambertin

"Das Projekt der Klinik Wartenberg zeigt eindrucksvoll die positiven Auswirkungen auf, die erzielt werden können, wenn Schichtarbeit mehr im Einklang mit der inneren Uhr der Pflegekräfte organisiert wird. Wichtiger Faktor für den Erfolg ist die enge Zusammenarbeit von Arbeitgeberin, Sozialversicherungsträgerinnen und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie betrieblichen Mitbestimmungsgremien."

Knut Lambertin, alternierender Aufsichtsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, Versichertenseite und Jurymitglied

Die Klinik Wartenberg erhielt im Rahmen des AOK-Wettbewerbs 2021 eine Sonderauszeichnung für eine besonders innovative Studie. In dieser geht es darum, die Schlaftypen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Dienstplanung zu berücksichtigen.  Wissenschaftlern zufolge hat es einen enormen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, ob eine Person eine Lerche oder Eule ist. An der Studie der Klinik Wartenberg nahmen 128 Beschäftigte aus dem Pflegebereich teil. Herausragendes Ergebnis: Nur noch 15 Prozent der Befragten berichteten nach Ablauf der Studie über eine schlechte bis sehr schlechte Schlafqualität. Zu Beginn waren es 35 Prozent. Und: Bei allen Krankheiten wie zum Beispiel Rückenschmerzen konnte eine deutliche Reduzierung festgestellt werden. Das wirkte sich auch auf den Krankenstand aus.

Mehr Informationen

Foto: Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes - pr

"Betriebliche Gesundheitsförderung hat bei den Barmherzigen Brüdern eine mehr als 15-jährige Tradition. Es ist richtig und wichtig, dass sich Unternehmen auch unbequemen Themen wie Sucht- und Alkoholmissbrauch stellen."

Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes und Jurymitglied

Die Barmherzigen Brüder Rilchingen haben die Suchtmittelprävention zum Schwerpunkt bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) gemacht und einen BGF-Sonderpreis dafür erhalten. Es geht vor allem um das Tabu-Thema Alkohol. Seitdem wird in der Einrichtung offensiv und bei allen Gelegenheiten darüber gesprochen. So hat die Hausleitung zu Weihnachten alkoholfreien Punsch ausgeschenkt und die BGF-Aktionen in den Mittelpunkt der traditionellen Weihnachtsansprache gerückt. Dabei geht es nicht darum, den Alkohol komplett aus dem Leben zu verbannen. Vielmehr will die Einrichtung über einen verantwortungsvollen Umgang mit der Alltagsdroge aufzuklären. Das „Behüterli“ – ein Anhänger für den Zündschlüssel – soll zudem die Autofahrer daran erinnern, den Wagen nach dem ersten Bier besser stehen zu lassen.

Mehr Informationen