iga.Report 42: Gesund im Kleinbetrieb

Titel: iga.Report 42 - kh

(10.06.20) Wie sieht es aus mit der? iga befragte Verantwortliche in Kleinst- und Kleinunternehmen (KKU) persönlich in Gruppeninterviews. Gemeinsam mit Fachleuten für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) wurden anschließend Handlungsempfehlungen für Beratende, Institutionen und die Politik abgeleitet.

Die Verantwortlichen in den Kleinbetrieben verstehen sich als "Allrounder" und fühlen sich für viele Aufgaben zuständig - so auch für Gesundheit und Wohlbefinden der eigenen Belegschaft. Es überrascht zunächst die Vielzahl an Maßnahmen, die sie anbieten, um ihre Beschäftigten gesund und fit zu halten.

Viele kümmern sich schon um ein gutes Betriebsklima: Mit persönlichen und teambezogenen Gesprächen punkten Kleinbetriebe aufgrund der kurzen Wege bei der Steigerung der Zufriedenheit und Motivation. Die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung steht im Fokus der kleinen Betriebe und häufig auch Maßnahmen zur Verbesserung von Ernährung, Bewegung und Entspannung. Analysephasen, die in größeren Betrieben als Start in ein BGM unabdingbar sind, sind dagegen im Kleinbetrieb häufig nicht nötig, weil die Belastungen gesehen werden und die Mitarbeitenden bei der Lösungsfindung einbezogen werden können.

Die besonderen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen in Kleinbetrieben sind häufig Hürden, die eine Durchführung von BGF-Maßnahmen behindern. Für viele KKU ist es zum Beispiel schwierig, BGF-Maßnahmen während der Arbeit zu integrieren. Das Alltagsgeschäft stehe im Vordergrund, der Kunde habe Vorrang, lauten häufige Argumente dafür, dass für BGF einfach keine Zeit da sei. In Kleinbetrieben, die außerhalb des Betriebs arbeiten (zum Beispiel auf Baustellen), sind die Mitarbeitenden zudem häufig nicht in der Gruppe erreichbar und können nicht für eine gesundheitsförderliche Maßnahme zusammengebracht werden.

Kleinstunternehmen haben spezielle Wünsche an Anbieter und Anbieterinnen für gesundheitsförderliche Maßnahmen: Dabei ist die Fokussierung auf die betriebsspezifischen Gegebenheiten ein wichtiger Aspekt. Dies wird einer persönlichen Beratung eher zugetraut als den digitalen Medien. Es wird großer Wert auf eine persönliche Ansprache und Betreuung gelegt.

Neben betriebsspezifischer Beratung werden sehr häufig branchenspezifische Angebote und Lösungen gewünscht. Beklagt werden die (zu) vielen Kanäle, die von den Akteurinnen und Akteuren der BGF bedient werden.

Aber: Nicht alle KKU ticken gleich. Um die Vielfalt an Haltungen zu Gesundheitsförderung abzubilden und passgenaue Zugangswege und -formen zu entwickeln, wurden anhand der Design-Thinking-Methode sieben sogenannte Personas, also typische Stellvertreter für diese Zielgruppe, entwickelt:

  • Der informierte Macher
  • Das fürsorgliche Vorbild
  • Der digital Moderne
  • Die Gesundheitsexpertin
  • Die engagiert Hilfesuchende
  • Die Technik-Orientierte
  • Der BGF-Skeptiker

Für jede Persona wurden spezifische Führungs- und Kommunikationsmuster, die Haltung zur BGF und die speziellen Wünsche beschrieben. Für Berater und Beraterinnen gibt es am Ende jeder Persona Ideen zur Ansprache und Umsetzung.

Für die Beraterpraxis folgen Empfehlungen, wie, zum Beispiel durch Einbindung der Mitarbeitenden, die Motivation der Beschäftigten gesteigert werden kann und wie Kleinunternehmen auch branchenspezifisch oder auch übergreifend in Gruppenangeboten besser erreicht werden können. Gebraucht werden sowohl innovative Ansätze, um das Interesse der Unternehmen zu wecken, als auch einfache, gut nutzbare Leitfäden und Instrumente. Geschaffen werden müssen Wege zur Stärkung der Kompetenz zu BGF/BGM und einfache Zugänge zu den Erfahrungen anderer Kleinunternehmen oder aus der eigenen Branche.

iga.Report 42: Gesund im Kleinbetrieb

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