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"Apps auf Rezept" nicht ohne echten medizinischen Nutzen

Foto: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverband

Martin Litsch

(20.01.20) Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den Referentenentwurf für eine "Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung" (DiGAV) vorgelegt. Darin werden Kriterien zur Bewertung von Gesundheits-Apps definiert. Für den AOK-Bundesverband sind die Regeln an einigen Stellen nicht weitgehend genug. Der Vorstandsvorsitzende Martin Litsch äußerte sich in einem Statement:

"Wir begrüßen es, dass die Hersteller von digitalen Gesundheitsanwendungen verpflichtet werden sollen, die positiven Versorgungseffekte ihrer Anwendung nachzuweisen. Entscheidend ist dabei, dass der medizinische Nutzen dieser Anwendungen im Sinne der Patienten geprüft und bewertet wird.

Daher kommt es besonders darauf an, wie die Verordnung den neu eingeführten Begriff der 'positiven Versorgungseffekte' definiert. Im vorgelegten Entwurf stehen auf der einen Seite klare medizinische Kriterien wie die Verbesserung des Gesundheitszustandes, die Verkürzung der Krankheitsdauer, die Verlängerung des Überlebens und die Verbesserung der Lebensqualität. Diese Kriterien sind auch aus unserer Sicht geeignet, einen patientenrelevanten Nutzen zu belegen. Auf der anderen Seite werden aber auch sogenannte 'Verfahrens- und Strukturverbesserungen' genannt. Dazu gehören zum Beispiel die leichtere Erreichbarkeit des Zugangs zur Versorgung oder die Reduzierung der therapierelevanten Aufwände. Auch diese weichen Kriterien sollen bereits ausreichen, um positive Versorgungseffekte einer Anwendung zu belegen - auch wenn sie vergleichbaren nicht-digitalen Therapien beim medizinischen Nutzen unterlegen ist.  Viele der genannten 'Verfahrens- und Strukturverbesserungen' liegen schon in der Natur von digitalen Anwendungen und können somit leicht erfüllt werden. Für die Patienten ist es aber entscheidend, dass medizinische Anwendungen, die von den Kassen erstattet werden, einen echten medizinischen Nutzen bieten. Wenn es nur um ein bisschen mehr Komfort geht, sollte das nicht von der Solidargemeinschaft bezahlt werden.

Die in der Verordnung enthaltenen Aspekte der Datensicherheit müssen noch einmal intensiv geprüft werden. Aus unserer Sicht ist zwingend sicherzustellen, dass keine Daten an Dritte gelangen. Es muss auch geklärt werden, wie mit bereits erhobenen Daten umgegangen wird, wenn Hersteller von digitalen Anwendungen verkauft werden."

Die Fachanhörung im BMG ist für den 19. Februar 2020 geplant.