GKV-Finanzen: Dynamische Lage macht Prognosen schwierig

Statement von Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes

(19.02.21) Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" 2020 rund 2,5 Milliarden Euro weniger eingenommen als ausgegeben. Höher war das Defizit in den vergangenen 20 Jahren nur im Jahr 2003. Etwas weniger als die Hälfte davon müsse die AOK schultern, bestätigte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch.

Foto: Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes

Martin Litsch

"Die AOK-Gemeinschaft hat das Jahr 2020 mit einem vorläufigen Defizit von rund einer Milliarde Euro abgeschlossen. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, das mit einem Defizit von 120 Millionen Euro endete. Allerdings enthält die Finanzstatistik des „Pandemie-Jahres“ 2020 viele Corona-bedingte Sondereffekte. Geprägt wird sie vom Auf und Ab der Infektionswellen und den „Bremsspuren“ der beiden Lockdowns. Auf die beiden Quartale mit hochlaufender Ausgabenkurve (1. und 3. Quartal) folgte jeweils ein Quartal mit geringerer Ausgabensteigerung, weil weniger Leistungen in Anspruch genommen wurden. So fiel im kumulierten 4. Quartal die Steigerung der Leistungsausgaben infolge des zweiten Lockdowns wieder geringer aus (+ 3,5 Prozent gegenüber +4,4 Prozent im Vorjahr), nachdem es noch im 3. Quartal nach einer Normalisierung ausgesehen hatte (+ 3,7 Prozent). Das vorläufige Defizit 2020 wäre noch höher ausgefallen, wenn sich die Ausgabendynamik aus dem ersten Quartal im Gesamtjahr fortgesetzt hätte.

Die Perspektiven der weiteren Finanzentwicklung im Jahr 2021 sind unklar, Prognosen bleiben angesichts der dynamischen Lage schwierig. Inzwischen wird eine dritte Infektionswelle befürchtet. Gleichzeitig ist unklar, wann und wie stark sich noch „Nachholeffekte“ in den Arztpraxen und Kliniken bemerkbar machen. Klar ist nur, dass die kostspieligen Gesetze aus den Vorjahren weiter ihre Finanzwirkung entfalten werden und dass der GKV für 2022 ein gewaltiges Defizit droht."