Informationsbörse nicht nur für Pflege-Vollprofis

Deutscher Pflegetag 2016: 10. bis 12. März

Logo: Deutscher Pflegetag 2016

18.01.16 (ams). Seit 2015 haben pflegende Angehörige das Recht auf eine berufliche Auszeit von bis zu zwei Jahren. Tritt ein unerwarteter Pflegefall in der Familie ein, können Angehörige kurzfristig eine zehntägige Auszeit vom Job nehmen. Kassengelder und staatliche Darlehen sollen den Lohnausfall abfedern. Doch das Angebot wird nur zögerlich angenommen. 84 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich laut einer repräsentativen Erhebung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) "eher schlecht" oder "sehr schlecht" informiert. Das Gesetz sei noch nicht in der Erwerbsbevölkerung angekommen, so das Fazit des ZQP. Der Deutsche Pflegetag will das ändern und richtet sich deshalb auch an pflegende Angehörige.

Nicht nur das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II), sondern auch das Hospiz- und Palliativgesetz sowie das Präventionsgesetz beinhalten Änderungen im Bereich Pflege. Beide Gesetze sind seit Jahresbeginn 2016 in Kraft. Mit dem PSG II wird die Pflegeberatung ausgebaut. Hierzu zählt nun auch, dass die Betroffenen über Entlastungsangebote für pflegende Angehörige informiert werden. Jeder Pflegebedürftige erhält einen festen Ansprechpartner. Der GKV-Spitzenverband wird per Richtlinie die Pflegeberatung bei Pflegekassen und in Pflegestützpunkten einheitlich regeln.

Die Leistungs- und Preisvergleichslisten, die die Landesverbände der Pflegekassen erstellen, enthalten künftig neben den Angaben zu Leistungen und Vergütungen der zugelassenen Pflegeeinrichtungen auch Informationen zu Angeboten und Kosten von niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangeboten. Die Listen werden im Internet veröffentlicht.

Spezielles AOK-Angebot auf dem Deutschen Pflegetag

"Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?! - Was ändern die Pflegereformen für pflegende Angehörige?" Unter diesem Motto bietet der AOK-Bundesverband auf dem Deutschen Pflegetag 2016 am 11. März 2016 eine Veranstaltung für pflegende Angehörige. Es ist nach 2014 und 2015 die dritte dieser Art. Der AOK-Bundesverband ist Gründungspartner des Deutschen Pflegetages.

Für den dreitägigen Kongress meldet der Deutsche Pflegerat als Ausrichter bereits knapp zwei Monate vor Beginn der ersten Veranstaltung rund 2.000 Anmeldungen. Das sind jetzt schon so viele wie bei der Premiere 2014 Besucher insgesamt und bereits halb so viele wie 2015. "Pflegende bewegen sich, Pflegende reden und bestimmen mit. Pflegende artikulieren Ziele für ein Gesundheitssystem von morgen!", hat Pflegerats-Präsident Andreas Westerfellhaus als Motto ausgegeben.

Insgesamt bietet das Programm 40 Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen. Sechs davon gestaltet die AOK. Die Gesundheitskasse ist mit insgesamt elf Referenten aktiv beteiligt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat die Schirmherrschaft übernommen und wird den Kongress zusammen mit Westerfellhaus am Donnerstag, den 10. März, vormittags eröffnen. Der Pflegetag endet am Samstag, den 12. März, nachmittags.

Nächster Reformschritt bereits beschlossene Sache

Zentraler Bestandteil des PSG II ist die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Ab 2017 soll nicht mehr zwischen körperlichen Einschränkungen einerseits sowie kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen andererseits unterschieden werden. Vielmehr ist dann der individuelle Unterstützungsbedarf jedes Einzelnen ausschlaggebend. Damit soll insbesondere pflegebedürftigen Demenzkranken geholfen werden.

Die neue Pflegeeinstufung beinhaltet fünf Pflegegrade statt der bisherigen drei Pflegestufen. Maßgeblich für die Einstufung ist künftig der Grad der Selbstständigkeit einer Person in allen pflegerelevanten Bereichen. Der GKV-Spitzenverband hat den Auftrag, die Begutachtungs-Richtlinie entsprechend anzupassen. Für die Pflegebedürftigen, die zum Stichtag der Umstellung bereits Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, gilt eine Überleitungsregelung: Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen kommen automatisch von ihrer Pflegestufe in den nächst höheren Pflegegrad, Pflegebedürftige mit dauerhaften erheblichen Einschränkungen der Alltagskompetenz in den übernächsten Pflegegrad. Eine erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist nicht nötig.

Zur Finanzierung des PSG II steigen die Beiträge zur Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 um weitere 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 beziehungsweise 2,8 Prozent für Kinderlose. Damit fließen in die Pflege weitere 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt stehen ab 2017 jährlich rund fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung.

Weitere Verbesserungen in der Pflege

Nicht nur das PSG II, sondern auch das Hospiz- und Palliativgesetz sowie das Präventionsgesetz beinhalten Änderungen im Bereich Pflege. Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz steigt der Mindestzuschuss der Krankenkassen für stationäre Kinder- und Erwachsenen-Hospize. Der Tagessatz je betreutem Versicherten liegt seit dem 1. Januar bei 261,45 Euro. Die Kassen tragen nun auch bei stationärer Hospizversorgung von Erwachsenen 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Bislang galt dieser Zuschussanteil nur für die Versorgung von Kindern.

Das Präventionsgesetz sieht vor, dass die Pflegekassen unter Beteiligung der Pflegebedürftigen und Pflegeeinrichtungen primärpräventive Leistungen in Pflegeheimen erbringen sollen. Ziel ist es, die gesundheitliche Situation der Bewohner zu verbessern und ihre Fähigkeiten zu stärken.


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