AOK vernetzt Akteure und stärkt die Patientensicherheit

Digitales Gesundheitsnetzwerk der AOK

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20.07.2018 (ams). Die AOK treibt die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen voran: Vier Berliner Geburtskliniken haben sich Anfang Juli dem Digitalen Gesundheitsnetzwerk angeschlossen. Über die von der AOK und ihren Partnern entwickelte Plattform können Patienten, niedergelassene Ärzte und Klinken relevante Gesundheitsdaten schnell und sicher austauschen. "Das Gesundheitsnetzwerk hat das Potenzial, für alle Beteiligten mehr Transparenz über medizinische Informationen und Daten zu schaffen und dadurch die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die AOK habe damit etwas auf die Beine gestellt, was die gematik mit der Telematik-Infrastruktur in 15 Jahren nicht hinbekommen habe.

In Berlin profitieren zunächst Schwangere und ihre behandelnden Ärzte von den schnell verfügbaren medizinischen Informationen. Denn der Ausbau des Regelbetriebes startet mit drei Geburtskliniken von Vivantes sowie einer der Sana Klinikum AG. Jeder dritte Berliner Nachwuchs kommt bei Vivantes auf die Welt – pro Jahr sind dies rund 12.000 Babys. Werdende Mütter können ihren Mutterpass, Berichte zu früheren Geburten, Ergebnisse ambulanter Vorsorgeuntersuchungen hochladen. Die Ärzte können Ultraschall- und Laborbefund, Geburts- und OP-Berichte, Entlass- und Arztbriefe sowie das Stillprotokoll in der digitalen Patientenakte hinterlegen. "Geburtstermine sind mitunter schwer planbar. Deshalb ist es für mich wichtig, vorab alle relevanten Informationen der schwangeren Frau aus dem Mutterpass einsehen zu können. Wenn es dann einmal schnell gehen muss, sind wir auf alles vorbereitet", sagt Privatdozentin Dr. Mandy Mangler, Chefärztin der Geburtsklinik am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum.

Daten bis in den Kreißsaal verfügbar

Bis Ende 2018 sollen in der Hauptstadt alle sechs Vivantes-Geburtskliniken sowie 13 Medizinische Versorgungszentren integriert sein. Sie versorgen insgesamt 114.000 AOK-Versicherte pro Jahr. Anders als die Telematik-Infrastruktur ist das Digitale Gesundheitswerk dezentral aufgebaut. Die medizinischen Informationen und Dokumente bleiben auf dem Server der jeweiligen Arztpraxis oder Klinik. Im Gesundheitsnetzwerk wird nur eine Art Link gesetzt, über den andere Ärzte auf die Befunde und Dokumente zugreifen können – sofern der Patient sein Einverständnis erklärt hat. Die teilnehmenden AOK-Versicherten können sich über ihren Computer oder ein mobiles Endgerät einloggen und entscheiden, welcher Arzt welche Information erhält. Das Netzwerk wird über Schnittstellen direkt mit den Software-Systemen der Ärzte verknüpft, ohne direkt in diese Systeme einzugreifen. Um den Aufwand für eine einzelne Arztpraxis gering zu halten, ist es auch möglich, dass Ärztenetze oder Kassenärztliche Vereinigungen einen gemeinsamen Server nutzen und sich darüber an die Plattform anschließen.

Dr. Jens-Peter Scharf, Chefarzt der Frauenklinik am Sana Klinikum Lichtenberg, verweist darauf, dass den behandelnden Ärzten in der Klinik und im Kreißsaal die dokumentierten Informationen jederzeit zur Verfügung stehen: "Damit vermeiden wir Doppeluntersuchengen und verkürzen den Informationsfluss." Zukunftsweisend sei auch, dass darüber die enge Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und stationären Sektor gestärkt werde. Der private Klinikkonzern plant im nächsten Schritt den Datenaustausch auch für die Behandlung von Prostata-, Mammakarzinom sowie chronischen Erkrankungen zu nutzen. Binnen zwei Jahren sollen alle 53 Krankenhäuser des Sana-Konzerns integriert sein. Vivantes, Deutschlands größter kommunaler Klinikbetreiber, hat vor, die Urologien von vier Krankenhäusern ebenso an das Digitale Gesundheitsnetzwerk anzuschließen.

Premieren-Pilot läuft seit Herbst

Bereits im November 2017 war das Digitale Gesundheitsnetzwerk in Mecklenburg-Vorpommern mit einem digital-vernetzten Aufnahmemanagement an den Start gegangen. Zwei Kliniken und das Ärztenetz "HaffNet" erleichtern so rund 8.000 AOK-Versicherten den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Versorgung.

"Wir bieten mehr als einen digitalen Leitz-Ordner, indem wir tatsächlich alle Leistungsanbieter sektorenübergreifend miteinander vernetzen", betont AOK-Chef Litsch. Langfristiges Ziel sei es, die Beteiligung am Digitalen Gesundheitsnetzwerk bundesweit zu ermöglichen und auch Apotheken sowie  Pflege- und Reha-Einrichtungen einzubinden. Das Digitale Gesundheitsnetzwerk ist daher an der internationalen Methodik IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) ausgerichtet, die die Anschlussfähigkeit an andere Systeme sichere – auch die der Telematik-Infrastruktur. Litsch: "Wir wollen keine Barrieren aufbauen, sondern Teil der gesamten Vernetzung im deutschen Gesundheitswesen sein."


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