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Reimann: Pflegekassen brauchen mehr Gestaltungsspielraum

05.01.22 (ams). Für eine erweiterte Rolle der Pflegekassen plädiert die neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels dürfe "nicht weiter auf die gestalterische Kompetenz der Kassen verzichtet werden", sagt Reimann im Interview mit dem Magazin "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G). "Ähnlich, wie sich die Rolle der Kassen in der gesetzlichen Krankenversicherung weg vom reinen Bezahler hin zum Gestalter entwickelt hat, ist ein solcher Prozess auch in der Pflegeversicherung erforderlich." Gestaltungsmöglichkeiten sieht Reimann insbesondere auf kommunaler Ebene, um Prozesse zu optimieren.

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) drängt Reimann auf rasche Reformen. Die Corona-Pandemie dürfe nicht dazu führen, "dass strukturelle Aufgaben verschleppt werden", so die Vorstandsvorsitzende. "Wir haben akute finanzielle Probleme, und es gibt die strukturellen Probleme, die wir ja schon lange kennen." Als wichtige Aufgaben nennt sie Reformen im Krankenhausbereich, die Fragen einer sektorenübergreifenden Versorgung und Einsparungen im Arzneimittelbereich. Dabei bestehen nach ihrer Einschätzung gute Chancen, dass Bund und Länder gemeinsam strukturelle Änderungen beschließen werden. "Denn die Gesundheitsministerinnen und -minister in den Ländern wissen sehr genau, wo die Probleme liegen", meint die frühere niedersächsische Gesundheitsministerin. So stärke der Vorschlag der AOK, für eine sektorenübergreifende Versorgung sogenannte 3+1-Gremien mit Vertragsärzten, Krankenhäusern, Kassen und Landesregierung einzurichten, die Landesebene.

Die AOK sieht Reimann aufgrund ihrer politischen Erfahrungen auf Bundesebene und in einer Landesregierung als unverzichtbare Gesprächspartnerin. Sie wolle für die AOK-Gemeinschaft "ein gewichtiges Wort mitreden und die hohe Kompetenz und Expertise des Bundesverbandes einbringen".

Zum Interview auf gg-digital.de