GKV-Finanzausgleich: Die Mär von der Bevorzugung der AOK

ams-Stichwort: Morbi-RSA

Grafik: 100-Euro-Scheine

10.05.19 (ams). Immer wieder wird behauptet, die AOK bekäme ungerechtfertigt mehr Geld aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) als andere Krankenkassen. So klagte zuletzt der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, im Berliner Tagesspiegel: "Die AOKen schlagen hier mit einer Überdeckung von mehr als 1,3 Milliarden Euro im Ausgleichsjahr 2017 zu Buche. Der Wettbewerb ist somit eindeutig verzerrt. Die Ersatzkassen sind in Summe mit 931 Millionen Euro unterdeckt." Was Baas nicht verrät: Die TK hat im selben Jahr ein Rechnungsergebnis von plus 632 Millionen Euro erwirtschaftet und ist GKV-weit die Kasse mit den meisten Betriebsmitteln und höchsten Rücklagen. Profitiert die TK damit auch von Wettbewerbsverzerrung? Außerdem erhält die AOK für die berücksichtigten Erkrankungen wie etwa Diabetes nicht mehr Geld aus dem Finanzausgleich als jeder andere Mitbewerber.

Szenario A: Frau Müller ist 55 Jahre alt, wohnt im bayerischen Deggendorf und hat Diabetes. Sie ist bei der AOK Bayern versichert. Für die Abdeckung der Leistungsausgaben von Frau Müller bekommt die AOK Bayern über den Morbi-RSA für 2018 eine Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds in Höhe von 1703 Euro. Szenario B: Frau Maier ist auch 55 Jahre alt und diabeteskrank, wohnt ebenfalls in Deggendorf, ist aber bei der überregionalen TK versichert. Die TK erhält über den Morbi-RSA für 2018 die gleiche Zuweisung aus dem Gesundheitsfonds in Höhe von 1703 Euro. Die Pauschalen für den Diabetes sind nämlich bei allen Krankenkassen gleich. Die Zuweisungen variieren je nach Schweregrad der Krankheit, Alter und Geschlecht, aber eben nicht nach Kassenzugehörigkeit und Wohnort.

Auf der Einnahmeseite der Krankenkassen, also bei den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds, gelten einheitliche Beträge. "Auf der Ausgabenseite gibt es hingegen auffällige Unterschiede zwischen den Kassen, die aber nichts mit dem Morbi-RSA zu tun haben", stellt der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch klar. Hier liege die Veränderungsrate der AOK seit Jahren unter dem Durchschnitt, andere Kassen liegen regelmäßig darüber. Die Ursache besserer Finanzergebnisse bestehe vor allem im effizienteren Versorgungsmanagement, weil dadurch krankheitsspezifische Kosten gesenkt werden könnten. Als Beispiele nennt der Verbandschef die seit nunmehr 17 Jahren laufenden Disease-Management-Programme (DMP). DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen. Viele andere regionale Versorgungsprogramme steigern ebenfalls die Versorgungseffizienz. So hat die AOK im Rahmen der Initiative "Stadt. Land. Gesund" über 100 Projekte in ganz Deutschland identifiziert, 30 Projekte davon fördert sie im Rahmen der Initiative.


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