Was sagen Verwaltungskosten übers Kassen-Management?

ams-nachgefragt: Kathrin Hayn, Leiterin des Geschäftsbereichs Finanzen im AOK-Bundesverband

Foto: Kathrin Hayn

Kathrin Hayn

18.01.16 (ams). "Wenig! Der Zusammenhang zwischen hohen Verwaltungsausgaben einer Krankenkasse und schlechtem Management ist  nicht plausibel und nicht gerechtfertigt. Umgekehrt lassen sich niedrige Verwaltungskosten auch nicht ohne weiteres auf gutes Management zurückführen.

Die Höhe der Verwaltungskosten ist unmittelbar abhängig von der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen. Je kränker also die Versicherten, die selbstverständlich eine gute Versorgung erwarten, desto mehr Geld muss eine Krankenkasse auf der Verwaltungsseite aufwenden. Aber Krankenkassen wollen und müssen dem Versorgungsbedarf der Versicherten gerecht werden. Deshalb beschäftigen einige Krankenkassen etwa mehr Pflegeberater, die sich ausschließlich um die Bedürfnisse einzelner betreuungsintensiver Patienten sorgen. Oder Krankenkassen mit einem sehr hohen Betreuungsbedarf älterer und kränkerer Versicherten halten eine Vielzahl von Geschäftsstellen vor. Der Gesetzgeber hat auch erkannt, dass erhebliche Teile des Verwaltungshandelns und des Verwaltungsaufwands der Krankenkassen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen stehen. Es gilt also: Je höher die Morbidität der Versicherten, desto höhere Verwaltungskosten entstehen einer Krankenkasse. Für eine effiziente Versorgung der Versicherten schließen Krankenkassen eine Vielzahl von Verträgen zur Integrierten Versorgung. Viele Krankenkassen haben sich entschieden, konsequent in die Verbesserung der Versorgung und die Betreuung ihrer Versicherten zu investieren. Diese Investitionen gelten in der GKV aber auch als Verwaltungskosten.

Demgegenüber entstehen bei Krankenkassen mit jungen und gesunden Versicherten per se deutlich niedrigere administrative Kosten. Deswegen sollten gute Managementleistungen nicht an niedrigen Verwaltungsausgaben, sondern an der effizienten Versorgung und Betreuung der Versicherten gemessen werden."


Zum ams-Politik 01/16