Elfte Auflage: Aufbruch ins dritte Jahrzehnt

ams-Stichwort: Berliner Gesundheitspreis 2017

Grafik: Berliner Gesundheitspreis 2017

11.08.16 (ams). Jeder fünfte der rund 81 Millionen Einwohner in Deutschland ist zugewandert oder Kind beziehungsweise Enkel von Zuwanderern. Sprachprobleme und kulturelle Unterschiede sind die Ursachen dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund oft nicht in gleichem Maße von der Gesundheitsversorgung profitieren wie die übrige Bevölkerung. Der Berliner Gesundheitspreis 2017 soll dazu beitragen, Initiativen und Projekte zum Thema "Migration und Gesundheit" bekannt zu machen und schnell in die Praxis zu bringen. Die Ausschreibung erfolgt im Spätsommer. Der AOK-Medienservice (ams) schaut jetzt schon einmal zurück auf eine bewegte 20-jährige Geschichte.

Anlässlich der Verleihung des zehnten Berliner Gesundheitspreises im Juni 2015 geizte Hermann Gröhe nicht mit Anerkennung. "Schrittmacher zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Deutschland" und "Wettbewerb um beste Ideen" nannte der Bundesgesundheitsminister den Preis. Seit 1995 zeichnen der AOK-Bundesverband, die Ärztekammer Berlin und die AOK Nordost alle zwei Jahre Projekte und Modelle aus, die zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung beitragen. Die Themen seien immer am Puls der Zeit gewesen, lobte Gröhe.

Nicht nur die „Gewinner“ im Vordergrund

Grafik: Partner-Logos

Bereits für die erste Ausschreibung des Gesundheitspreises wurden knapp 2.000 Mal die Ausschreibungsunterlagen angefordert. Am Ende waren mehr als 300 Wettbewerbsbeiträge eingegangen. "Der Mensch ist unser Maß" war das zugegebenermaßen noch sehr allgemein gehaltene Motto. Dieser Einstieg war wichtig für die Erkenntnis der Initiatoren, dass die Praxis oft schon Antworten auf die Herausforderungen im Gesundheitswesen gefunden hat. Mit dem Berliner Gesundheitspreis macht sie bekannt und regt zur Nachahmung an. Bei der Preisverleihung stehen deshalb von je her nicht nur die "Gewinner" im Vordergrund. Stets finden auch die Teilnehmer Erwähnung, die in die engere Wahl gekommen sind.

Zweimal standen bisher ältere Menschen im Mittelpunkt des Wettbewerbs. "Alter und Gesundheit - Mehr Qualität durch vernetzte Versorgung" lautete das Motto des dritten Berliner Gesundheitspreises. Preisverleihung war im März 2001. "Besonders  die  gesundheitliche  Betreuung  von  alten  und  chronisch  kranken  alten  Menschen,  von  Schlaganfallpatienten  und  Demenzkranken  werde  im  Alltag  häufig  durch  unkoordiniertes  Nebeneinander  verschiedener  Versorgungsformen  und  gegensätzliche  Interessen  der Beteiligten erschwert", sagte der damalige Vorstandsvorsitzende des  AOK-Bundesverbandes, Dr. Hans Jürgen Ahrens, bei der Preisverleihung  im Roten Rathaus.

Apropos Schrittmacher! Bereits 2007 fiel die Bestandsaufnahme deutlich besser aus. "Im hohen Alter zu Hause leben - Herausforderungen für die ambulante medizinische Versorgung", hieß es damals. Ministerin Ulla Schmidt höchstpersönlich ließ es sich nicht nehmen, der Preisverleihung im Mai beizuwohnen. "Sie zeigen, was schon heute in der Versorgung älterer Menschen vor Ort möglich ist", lobte Schmidt die Wettbewerber und Preisträger. "Auch im hohen Alter noch zu Hause leben zu können, ist inzwischen eine Schlüsselfrage für unsere Gesellschaft."

Für eine bessere Fehlerkultur

Der Berliner Gesundheitspreis machte auch vor heiklen Themen nicht halt. 2003 ging es um Fehlervermeidung in Medizin und Pflege. Damals und auch heute oft noch ein Tabu. Jeweils einen ersten Preis erhielten das Kantonsspital in Basel und das Kieler Institut für Allgemeinmedizin. Die Schweizer Klinik hatte für den stationären Bereich ein landesweites, datenbankgestütztes Meldesystem für das Internet entwickelt. Es dient dazu, systematisch Anhaltspunkte für das Entstehen von Fehlern und zu ihrer Vermeidung zu sammeln und zu veröffentlichen. Die Preisträger aus Kiel engagieren sich im ambulanten Bereich. Ihr Projekt: ein Risiko-Management zum Schutz vor Fehlern bei der Arzneimittelverschreibung und ein Fehlerberichtssystem für hausärztliche Praxen.

Prämiert wurden zudem drei Projekte, die sich der Vermeidung von Patientenstürzen im Krankenhaus und im Pflegeheim sowie dem Verhindern von Druckgeschwüren bei Pflegebedürftigen widmen. Einen Anerkennungspreis erhielten die Schülerinnen und Schüler einer Krankenpflegeschule in Bayern. Sie hatten während ihrer Ausbildung die Initiative "Den Keimen auf der Spur" entwickelt und damit zur Verbesserung der Hygiene im Krankenhaus beigetragen.

20 Jahre – 800 Bewerber – 60 Preisträger

So ist es in der mehr als 20-jährigen Geschichte des Berliner Gesundheitspreises gelungen, mit den ausgezeichneten Projekten Innovationen im Gesundheitswesen voranzutreiben. Ganz gleich, ob es nun um das praxisnahe Medizinstudium, den Einsatz von Gesundheitszielen, die Unterstützung pflegender Angehöriger, die Hausarztpraxis der Zukunft, den Aufbau von Arztnetzen, den Wissenstransfer in den medizinischen Alltag, die Einbindung des Patienten in die Therapieentscheidung oder das Zusammenwirken unterschiedlicher Gesundheitsberufe gegangen ist. Mehr als 800 Bewerbungen und über 60 Preisträger verzeichnet der Berliner Gesundheitspreis mit seinen inzwischen zehn Ausschreibungen. Entsprechend lobte 2015 Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf dem Festakt zu 20 Jahre Berliner Gesundheitspreis die Innovationskraft dieses Wettbewerbs.


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