Schultersteife: Wie sich die Schmerzen lindern lassen

Frozen shoulder

24.11.15 (ams). Keinen Sport gemacht, keinen Unfall gehabt und trotzdem schmerzt die Schulter und wird immer steifer? Die Schultersteife trifft vor allem Menschen um die 50. Das kann sehr schmerzhaft und langwierig sein, verschwindet zumeist jedoch wieder von selbst. "Auf jeden Fall sollte ein Arzt die Ursache der Schulterschmerzen abklären", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband.

Oft fängt es an mit leichten Schmerzen, die sich über Monate nur nachts bemerkbar und den Schlaf unruhiger machen. Doch dann fällt  es zunehmend schwerer, den Arm nach oben oder hinten zu bewegen, bis es irgendwann fast unmöglich wird. Zwar lassen mit der Zeit die Schmerzen bei der Schultersteife nach, doch kann die Schulter bis zu einem Jahr steif bleiben, als wäre sie eingefroren - daher auch ihr Beiname "frozen shoulder". In der letzten Phase kommt die Beweglichkeit langsam zurück. Nicht immer, aber oft können sich die Betroffenen nach ein bis drei Jahren dann wieder so gut bewegen wie zuvor. Angesichts einer schmerzenden, unbeweglichen Schulter denkt natürlich jeder sofort erst einmal an Sportverletzungen, Stürze oder Erkrankungen wie Rheuma. Und der Mediziner Bleek rät auch, auf jeden Fall mit solchen Einschränkungen zum Arzt zu gehen. Nur ein Experte kann herausfinden, ob es sich tatsächlich um die Schultersteife handelt, andere Erkrankungen oder eine Verletzung hinter den Beschwerden stecken. 


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Wann spricht man von einer Schultersteife?

Wann spricht man von einer Schultersteife?

Das sind mögliche Ursachen

Das sind mögliche Ursachen


Lautet die Diagnose tatsächlich Schultersteife, dann stecken Verklebungen in der Gelenkkapsel dahinter, die mit Narben zu vergleichen sind. Dadurch verdickt sich das Kapselgewebe, die Schulter schmerzt und wird immer unbeweglicher. Warum das genau passiert, weiß man nicht. Man vermutet aber, dass Entzündungen eine Rolle spielen. Und man weiß: Es ist zwar langwierig und schmerzhaft, heilt aber von selbst wieder aus. Mit der Schultersteife haben zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben einmal zu tun. Typischerweise tritt sie im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf, gehäuft aber rund ums 50. Lebensjahr. Frauen trifft es dabei etwas öfter als Männer und auch Diabetiker haben vermehrt damit zu tun. Die Schultersteife geht von selbst wieder zurück. Aber da sie Schmerzen bereitet und unbeweglich macht, suchen Betroffene nach Hilfe. Dabei gilt: Man kann damit die Beschwerden vielleicht lindern, aber den Heilungsprozess nicht beschleunigen. Am einfachsten und von vielen Betroffenen als wohltuend empfunden, sind Behandlungen mit Wärme- oder Kältepackungen. Oftmals kaufen sich die Schulterpatienten auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente als Salben oder Tabletten in der Apotheke. Es gibt allerdings keine zuverlässigen wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob diese rezeptfreien Medikamente bei Schultersteife tatsächlich auch helfen.

Kortison-Behandlung: Wirkung ist zeitlich begrenzt

Möglicherweise rät der Arzt auch zu einer Kortison-Behandlung. Kortison-Tabletten oder -Spritzen können die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern, eignen sich aufgrund der Nebenwirkungen aber nur für eine kurzzeitige Therapie, und die Wirkung ist zeitlich begrenzt. Dasselbe gilt auch für ein Verfahren, bei dem unter örtlicher Betäubung ein Gemisch aus Kortison, Kochsalz und Wasser ins Gelenk gespritzt wird (Distensionsarthrografie). Auch diese Behandlung, die das Gelenk aufdehnen  soll, verliert ihre Wirkung nach wenigen Wochen und hilft nicht besser als einfache Kortison-Spritzen. Neben den medikamentösen Behandlungen ist unter anderem auch Physiotherapie möglich. Die Therapeuten versuchen, das Gelenk zu dehnen und wieder mobiler zu machen. Hier genauso wie bei Behandlungen mit Ultraschallwellen, Laser oder Magnetfeldtherapie konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden, dass sie wirklich etwas bringen.

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