Agenturmeldung vom 10.12.2020, 13:10

Verband: Jeder fünfte Deutsche fühlt sich nicht mehr zugehörig

Berlin (dpa) - Der Sozialverband Deutschland hat vor zunehmender Einsamkeit und sozialer Isolation in der Corona-Krise gewarnt - und bessere Maßnahmen dagegen gefordert. Jeder fünfte Deutsche fühlt sich «nicht mehr zugehörig», wie aus einem am Donnerstag vorgestellten Gutachten des Verbandes hervorgeht. „Wie ein Brennglas hat die Corona-Pandemie grundlegende Systemfehler und langjährige Fehlentwicklungen in den deutschen Sozialsystemen aufgezeigt und zugleich bestehende Probleme verschärft“, sagte Verbandsvize Ursula Engelen-Kefer bei der Vorstellung am Donnerstag.

So hätten etwa Besuchsverbote und Ausgangsbeschränkungen in stationären Einrichtungen die Ausgrenzung von Pflegebedürftigen, chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen verstärkt. Sozial isoliert oder ausgeschlossen fühlten sich auch Hochbetagte, Langzeitarbeitslose oder von Armut Betroffene, darunter viele Alleinerziehende. Bereits vor der Corona-Pandemie seien in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen meist oder (sehr) oft einsam gewesen, heißt es in dem Gutachten.

Für den Sozialverband Deutschland besteht daher dringender Handlungsbedarf. Insbesondere die Kommunen müssten dabei unterstützt werden, die notwendige Infrastruktur gegen Einsamkeit zu schaffen, betonte Engelen-Kefer. Genau wie durch coronabedingte Hygiene- und Schutzkonzepte solle es konkrete Maßnahmen gegen Vereinsamung und Isolation geben.