Spendebereitschaft bleibt gering - Einbruch scheint gestoppt

ams-Hintergrund: Organspende

17.02.15 (ams). 864 Menschen haben 2014 ihre Organe postmortal gespendet, wie die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) berichtet. Den Organspendern standen jedoch rund 10.000 Patienten auf den Wartelisten gegenüber, die dringend auf ein neues Organ angewiesen sind. Die Zahl der Organspenden in Deutschland bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau.

Gegenüber 2013 war bei den Organspenden damit ein leichter Rückgang von 1,4 Prozent zu verzeichnen. Die Summe der hierzulande postmortal - also nach dem Tod - gespendeten Organe hat sich  in der Folge um 46 auf 2.989 verringert. Ohne die Lebendspende-Organe wurden 2014 somit in Deutschland 3.169 Organe aus dem Eurotransplant-Verbund transplantiert. Der Verbund - bestehend aus den Benelux-Ländern, Österreich, Kroatien, Slowenien, Ungarn und Deutschland - ist für die Zuteilung von Spenderorganen an die Patienten auf den Wartelisten zuständig. Rund 70 Prozent der Betroffenen auf den organspezifischen Wartelisten stammen aus Deutschland.

Um die Organspendebereitschaft zu erhöhen, hatte die Bundesregierung 2012 die sogenannte Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz verankert. Diese sieht vor, dass die Krankenkassen ihre Versicherten regelmäßig über das Thema informieren und zu einer Entscheidung für oder gegen die Organspende auffordern. Die wiederholte Konfrontation mit dieser Entscheidung soll nach dem Willen des Gesetzgebers die Versicherten für die Bedeutung der Organtransplantationen sensibilisieren. Im Rahmen des vorherigen Verfahrens mussten Organspendewillige aus eigener Initiative die Bereitschaft zur Spende dokumentieren.

Vertrauen durch Manipulationen bei Vergabe erschüttert

Nicht zuletzt mehrere Organspendeskandale - bei denen Ärzte Patientendaten manipuliert hatten, damit diese als Organempfänger bevorzugt werden - haben die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung jedoch weiter sinken lassen. So war die Zahl der Organspenden 2012 und 2013 um 12,8 Prozent und um 16,3 Prozent zurückgegangen. Um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, hat der Gesetzgeber 2013 in einer Novelle des Transplantationsgesetzes unter anderem Manipulationen an den Wartelisten unter Strafe gestellt und die Kontrollbefugnisse der Prüfungs- und Überwachungskommission gestärkt. Unrechtmäßige Veränderungen können nun mit zwei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe belegt werden. Darüber hinaus stehen die Richtlinien zur Organspende, die von der Ständigen Kommission Organtransplantation erlassen werden, fortan unter Genehmigungsvorbehalt des Bundesgesundheitsministeriums. Die Vorgaben der bei der Bundesärztekammer angesiedelten Kommission legen fest, nach welchen Kriterien Spenderorgane an bedürftige Kranke verteilt werden.


Das politische Stichwort: Organspende

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Um den Menschen bei der Entscheidung für oder gegen die Organspende beiseite zu stehen, hat die AOK 2012 die "Entscheidungshilfe Organspende" ins Leben gerufen. In dem Online-Angebot hat die Gesundheitskasse gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Hamburg umfangreiche Informationen rund um das Thema Organspende zusammengetragen. In Fallbeispielen schildern Betroffene beispielsweise, warum sie sich für oder gegen eine Organspende entschieden haben. Interessierte können sich über Positionen aus mehreren Bereichen wie Recht, Hirndiagnostik oder Menschenwürde informieren und jeweils angeben, wie nützlich ihnen die Informationen sind. Abschließend können die gemachten Angaben übersichtlich gegenübergestellt und miteinander abgewogen werden. Die vom Nutzer gemachten Angaben werden dabei nicht gespeichert.

Zur Entscheidungshilfe Organspende

Fachinformationen zur Transplantation


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