Schwerstkranke und Sterbende besser versorgen

Hospiz- und Palliativgesetz

21.12.15 (ams). Schwerstkranken und Sterbenden das Leben so lebenswert wie möglich machen: Darauf zielt das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) ab, das am 8. Dezember 2015 wirksam geworden ist. "Das neue Gesetz bietet die Chance, die palliative Versorgung in Deutschland zu verbessern", sagt Christiane Lehmacher-Dubberke, Pflegereferentin im AOK-Bundesverband.

Bei der Palliativmedizin und -versorgung geht es in erster Linie darum, bei schwerstkranken Patienten mit nicht mehr heilbaren, fortgeschrittenen Erkrankungen die Krankheitsbeschwerden zu lindern und damit ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Bundesregierung will mit dem Hospiz- und Palliativgesetz die Versorgung überall dort stärken, wo Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen - zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder im Hospiz. "Die bisherigen Leistungen und Angebote sollen weiter ausgebaut und vor allem stärker vernetzt werden", sagt Lehmacher-Dubberke. Die Pflegeexpertin der AOK fasst wichtige Inhalte des neuen Gesetzes zusammen:

Zu Hause gut aufgehoben

  • Die Palliativversorgung ist nun ausdrücklicher Bestandteil sowohl der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung als auch des Versorgungsauftrages der sozialen Pflegeversicherung.
  • Die allgemeine ambulante Palliativversorgung durch Ärzte und Fachärzte soll gestärkt werden. Sie ist dann notwendig, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Die Patienten sollen künftig von einer besseren Qualität der Versorgung profitieren. So müssen Ärzte, die Schwerkranke und Sterbende betreuen, über eine besondere Qualifikation verfügen und mit anderen an der Versorgung Beteiligten kooperieren. Die gesetzlichen Krankenkassen stellen dafür zusätzliche Mittel bereit. Auf Wunsch der Patienten sollen Hausärzte die Versorgung koordinieren.
  • Damit Schwerkranke in den eigenen vier Wänden eine bessere Betreuung erhalten können, will die Bundesregierung die Palliativversorgung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege stärken. Der Gemeinsame Bundesausschuss soll prüfen, ob er in die Richtlinie über die Verordnung häuslicher Krankenpflege weitere Leistungen der Palliativpflege aufnehmen oder diese konkretisieren kann. Dadurch hätten Pflegedienste die Möglichkeit, diese Leistungen abzurechnen.
  • Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) soll weiter ausgebaut werden. SAPV ermöglicht es Schwerstkranken, die eine besonders aufwändige medizinische und pflegerische Versorgung brauchen, weiterhin zu Hause zu leben. Speziell ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte betreuen die Patienten bei Bedarf rund um die Uhr.

Sendefähige Radio-O-Töne mit Christiane Lehmacher-Dubberke, Pflegereferentin im AOK-Bundesverband

Umfassende Beratung und Versorgung in Pflegeeinrichtungen

  • Gesetzlich Versicherte haben Anspruch darauf, von ihrer Krankenkasse über Leistungen der Palliativ- und Hospizversorgung individuell beraten zu werden. Darüber hinaus sollen Krankenkassen auch allgemein über die Möglichkeiten persönlicher Vorsorge für die letzte Lebensphase informieren, insbesondere über die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.
  • Vollstationäre Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen können Versicherte über Hilfen und Angebote zur medizinischen, pflegerischen, psychosozialen und seelsorgerischen Betreuung in der letzten Lebensphase in einem multiprofessionellen Team beraten sowie eine Versorgungsplanung zum Lebensende erstellen. Das soll Betroffene dabei unterstützen, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Die individuelle Beratung, bei der ein Palliativmediziner anwesend sein muss, wird dokumentiert. 
  • Das neue Gesetz verpflichtet Heime, mit ambulanten Hospizen zusammenzuarbeiten.
  • Zudem müssen Heime die Landesverbände der Pflegekassen informieren, inwieweit sie mit Hospiz- und Palliativnetzen kooperieren.
  • Um die ärztliche Versorgung zu verbessern, sollen Pflegeheime -Kooperationsverträge mit Haus- und Fachärzten abschließen. 

Palliativversorgung im Krankenhaus und mehr Geld für Hospize

Unheilbar kranke und sterbende Menschen wünschen sich in der Regel, die letzte Lebensphase im Kreis der Familie zu verbringen. Dennoch sterben in Deutschland die meisten Menschen in Krankenhäusern. Auch dort soll die Palliativversorgung besser werden. Außerdem verbessert das Gesetz die Finanzierung stationärer Hospize. Die Krankenkassen übernehmen künftig 95 Prozent der Bedarfssätze. Ambulante Hospizdienste erhalten in Zukunft nicht nur Zuschüsse zu Personalkosten, sondern auch zu Sachkosten.

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