Sind 300 Krankenhäuser wirklich genug für ganz Deutschland, Herr Malzahn?

ams-nachgefragt: Jürgen Malzahn, Leiter der Abteilung stationäre Versorgung im AOK-Bundesverband

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Jürgen Malzahn

12.01.17 (ams). "Das Thesenpapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina legt das nahe. Dort steht: "Hätte Deutschland die Krankenhausstruktur von Dänemark mit einem Krankenhaus pro 250.000 Einwohner, wären es bei uns 330 – und alle mit CT, MRT und Fachärzten für Innere Medizin/Kardiologie, Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie und Anästhesie/Intensivmedizin, die rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche verfügbar sind.' Ob das eins zu eins auf Deutschland zu übertragen ist, sei dahingestellt. Aber die Tendenz stimmt.

Hier gibt es aktuell 1.956 Krankenhäuser, also etwa sechsmal so viel, und trotzdem kann man sich nicht sicher sein, optimal versorgt zu werden. So zeigt der Qualitätsmonitor 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und des Vereins Gesundheitsstadt Berlin, die Defizite in der Versorgung von Herzinfarktpatienten. Vier von 10 Kliniken, die 2014 Herzinfarkte behandelt haben, verfügten nicht über ein Herzkatheterlabor, was der Standard sein sollte. Und auch das Leopoldina-Papier spricht von einer ‚überproportional hohen Zahl oft schlecht ausgestatteter Krankenhäuser.

Andererseits gibt es zu viele Kliniken, die alle das gleiche anbieten, ohne dass es für eine flächendeckende Versorgung notwendig wäre. Würden etwa die 20 Prozent der Häuser mit unterdurchschnittlichen Qualitätsergebnissen keine Hüft-OP mehr anbieten, würde sich die durchschnittliche Fahrtzeit für die Patienten um gerade einmal zwei Minuten verlängern. 120 Sekunden für eine bessere Versorgung!

Gerade deswegen ist es wichtig, Qualität zum Maßstab der Krankenhausplanung zu machen, wie es das Krankenhaus-Strukturgesetz eigentlich vorsieht. Und deswegen muss der Gemeinsame Bundesausschuss zügig, wie es im Gesetz steht, umfassende planungsrelevante Qualitätsindikatoren für alle medizinischen Bereiche vorlegen. Die ersten Entscheidungen, die auf der gesetzlichen Qualitätssicherung aufsetzen mussten, waren ein wichtiger Schritt – aber in diesem Jahr müssen weitere versorgungsrelevante Bereiche dazukommen, damit der Transformationsprozess der Kliniklandschaft ans Laufen kommt. Denn von der Krankenhausreform hatte ich mir schon mehr Dynasik erhofft. Viele Verhandlungsprozesse verlaufen äußerst zäh. Die Krankenhauslobby verschleppt und verhandelt immer wieder bei Dingen nach – man erhält den Eindruck dass die 'Politik der erstarrten Hand' notwendige Reformen verhindern soll.“


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