Die Aufwertung der Pflege organisieren

Deutscher Pflegetag 2019

Dossier-Titeilmotiv

15.03.19 (ams). Bis zum Sommer 2019 will die "Konzertierte Aktion Pflege" (KAP) Konzepte und Empfehlungen entwickeln, um den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar zu verbessern. Anlässlich des Deutschen Pflegetages 2019 zeigte sich der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, zuversichtlich, dass dies gelingt. "Mancher mag dieses Pferd längst für tot halten. Die drei Bundesministerien und die KAP sind da optimistischer. Sie satteln das Pferd gerade für den nächsten Ausritt."

Nicht weniger als die Neuordnung der Pflege hat sich die KAP zum Ziel gesetzt. Unter Federführung der drei Bundesministerien für Familie, Arbeit und Gesundheit arbeiten die führenden Köpfe des Sozialsystems sowie die relevanten Akteure und Verbände daran, Versorgungsdefizite abzubauen, Kooperationen zu verbessern und die Arbeitszufriedenheit der Gesundheitsberufe zu steigern. Martin Litsch hob die Schlüsselrolle der Pflege in der medizinischen Versorgung hervor. "Die Pflege versorgt und betreut eigenverantwortlich Menschen aller Altersgruppen. Sie sichert heute schon die kontinuierliche Versorgung von Patienten und Pflegebedürftigen über Sektorengrenzen hinweg." Um die Attraktivität der professionellen Pflege zu erhöhen, gelte es, dieses Rollenverständnis in den Blick nehmen und weiterzuentwickeln.

Pflegebedürftige sowie Pflegende im Fokus

Zum sechsten Mal ist die Pflegebranche zum Deutschen Pflegetag in Berlin zusammengekommen. Als größte Pflegekasse ist die AOK Gründungspartner und von Anfang an dabei. Mit insgesamt sechs verschiedenen Veranstaltungen ist die AOK auf dem Kongress präsent. Zwei Programmpunkte hob Martin Litsch besonders hervor: zum einen eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik und der Sozialpartner. Dabei geht es um die Weiterentwicklung der Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung. Zum anderen eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Pflege trifft Medizin – Der Nachwuchs gibt den Ton an" mit Stimmen aus der Praxis zur Frage der Neuordnung der Pflegeberufe.

Die AOK und die Pflegeberufe eine das gemeinsame Bestreben, eine qualitativ gute Pflege unter vernünftigen ökonomischen Rahmenbedingungen sicherzustellen, betonte der Verbandschef. Die angestoßene Modernisierung der Pflegeausbildung und Entwicklung eines wissenschaftlichen Verfahrens zur Personalbemessung in der Langzeitpflege müssten deshalb konsequent weiter verfolgt werden. Litsch verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Belastung in den Pflegeberufen. Laut AOK-Arbeitsunfähigkeitsdaten lag der Krankenstand 2018 in dieser Berufsgruppe bei 7,0 Prozent, der Bundesdurchschnitt nur bei 5,5 Prozent.

Litsch bezeichnete eine angemessene Bezahlung als weiteren "Schlüsselfaktor für die Wahl des Pflegeberufs". Das sei auch ein Signal der gesellschaftlichen Wertschätzung. "Genau deshalb setzt die AOK bundesweit die Vorgabe um, dass die Bezahlung nach Tariflohn von den Pflegekassen im Rahmen von Vergütungsverhandlungen auch anerkannt wird." Die AOK-Gemeinschaft habe sich immer dafür stark gemacht, dass die Träger von Pflegeeinrichtungen die vereinbarte Bezahlung jederzeit einhalten. Entsprechende Regelungen hat die Vorgängerregierung der jetzigen Großen Koalition mit den Pflegestärkungsgesetzen gegen erheblichen Widerstand der privaten Pflegeanbieter verbindlich verankert. Um die teilweise erheblichen Widerstände gegen transparente Nachweispflichten seitens der Trägerverbände der Pflegeeinrichtungen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft zu brechen, fordert der AOK-Bundesverband eine bundesweit einheitliche Rechtsverordnung. Einen Vorschlag zur Rechtsverordnung hat die AOK bereits in die KAP eingebracht.

Durchlässige Bildungsangebote und Akademisierung

Die KAP hat darüber hinaus Selbstverpflichtungen der beteiligten Akteure zur Umsetzung des Pflegeberufegesetzes ab dem nächsten Jahr verabschiedet. "Genauso wichtig wie eine gute Bezahlung sind gestufte und durchlässige Bildungsangebote für unterschiedlich qualifizierte Pflegeberufe, um damit auch Karrierechancen zu ermöglichen", betonte der AOK-Vorstandschef. Er bedauerte, dass in der Diskussion um die generalistische Ausbildung der mit dem Pflegeberufegesetz eröffnete Weg einer pflegerischen Hochschulausbildung "etwas untergegangen ist". Der Ausbau entsprechender Kapazitäten im Hochschulbereich startet erst 2020. Deutschland hinkt damit im Vergleich zu anderen Ländern deutlich hinterher. Konkrete Zielmarken zum Anteil der akademisierten Pflegefachpersonen beinhaltet die Selbstverpflichtung der KAP nicht. Der Wissenschaftsrat hatte eine Quote von zehn bis 20 Prozent empfohlen.

Im Herbst startet ein neues Qualitätssicherungssystem in der stationären Langzeitpflege. Es verbindet internes Qualitätsmanagement mit externer Qualitätsprüfung. Auch hiervon erhofft sich die AOK einen Schub für Pflege. "Die Arbeit mit wissenschaftlichen Instrumenten motiviert die Pflegefachkräfte, weil sie deren fachliche Kompetenz einfordert und ihre Rolle sowie ihr Wissen ernst nimmt", unterstrich Litsch. Allein aus dem internen Qualitätsmanagement werden künftig zehn Ergebnisindikatoren in der Qualitätsdarstellung abgebildet. Hinzu kommen die Ergebnisse aus externen Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Das neue Qualitätssicherungssystem ist nicht zuletzt auch eine Lehre aus dem heutigen Pflege-TÜV, der insbesondere durch die Gesamtbewertung in der Schulnotensystematik nur zu Einsen geführt hat. "Die Darstellung kommt dem entgegen, was Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Auswahl einer Pflegeeinrichtung interessiert. Eine Studie des AOK-Bundesverbandes mit dem Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass sich die Betroffenen möglichst vielfältige und umfassende Informationen über eine Einrichtung wünschen.


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