UGHO: Vernetzung als gelebte Wirklichkeit

Stadt. Land. Gesund.

13.06.19 (ams). Facharzttermine innerhalb von 48 Stunden, Hausbesuche von speziell ausgebildeten Praxisassistentinnen oder eine telemedizinische Versorgung. Das bietet in dieser Form nicht einmal das gerade in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Was oft noch Zukunftsmusik ist, ist bei der Unternehmung Gesundheit Hochfranken (UGHO) schon Wirklichkeit geworden. Arztnetze wie UGHO sichern die ambulante und wohnortnahe medizinische Versorgung der Patienten. UGHO organisiert in Kooperation mit der AOK Bayern in der Region Hof die ländliche Versorgung.

Seit Ende 2017 fährt Julia Ernstberger als eNurse in Nordbayern über die Dörfer. Sie ist eine digital vernetzte, nichtärztliche Praxisassistentin und bei der UGHO angestellt. Das Arztnetz gibt es seit 2009 und umfasst inzwischen über 70 Haus- und Fachärzte in der Stadt und dem Landkreis Hof sowie Teilen des Landkreises Wunsiedel. Angefangen hat der Zusammenschluss bereits 2006 noch unter dem Namen Praxisnetz Hochfranken e.V.

Die AOK hat im Rahmen der Initiative Stadt. Land. Gesund. über 100 Projekte in ganz Deutschland identifiziert, die die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten stärken. Als eines von 30 Leuchtturmprojekten fördert sie im Rahmen der Initiative auch UGHO. Insgesamt profitieren über 15.000 Versicherte der AOK Bayern vom Versorgungsvertrag zwischen dem Arztnetz und der AOK. Im April 2019 wurde UGHO von der AOK Bayern für seine herausragende Versorgungsqualität in der medizinischen Behandlung mit dem "Prädikat Silber" des Projekts "Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten" (QuATRo) ausgezeichnet.

Dem demografischen Wandel trotzen

In ganz Deutschland gibt es rund 400 Arztnetze, 85 davon, also gut jedes fünfte, in Bayern. Alle Ärzte bei UGHO verbindet ein gemeinsames Ziel: die ambulante ärztliche Versorgung in der Region langfristig zu sichern. Die Region an der Grenze zu Sachsen, Thüringen und Tschechien ist schon jetzt von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen. Die Menschen dort werden immer älter und demzufolge auch kränker und unbeweglicher. Viele von ihnen leiden an chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder der Lungenerkrankung COPD. Die Nachfrage nach ambulanter Versorgung und medizinischen Leistungen ist hoch. Gleichzeitig sind über 50 Prozent der Hausärzte mindestens 65 Jahre alt und stehen kurz vor dem Ruhestand. Der Region droht Ärztemangel.

Gegen den Ärztemangel kann auch eNurse Julia Ernstberger nichts ausrichten. Aber sie kann die Hausärzte durch Hausbesuche, die sie für die Ärzte übernimmt, entlasten. Zur Zeit ist sie für elf Hausärzte der Region tätig und betreut insgesamt 185 Patienten. Einer dieser Hausärzte ist Ulrich Voit in Schwarzenbach am Wald, einer kleinen Gemeinde etwa 25 Kilometer westlich von Hof. "Die nichtärztliche Praxisassistentin ist für uns Hausärzte eine große Entlastung. Wir dürfen sie aber auch nicht überlasten und müssen genau wissen, wo ihre Grenzen sind", erklärt Voit. Erfordert ein Anliegen ärztlichen Rat, so rufe die mobile Praxisassistentin den Arzt noch während des Besuchs telefonisch oder per Videoschalte dazu, ergänzt Voit. Möglich macht dies eine moderne Ausstattung der eNurse inklusive Notebook. Die eNurse ist unter anderem mit einem Zwölf-Kanal-EKG, einem Pulsometer und Wundwechselmaterial ausgestattet. Außerdem kümmert sie sich um Blutabnahme und Impfungen. Behandlungsverlauf und Ergebnisse überträgt die eNurse digital an den jeweiligen Hausarzt. Dieser kann sich dann ein Bild des Patienten machen und weitere Behandlungsschritte einleiten. UGHO bildet Arzthelferinnen zur nichtärztlichen Praxisassistentin weiter. Voraussetzung ist eine Ausbildung zur Arzthelferin und drei Jahre Berufspraxis.

80 Prozent der teilnehmenden Ärzte sind elektronisch vernetzt

Hausarzt Voit kann sich das Praktizieren ohne mobile Assistentin und ohne Arztnetz nur noch schwer vorstellen. "Die Arztnetze sind für mich ein Phänomen und durch UGHO ist Vernetzung gelebte Wirklichkeit geworden", sagt er begeistert. Durch die Arztnetze hätten die Ärzte systematisch angefangen, miteinander zu reden. "Je besser sich die Ärzte kennen, desto besser funktioniert Arbeitsteilung", fügt Voit hinzu. Konkret bedeutet dies, dass ein Hausarzt seinen Patienten durch UGHO innerhalb von 48 Stunden an einen Facharzt, beispielsweise einen Neurologen, überweisen kann. So wird eine zeitnahe medizinische Abklärung gewährleistet. 80 Prozent der Haus- und Fachärzte, die am Arztnetz teilnehmen, sind elektronisch miteinander vernetzt. Dadurch lassen sich Behandlungsergebnisse einfacher austauschen sowie Doppeluntersuchungen und -verordnungen vermeiden. Ein weiterer Vorteil von UGHO ist, dass es im UGHO-System nur zehn Abrechnungsziffern für den hausärztlichen Bereich gibt. Diese Maßnahmen führen zu weniger Bürokratie, zu einer Entlastung des Praxispersonals und letztlich zu mehr Zeit für den einzelnen Patienten.


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