Defizit-Trend setzt sich fort

(03.12.21) Der sich während des ersten Halbjahrs 2021 bereits abzeichnende Trend in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich auch im dritten Quartal des Jahres bestätigt. Die zurzeit 102 Krankenkassen verbuchten laut den vorläufigen Finanzergebnissen (KV 45) für die Monate Januar bis September ein Defizit von knapp 3,2 Milliarden Euro, auch bedingt durch die gesetzliche Vorgabe die Rücklagen in Höhe von rund sechs Milliarden Euro auflösen und an den Gesundheitsfonds abführen zu müssen. Die Ausgaben der Krankenkassen lagen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) insgesamt bei rund 211,2 Milliarden Euro. Dem gegenüber standen Einnahmen in Höhe von etwa 208 Milliarden Euro. Der Gesundheitsfonds erzielte in den Monaten Januar bis September ein saisonübliches Defizit von zwei Milliarden Euro. Allerdings hatte die Bundesregierung unter anderem wegen pandemiebedingter Ausgaben den Bundeszuschuss in den Fonds im Laufe des Jahres noch einmal um fünf Milliarden auf 19,5 Milliarden Euro erhöht.

"Die Zahlen zeigen: Die Pandemie hinterlässt immer deutlichere Spuren bei den Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen. Deshalb greifen wir der gesetzlichen Krankenversicherung in diesem und im nächsten Jahr durch einen zusätzlichen Bundeszuschuss unter die Arme", kommentierte der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Finanzergebnisse. Stabile Lohnnebenkosten seien in diesen schwierigen Zeiten ein gutes und richtiges Signal an Beitragszahler und Arbeitgeber.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, hatte bereits nach den ersten Schätzungen Ende November und der sich abzeichnenden Entwicklung von der neuen Bundesregierung „schnellstmöglich eine nachhaltige Lösung“ gefordert: "Nachdem die GKV-Finanzen in den Jahren 2021 und für 2022 nur durch kurzfristig aufgestockte Bundeszuschüsse in Rekordhöhe sowie abgezapfte Kassenrücklagen stabilisiert werden konnten, stellt sich nun die Finanzierungsfrage für 2023 und die Jahre danach." Neben der Stabilisierung der Einnahmesituation gehörten dazu auch Maßnahmen auf der Ausgabenseite wie beispielsweise die Anhebung des Herstellerrabatts für patentgeschützte Arzneimittel.

Mit Ausnahme der Ersatzkassen und der landwirtschaftlichen Krankenversicherung (plus 70 Millionen beziehungsweise knapp 30 Millionen Euro) verzeichneten alle Kassenarten ein Defizit. Die AOK-Gemeinschaft kommt auf ein Minus von rund 2,7 Milliarden Euro, die Betriebskrankenkassen (BKK) von 344 Millionen Euro. Es folgen die Innungskrankenkassen (IKK) mit 207 Millionen Euro und die knappschaftliche Krankenversicherung mit 23 Millionen Euro.

Der Gesundheitsfonds verfügte zum Stichtag 15. Januar 2020 noch über eine Liquiditätsreserve von rund 5,9 Milliarden Euro und aktuell noch von etwa 3,9 Milliarden.

Ausgaben der GKV im ersten bis dritten Quartal 2021 in ausgewählten Bereichen

Veränderungsrate je Versicherten gegenüber 2020 in der GKV und der AOK

Ausgaben in Milliarden EuroVeränderungsrate GKVVeränderungsrate AOK
Quelle: BMG, KV-45-Zahlen, 03.12.21
Ärztliche Behandlung37,2081,780,4
Zahnärztliche Behandlung9,40510,019,7
Zahnersatz2,94621,517,8
Arzneimittel36,1906,216,0
Hilfsmittel7,6265,214,4
Heilmittel7,91116,4115,3
Krankenhaus63,4793,343,2
Krankengeld12,4123,123,9
Fahrkosten5,6426,175,2
Vorsorge- und Reha-Maßnahmen2,5928,459,0
Schutzimpfungen1,2824,19-5,2
Schwangerschaft/Mutterschaft ohne stationäre Entbindung1,2225,196,5
Häusliche Krankenpflege5,8896,655,8
Netto-Verwaltungskosten8,617-1,26-6,6