Worauf kommt es bei der Finanzierung der Pflege künftig an, Frau Dr. Schwinger?

ams-nachgefragt bei Dr. Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO)

Foto: Dr. Antje Schwinger

Dr. Antje Schwinger

24.01.20 (ams). "Um eine angemessene Versorgung langfristig sicherzustellen, reicht es nicht aus zu klären, woher das Geld kommen soll. Vielmehr brauchen wir eine Antwort auf die Frage, wie wir das vorhandene Geld gezielt ausgegeben. Ein drängendes Problem ist zum Beispiel, dass die heutige Trennung zwischen stationärer und häuslicher Pflege oder anderen altersgerechten Wohnformen wie betreutes Wohnen oder Pflege-WGs seit Längerem überholt ist. Die Rahmenbedingungen im ambulanten und im stationären Bereich führen sowohl für Leistungsbringer in der Pflege als auch für Pflegebedürftige zu erheblichen Ungleichbehandlungen. Das gilt insbesondere für die Höhe der Kosten für die Qualitätsanforderungen und übernommenen pflegebedingten Kosten.

Ein weiteres Problem sind fehlende Angebote in der Fläche. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die Angebotsstrukturen regional sehr unterschiedlich sind und zum Teil den Bedarf nicht decken. Fragen nach einer bedarfsgerechten Pflegeinfrastruktur werden in der aktuellen Debatte aber lediglich gestreift. Ein Appell an die Länder, mehr zu investieren, reicht sicherlich nicht aus.

Die Schnittstellen zur kommunalen Altenhilfe und der sozialen Quartiersentwicklung müssen wir ebenso ins Blickfeld nehmen. Außerdem  kommt viel zu kurz, dass die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der ambulanten und der stationären Pflege bereits heute dringend reformbedürftig sind. Folglich besteht Reformbedarf nicht allein hinsichtlich der Eigenanteile und der Finanzierungsgrundlage. Wir müssen auch die Steuerung des Systems stärker in den Blick nehmen."

Eine ausführliche Bestandsaufnahme verschiedener Modelle zur Pflegefinanzierung in der G+G Digital 12/19


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