Agenturmeldung vom 15.01.2019, 16:07

Skandal-Unternehmen Lunapharm Herstellungserlaubnis entzogen

Potsdam (dpa/bb) - Neue Etappe im Brandenburger Pharmaskandal: Das Unternehmen Lunapharm, das illegal mit Krebsmedikamenten aus Griechenland gehandelt haben soll, darf nun endgültig keine Arzneimittel mehr herstellen oder in den Verkehr bringen. Die entsprechende Erlaubnis sei untersagt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Die Anordnung habe das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit erlassen. Bis zum 6. Februar ruhe auch die Großhandelserlaubnis. Dann werde darüber erneut entschieden. Der Bescheid sei den Anwälten der Firma mit Sitz in Blankenfelde-Mahlow übermittelt worden.

Nach Angaben des Ministeriums besteht die Möglichkeit des Widerspruchs innerhalb von einem Monat. Ministerin Susanna Karawanskij (Linke) will sich am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtages äußern. Weitere Angaben wurden nicht gemacht.

Lunapharm werde Widerspruch einlegen, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Man dringe auf eine gerichtliche Klärung aller Punkte.

Das ARD-Politikmagazin «Kontraste» hatte zuvor aus dem ihm vorliegenden Bescheid zitiert. Begründung für den Widerruf sei danach, dass das Unternehmen über einen „langen Zeitraum und in schwerwiegender Weise gegen arzneimittelrechtliche Vorgaben verstoßen“ habe. So habe Lunapharm „in Kenntnis der Rechtswidrigkeit zahlreiche Arzneimittel von einer griechischen Apotheke bezogen, die zur Lieferung nicht befugt war.“

Im Juli 2018 waren Vorwürfe bekanntgeworden, Lunapharm handele illegal mit Krebsmedikamenten aus Griechenland. Die Brandenburger Behörden sollen unzureichend auf diese Hinweise reagiert haben. Als Konsequenz hatte die damalige Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) Ende Augst ihren Rücktritt erklärt. Zudem wurden die Aufgaben des Präsidenten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit beschnitten.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Krebsmedikamenten. Elf Patienten allein in Brandenburg sollen die Arzneimittel erhalten haben. Laboruntersuchungen von sogenannten Rückstellproben ergaben bislang keine Hinweise auf unwirksame Medikamente, hatte die Ministerin im November den Landtagsausschuss informiert.