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AOK rutscht im dritten Quartal deutlich ins Minus

(20.11.20) Die AOK-Gemeinschaft schließt das dritte Quartal 2020 mit einem Defizit von voraussichtlich 1,1 Milliarden Euro ab, nach einem leichten Plus von 320 Millionen Euro im zweiten Quartal. In nur drei Monaten hat sich die finanzielle Situation der AOK um mehr als 1,4 Milliarden Euro verschlechtert und im Vergleich zum Vorjahresquartal um zirka eine Milliarde Euro. Die Leistungsausgaben stiegen um rund 3,1 Prozent pro Versicherten, also fast doppelt so stark wie im zweiten Quartal. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, ordnet die aktuellen Finanzergebnisse ein:
 

Foto: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverband

Martin Litsch

"Nach den coronabedingten, heftigen Schwankungen im bisherigen Jahresverlauf - Minus im ersten Quartal, Plus im zweiten Quartal - dreht das Ergebnis nun erwartungsgemäß wieder ins Minus. Das hat mit der Normalisierung bei Behandlungen und Operationen nach dem ersten Lockdown, entsprechenden Nachholeffekten und nicht zuletzt auch mit dem Wirksamwerden des Versichertenentlastungsgesetzes GKV-VEG zu tun. Es zwingt die Krankenkassen bereits im Jahr 2020 zum stufenweisen Abbau von Rücklagen über günstige, aber nicht ausgabendeckende Zusatzbeiträge. Gleichwohl ist auch dieses Quartalergebnis nur Momentaufnahme in außergewöhnlichen Zeiten, seine Aussagekraft dürfte begrenzt bleiben. Immer noch können wir nur bedingt absehen, wann und wie stark noch Pandemiekosten zu Buche schlagen. Klar ist aber, dass wir in diesem Jahr mit einem Minus abschließen werden - und dass das dicke Ende für die gesetzliche Krankenversicherung erst noch kommt.

Denn im kommenden Jahr 2021 trifft die Krankenkassen neben Corona zusätzlich noch die volle finanzielle Wucht der Spahn´schen Gesetze. Um diese kurzfristig abzufangen und ein Finanzloch von über 16 Milliarden Euro zu stopfen, werden im Vorfeld der Bundestagswahl unter anderem die Rücklagen der Kassen verfeuert. Aber im Folgejahr 2022 werden die teuren Gesetze fortwirken, und schon jetzt ist ein weiterer Fehlbetrag von 17 Milliarden Euro absehbar. Dieses Loch lässt sich dann nicht mehr mit Kassenrücklagen stopfen. Die rosigen Zeiten sind vorbei, das hat auch der Bundesgesundheitsminister schon eingeräumt. Aber mit den Reserven sind auch die Gestaltungsspielräume für eine bessere Gesundheitsversorgung verbraucht. Politische Konzepte, wie klug gegengesteuert werden soll, sucht man derzeit vergeblich."