Kyriakides will Kampf gegen den Krebs verstärken

EU-Ticker

Foto: Zytostatika-Zubereitung für Chemotherapie

18.10.19 (ams). Das Europaparlament sollte am 23. Oktober in Straßburg über die Bestätigung der neuen EU-Kommission abstimmen. Durch die Ablehnung einiger designierter Kommissarinnen und Kommissare wird die Bestätigung der neuen Kommission um wenigstens einen Monat verschoben werden müssen. Die von der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nominierten Kandidatinnen und Kandidaten mussten sich Anfang Oktober in Einzelanhörungen der zuständigen Fachausschüsse den Fragen der Parlamentarier stellen. Die designierte Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides aus Zypern, stand am 1. Oktober den Mitgliedern des Parlamentsausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) Rede und Antwort. „Dabei sprach sich Kyriakides für eine stärkere verpflichtende Zusammenarbeit bei der Bewertung von Gesundheitstechnologien auf EU-Ebene aus“, berichtet der Vertreter der AOK in Brüssel, Evert Jan van Lente. „Außerdem sieht sie die Pharmaunternehmen in der Pflicht, bezahlbare Arzneimittel zur Verfügung zu stellen und neue Medikamente in allen EU-Staaten auf den Markt zu bringen.“ Kyriakides will auch das Thema Krebsbekämpfung weiter forcieren. Insbesondere im Bereich der Kinderonkologie habe man bisher zu wenig erreicht. Bei der Anhörung ging es zudem um die Themen Antibiotika-Resistenzen, Prävention, Kinderarzneimittel und Medikamente gegen seltene Erkrankungen. Thema war auch die Digitalstrategie ‚European Health Data Space‘. Kyriakides befürwortet den Aufbau großer Datenbanken, die unter anderem mittels Künstlicher Intelligenz für weitere Fortschritte sorgen sollen.

"Schnelle EU-Arzneimittelzulassung nur in Ausnahmefällen“

18.10.19 (ams). Der Chefmediziner der EU-Arzneimittelagentur (EMA), Prof. Hans Georg Eichler, hat sich für einen zurückhaltenden Umgang mit der Möglichkeit zur beschleunigter Arzneimittelzulassung ausgesprochen. Die Zulassung müsse auf einer hochwertigen Studie gründen statt unsichere Studien mit der Auflage späterer Datenerfassungen aus der klinischen Praxis (Real World Data) zu benutzen. Das müsse die Ausnahme bleiben.  Nötig sei dies aber zum Beispiel, wenn für eine Zulassung aufgrund sehr geringer Patientenzahlen nur eingeschränkte Daten zur Verfügung stünden, etwa bei seltenen Erkrankungen. „Real World Data“ dürften Zulassungsstudien unter kontrollierten Bedingungen nicht ersetzen, sagte Eichler bei einer gemeinsamen Fachtagung der Piperska-Group und der Europäischen Medicine Evaluation Committee (MEDEV). Die Piperska-Gruppe ist ein Verbund europäischer Wissenschaftler und Vertreter von Gesundheitsministerien und Sozialversicherungssystemen, der sich seit 2008 für einen rationalen Einsatz von Arzneimitteln einsetzt. Zu den Mitgliedern gehören auch Arzneimittelexperten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Bei der MEDEV handelt es sich um eine seit 1998 bestehende informelle Kooperation von Agenturen zur Bewertung von Gesundheitstechnologien und Sozialversicherungen. Seit Juni leitet der AOK-Europaexperte Evert Jan van Lente das Gremium. An der Tagung beim AOK-Bundesverband in Berlin nahmen Experten aus 20 Ländern teil.

Kommt die EU-weite Nährwertkennzeichnung?

16.10.19 (ams). Die Bundesregierung will sich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 für die verbindliche europaweite Lebensmittelkennzeichnung auf Basis des Nutri-Score-Systems einsetzen. Das hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigt, nachdem sich bei einer repräsentativen Verbraucherbefragung durch ihr Ministerium eine große Mehrheit für das Nutri-Score-Farbmodell ausgesprochen hatte. In Deutschland will die Ministerin den Nutri-Score jetzt zunächst auf freiwilliger Basis einführen, weil eine Verpflichtung nicht mit dem freien Warenverkehr in der EU kompatibel ist. Der AOK-Bundesverband hat die Ankündigung begrüßt. „Wir haben uns lange und intensiv für eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung eingesetzt“, sagt der AOK-Präventionsexperte Dr. Kai Kolpatzik. „Das Instrument des Nutriscore ist neben der Ampelkennzeichnung nachweislich die wissenschaftlich anerkannteste und effektivste Kennzeichnungsmöglichkeit. Davon profitieren vor allem Menschen, die sich bisher wenig mit der Zusammensetzung verarbeiteter Lebensmittel auseinandersetzen.“ Auch die designierte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ist generell für eine europaweit einheitliche Lebensmittelkennzeichnung. Sie könne sich dazu den Nutri-Score vorstellen, wolle aber noch eine diesbezügliche Studie der Kommission abwarten, sagte Kyriakides im Europaparlament.

450 Millionen Euro für die Gesundheitsförderung

18.10.19 (ams). Mit ihrem 2020 auslaufenden Gesundheitsprogramm hat die EU seit 2014 knapp 7.400 Gesundheitsprojekte mit rund 450 Millionen Euro unterstützt. Darauf hat der scheidende EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis aus Litauen in Brüssel hingewiesen. Er habe sich dafür eingesetzt, dass auch der EU-Haushalt 2021–2027 „eine starke gesundheitliche Dimension“ aufweise. Das Gesundheitsprogramm wird von der Exekutivagentur für Verbraucher, Gesundheit, Landwirtschaft und Ernährung der Kommission (Chafea) verwaltet. Es steht Organisationen in allen EU-Ländern sowie in Bosnien-Herzegowina, Island, Moldawien, Norwegen und Serbien offen. Zu den bekannten Förderprojekten zählen die Europäischen Referenznetzwerke für seltene Erkrankungen (ERN).


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