Agenturmeldung vom 14.06.2019, 07:45

Leicht steigende Tendenz zur Blutspende - Demografie wirkt dagegen

Dresden (dpa) - Der demografische Wandel bedroht das solidarische Blutspendesystem. "Kurzfristige Wetter- oder Sportereignisse sind weniger gefährlich", sagt die Sprecherin des DRK-Blutspendendienstes Nord-Ost, Kerstin Schweiger, zum Weltblutspendertag (14. Juni). Die Spendentendenz sei zwar leicht steigend wie im Vorjahr, aber auch nur punktuell. "Wir verlieren aus Altersgründen jährlich 100 000 Spender bundesweit und auf der anderen Seite fehlt in vielen Gebieten der Nachwuchs."

Die Zahl der Vollblutspenden beim DRK liegt laut Schweiger in Sachsen bei 165 000 pro Jahr. "Wir entnehmen nur nach Bedarf, um die Versorgung konstant zu gewährleisten." Für eine Bevorratung sei Blut zu kostbar, das nicht künstlich hergestellt werden kann. Bei Hitze, Kälte, Unwetter oder an Feiertagen gebe es Sondertermine. "Hinter allem steht die kurze Haltbarkeit von Blut: Konserven sind 35 bis 42 Tage, Thrombozyten-Präparate nur vier bis fünf Tage einsetzbar."

In Deutschland dürfen Erwachsene ohne gesundheitliche Probleme vom 18. bis 73. Geburtstag spenden - Frauen vier- und Männer bis zu sechs Mal pro Jahr. Das Interesse auf dem Land ist etwas größer als in Ballungsräumen. "Die, die es tun, tun etwas für die Gesellschaft in der eigenen Umgebung, denn die Spenden bleiben immer in der Region", sagt Schweiger. Das DRK liefert etwa 75 Prozent des Bedarfs an Blutprodukten. Der Rest kommt von kommunalen und universitären Blutbanken und dem Blutspendedienst Haema.

"In Deutschland ist jeder Dritte mindestens ein Mal im Leben auf das gespendete Blut von Mitmenschen angewiesen", sagt Schweiger. Am Freitag werden die "stillen Helden" und Lebensretter gefeiert und zugleich auf die Notwendigkeit der unverzichtbaren Hilfe für Patienten ohne Überlebenschance aufmerksam gemacht. Pro Tag werden in Sachsen aktuell rund 650 Blutspenden benötigt. Wie bundesweit gehen etwa drei Prozent der Bevölkerung spenden, das Potenzial ist nur zu einem Zehntel ausgeschöpft.

Die Akteure haben deshalb auch die Menschen im mittleren Lebensalter im Visier, die noch 20 bis 30 Jahre spenden könnten. Zudem werden durch die Suche nach Alternativen in der Transfusionsmedizin seit einigen Jahren Ressourcen gespart. "Bei Blutzellbildung helfen Medikamente, bei Operationen wird Patientenblut aufgefangen, aufbereitet und zurückgeführt."