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"Im Prinzip ein guter Ansatz"

Zukunftsprogramm Krankenhäuser

Foto: Chirurgen im Operationssaal

19.06.20 (ams). Die Bundesregierung wird im Rahmen eines "Zukunftsprogramms Krankenhäuser" aus dem Bundeshaushalt drei Milliarden Euro in eine modernere und bessere Ausstattung der Kliniken investieren. Der Schwerpunkt soll laut Beschluss vom 17. Juni 2020 auf modernen Notfallkapazitäten, einer besseren digitalen Infrastruktur, der IT- und Cybersicherheit sowie der Stärkung regionaler Versorgungsstrukturen liegen. "Im Prinzip ist das ein guter Ansatz von Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten", sagte AOK-Krankenhausexperte Jürgen Malzahn dem AOK-Medienservice (ams). Malzahn leitet die Abteilung Stationäre Versorgung im AOK-Bundesverband.

Im Beschluss heißt es, die Umsetzung erfolge analog zu den Regelungen des bestehenden Strukturfonds. Anders als dort ist aber keine Kofinanzierung von mindestens 50 Prozent durch das jeweilige Land oder die zu fördernde Einrichtung vorgesehen. Die vorgeschriebene Kofinanzierung wird stattdessen auf 30 Prozent reduziert. "Wichtig ist allerdings, dass dieses Geld on top kommt und nicht als Ersatz für die unzureichende Landesfinanzierung genutzt wird", ergänzte Malzahn.

Die Corona-Krise hat aus Sicht des AOK-Bundesverbandes die strukturellen Probleme der stationären Versorgung in Deutschland noch deutlicher zu Tage treten lassen. "Covid-19-Patienten werden ja nicht in allen Krankenhäusern behandelt, sondern in erster Linie in den spezialisierten Häusern mit Beatmungskompetenz", unterstrich der Krankenhausexperte. "Das entspricht unseren Vorstellungen von einer Grundversorgung in der Fläche und einer auf bestimmte Indikationen spezialisierten Versorgung an bestimmten Standorten."

Nach der Krise werde Einiges neu bewertet werden müssen, insbesondere was die Vorhaltung von Intensivkapazitäten angehe, prognostizierte Malzahn. Die langjährige Forderung der AOK, dass die deutsche Krankenhauslandschaft qualitativ besser aufgestellt werden müsse, bleibe auf der Agenda. Auch kleinere Kliniken hätten weiter ihre Berechtigung, "wenn sie sich spezialisieren und gute Qualität anbieten". Sie dürften aber nicht weiter "auf Gedeih und Verderb hochkomplexe Leistungen anbieten, wenn dafür Erfahrung und Ausstattung fehlen", betonte Malzahn.

"Gerade unter Stress wollen wir doch, dass Krankenhäuser adäquat personell und apparativ ausgestattet sind", sagte Malzahn weiter. Bei begrenzten finanziellen und personellen Mitteln sei es zwingend, vorhandene Ressourcen zu konzentrieren, um bestmögliche Qualität zu erhalten. Krankenhäuser müssen sich deshalb nach Ansicht Malzahns auf "echte stationäre Fälle" konzentrieren: "Besser eine gut ausgestattete, breit aufgestellte Intensivstation, die personell und apparativ top ausgestattet ist, als drei kleine Gelegenheitsversorger, die noch ein paar Intensivbetten vorhalten, aber beispielsweise nachts keine Versorgung auf dem erforderlichen Niveau mehr garantieren können."

Der Experte warnte davor, in der jetzt anlaufenden Diskussion um die Konsequenzen aus der Corona-Krise eine Pandemie als Regelfall der Versorgung anzunehmen. Es sei unbestritten, dass in normalen Versorgungssituationen die Selbstkostendeckung bei der Krankenhausvergütung nicht finanzierbar sei. "Auf der anderen Seite müssen Strukturen und medizinische Kompetenzen geschaffen werden, mit denen im Pandemiefall die Kapazitäten schnell erhöht werden können. Neben Vorräten an Masken und Beatmungsgeräten gehören dazu auch regelmäßige Schulungen des pflegerischen und ärztlichen Personals", unterstrich Malzahn.

Der AOK-Krankenhausexperte verwies darauf, dass es bereits vor der Krise große strukturelle Probleme gegeben habe. "Dazu gehören zum Beispiel viel zu viele Krankenhausbetten, die mit Patienten gefüllt werden, die ebenso gut oder besser ambulant behandelt werden könnten. Bei den Krankenhausfällen liegen wir weit über dem europäischen Durchschnitt." Unterdessen sieht Malzahn auch positive Signale. Die Länder, die für die Krankenhausplanung zuständig seien, hätten in den vergangenen Jahren vielerorts einfach am Status quo festgehalten. Allerdings habe sich da zuletzt auch etwas bewegt. So habe zum Beispiel der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in seinem Bundesland bereits vor der Pandemie eine Strukturreform in Angriff genommen.


Zum ams-Politik 06/20


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