Agenturmeldung vom 12.03.2020, 16:41

Pläne für mehr Corona-Schutz für Senioren und Pflegebedürftige

Berlin (dpa) - Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus rücken Schutz und Hilfen für Senioren, Pflegebedürftige und Behinderte in den Blick. "Gerade Ältere, Großeltern und ihre Familien sollten ihre Gewohnheiten überdenken", sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Donnerstag. Dazu gehöre, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden, persönlichen Abstand zu halten oder auf Umarmungen und Freizeitveranstaltungen mit größerer Teilnehmerzahl zu verzichten. Zugleich sollten Ältere mit ihren Sorgen nicht allein bleiben und bei Einkäufen und medizinischer Betreuung unterstützt werden. Die Länder erwägen auch weitere Schutzvorkehrungen für Pflege- und Altenheime.

Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) sagte nach einem Treffen der Ministerpräsidenten in Berlin, es müsse dringend über einen höheren Schutz für die ältere Bevölkerung nachgedacht werden. Es sei zu überlegen, ob eingeschränkte Besuchsrechte etwa für Altenheime, Klinken, Pflege- und Behinderteneinrichtungen ein Weg sein könnten. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte, dass es Schutzkleidung und Tests für medizinisches Personal geben müsse.

Giffey sagte, auch Bewohner von Pflegeeinrichtungen seien besonders schutzbedürftig. Pflegekräfte seien gefordert, Bewohner zu schützen. "Dazu gehört auch, sich nicht selbst zu gefährden."

Patientenschützer werben für Nachbarschaftshilfe. "Es gilt, den alten und pflegebedürftigen Menschen von nebenan in den Blick zu nehmen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. "Bei aller gebotener Vorsicht kann sehr viel Gutes getan werden." So könne man Einkäufe mitbringen, Rezepte vom Arzt oder Medikamente aus der Apotheke holen. "Das sind wichtige Zeichen der Hilfsbereitschaft."

Die Chefin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, Ulla Schmidt, forderte, auf Menschen mit Behinderung in besonderer Weise zu achten. "Sie haben wegen Vorerkrankungen häufig ein erhöhtes Risiko schwer zu erkranken - in den Einrichtungen, zu Hause, bei der Arbeit und in Schulen." Bei Schließungen, zum Beispiel von Werkstätten und Schulen, müssten Assistenzkräfte wie Schulhelfer weiter bezahlt werden.

Um die Virus-Ausbreitung einzudämmen rufen Gesundheitsexperten und auch die Bundesregierung dazu auf, Kontakte vor allem in größeren Menschenansammlungen zu verringern - besonders vor Infektionen geschützt werden sollen ältere und chronisch kranke Menschen.

Patientenschützer Brysch sagte: "Selbst wer den persönlichen Kontakt scheut, kann sich um andere kümmern." Das reiche vom Telefonanruf beim Nachbarn oder einen persönlichen Aushang im Treppenhaus bis zu Nachrichten im Briefkasten. "Ein Einkaufszettel kann die Verbindung von Mensch zu Mensch sein."