Nutzenbewertung für digitale Gesundheitsanwendungen unerlässlich

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Kai Senf

Das geplante Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale Versorgung Gesetz - DVG) ist am Mittwoch (16. Oktober) Thema einer öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Im Gesetzentwurf wird unter anderem geregelt, dass Patientinnen und Patienten sich Gesundheits-Apps künftig wie Arzneimittel vom Arzt verschreiben lassen können. Darüberhinaus sollen sie ihre Daten in absehbarer Zeit in einer elektronischen Patientenakte speichern lassen und telemedizinische Angebote wie zum Beispiel Videosprechstunden leichter nutzen können. Dazu äußert sich der Politikchef des AOK-Bundesverbandes in einem Statement:

"Das Digitale-Versorgung-Gesetz enthält viele gute Ansätze, die wir begrüßen. Nachbesserungsbedarf gibt es aber noch bei den digitalen Gesundheitsanwendungen: Sie sollen ohne Prüfung des Nutzens und der Sicherheit für die Patienten in die Versorgung kommen. Das gilt auch für Anwendungen, die Risiken für die Patienten haben - zum Beispiel für Apps zur Erkennung von Erkrankungen. Daher fordern wir vor allem für solche Anwendungen eine Bewertung des Nutzens durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, damit klar ist, dass der Nutzen für die Patienten einen möglichen Schaden überwiegt.

Auch bei der Finanzierung digitaler Gesundheitsanwendungen sehen wir Änderungsbedarf: Derzeit ist vorgesehen, dass die Hersteller die Preise im ersten Jahr nach der Einführung frei festlegen können. Das ist eine Regelung, die schon bei den Arzneimitteln zu überhöhten Preisen geführt hat. Angesichts beliebig wählbarer Produktzyklen können die Hersteller damit jeglichen Preisvereinbarungen aus dem Weg gehen. Daher muss an dieser Stelle nachgebessert werden.   

Wir finden es gut, dass das DVG die Anbindung weiterer Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur vorsieht. Allerdings brauchen wir statt der teuren Hardware-Konnektoren dringend zeitgemäße Software-Lösungen, die einen sicheren und schnellen Datenaustausch ermöglichen - zu vertretbaren Kosten für die Beitragszahler."