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Neues aus dem Gemeinsamen Bundesausschuss

ams-Politik 01/21

Senioren erhalten künftig Hochdosis-Impfstoff gegen Influenza

Alle Personen ab 65 Jahren sollen in der Grippesaison 2021/22 mit einem Hochdosis-Impfstoff geimpft werden. Mit dieser Entscheidung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die aktualisierte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Impfung gegen die saisonale Grippe in der Schutzimpfungs-Richtlinie umgesetzt. Falls es zukünftig auch einen zugelassenen Impfstoff für die Anwendung bei 60- bis 64-Jährigen gibt, gilt dieser Anspruch auch für sie. Hochdosis-Impfstoffe gegen Grippe haben erstmals 2020 eine arzneimittelrechtliche Zulassung für den Einsatz bei Personen ab 65 Jahren erhalten. Die STIKO stellte für diese Altersgruppe entsprechend der Zulassung eine erhöhte Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Impfstofftypen fest. Da es sich bei der saisonalen Grippe um eine potenziell schwer verlaufende Erkrankung handelt, kann bereits mit einer leicht besseren Wirksamkeit eines Impfstoffs eine relevante Anzahl an Grippeerkrankungen und an schweren Verläufen verhindert werden.

Weitere Mindestmengen bei komplexen Behandlungen

Kliniken, die stark untergewichtige Frühgeborene versorgen oder komplexe Eingriffe an der Speiseröhre vornehmen, müssen künftig deutlich mehr Erfahrung nachweisen, um ihre Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können. Perinatalzentren, die Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm betreuen, müssen demnach mindestens 25 Versorgungsfälle pro Jahr und Standort belegen. Bisher waren es 14 Fälle. Für komplizierte Speiseröhren-Operationen erhöhte der GBA die Mindestzahl von zehn auf 26 Fälle. Für Nierentransplantationen bestätigte der GBA die derzeitige Vorgabe von mindestens 25 Eingriffen. Die neuen Mindestfallzahlen für Speiseröhreneingriffe sollen ab 2023 gelten, die strengeren Vorgaben zur Frühchen-Versorgung ab 2024. Der GBA berücksichtigt bei seinen Mindestmengenregelungen den wissenschaftlich nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Eingriffs. Um Patienten sicherer und risikoärmer zu behandeln, sollen besonders schwierige planbare Eingriffe nur in jenen Kliniken vorgenommen werden, die damit ausreichend Erfahrung haben.

GBA regelt systematische Behandlung von Parodontitis

Patienten, die unter Erkrankungen des Zahnhalteapparates leiden, profitieren zukünftig von einer umfassenderen Diagnostik und Behandlung, die nicht nur auf eine akute Parodontitis beschränkt ist. „Die meisten Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens einmal oder sogar chronisch an Parodontitis.“, sagte Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des GBA und Vorsitzender des Unterausschusses Zahnärztliche Behandlung. Ziel sei es, die Zähne langfristig in einem gesunden, funktionellen und schmerzfreien Zustand zu halten. Die neuen Leistungen können voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2021 in Anspruch genommen werden.

Prostatakrebs: PSA-Test wird keine Früherkennungsleistung

Die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) bleibt wie bisher auf die Verlaufskontrolle bei bereits behandelten gesetzlich Versicherten mit Prostatakrebs oder zur Abklärung eines auffälligen Tastbefundes der Prostata beschränkt. Der GBA hat sich damit gegen eine Erweiterung der Früherkennung von Prostatakrebs um ein Screening mittels PSA-Wert-Bestimmung entschieden. Grundlage dafür war ein Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), der das Schadenspotenzial höher gewichtet als den Nutzen. Laut des Berichts des IQWiG kommt es insbesondere beim Einsatz des Screenings in der Früherkennung zu einer hohen Anzahl von falsch-positiven Ergebnissen und zu Überdiagnosen, d. h. es werden Prostatakarzinome entdeckt und behandelt, die etwa aufgrund eines sehr langsamen Wachstums bei älteren Männern eigentlich nicht hätten behandelt werden müssen. Ein erhöhter PSA-Wert kann ein erster Hinweis auf Prostatakrebs sein, er kann aber auch viele andere Ursachen wie eine gutartige Vergrößerung oder Entzündung der Prostata oder eine Harnwegsentzündung haben.


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