Wie ein Blitz, der in die Muskeln fährt

Wadenkrämpfe

23.07.15 (ams). Die Schmerzen schlagen ein wie ein Blitz. Besonders häufig überfallen einen Wadenkrämpfe nachts. Typischerweise treten sie auch auf, wenn man sich beim Sport zu viel zumutet oder nach längerer Zeit das Training wieder aufnimmt. "Wadenkrämpfe sind meist harmlos und gut zu behandeln. Trotzdem sollte man die Ursache ergründen", sagt Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Wenn der Muskel verkrampft, wird er ganz starr und man hat den Eindruck, den Krampf gar nicht wieder loswerden zu können. Manchmal weitet der Krampf sich noch auf weitere Muskeln aus. Meistens tut man dann schon instinktiv das Richtige: Man dehnt in die entgegengesetzte Richtung. Selbst wenn sich der Krampf wieder gelöst hat, spürt man ihn anschließend oft noch tagelang. Ist der Magnesiumspiegel generell zu niedrig, rebelliert der Körper nachts besonders häufig. Viele trifft es aber auch beim Sport. Und häufig sind auch ältere Menschen betroffen, wenn ihre Muskeln stark verkürzt sind und man nicht gezielt durch Bewegung gegensteuert. Manchmal reicht schon ein schlecht sitzender Schuh, falsches Auftreten oder kaltes Wasser im Schwimmbad, um die Muskeln zu verhärten. Auch während der Schwangerschaft  können Frauen öfter Krämpfe bekommen.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband

Wann es zu Wadenkrämpfen kommen kann

Wann es zu Wadenkrämpfen kommen kann

Mögliche Ursachen für die Verkrampfungen

Mögliche Ursachen für die Verkrampfungen


Muskeln brauchen Calcium und Magnesium

Damit Muskeln sich anspannen und entspannen können, brauchen sie unter anderem Calcium und Magnesium. Fehlt es an Magnesium, ist das Gleichgewicht gestört, und es kommt zu Verspannungen und Krämpfen. Auch andere Ursachen können hinter Wadenkrämpfen stecken. Folgende sind unter anderem möglich:

  • Der Wasser-Salz-Haushalt des Körpers ist gestört: Gründe können unter anderem sehr starkes Schwitzen, zu wenig Trinken, Durchfall und Erbrechen, Alkoholmissbrauch oder eine Nierenschwäche sein.
  • Manche Medikamente wie Abführmittel oder bestimmte Bluthochdruckmedikamente können die Ursache sein.
  • Nierenschwäche.
  • Hormon- und Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes.

Wer mal einen Wadenkrampf hat, braucht nicht gleich zum Arzt zu gehen. Betroffene sollten aber auf jeden Fall ihre Ernährung überprüfen: Der Körper produziert das Magnesium nicht selbst, sondern es muss mit der Nahrung aufgenommen werden. Nüsse, Kürbis- und Sonnenblumenkerne sowie Getreide, Bohnen, Bananen und Haferflocken sind unter anderem gute Magnesium-Lieferanten. So enthalten beispielsweise 100 Gramm Kürbiskerne 535 Milligramm Magnesium. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt den Tagesbedarf von Erwachsenen mit 300 bis 400 Milligramm pro Tag an.  Zusätzlich zu einer magnesiumhaltigen Ernährung ist es auch wichtig, viel zu trinken, etwa magnesiumhaltiges Mineralwasser. 

Bei wiederkehrenden Krämpfen zum Arzt

Treten die Krämpfe allerdings immer wieder auf, sollten Betroffene auf jeden Fall einen Arzt zu Rate ziehen. Mit einer Blutuntersuchung kann dieser feststellen, ob tatsächlich ein Magnesiummangel der Grund für die Beschwerden ist. Dabei wird auch geklärt, ob noch weitere Auffälligkeiten im Wasser-Salz-Haushalt vorliegen, die anderweitig untersucht oder behandelt werden müssen. Liegt ein Mangel vor, empfiehlt der Arzt, zusätzliches Magnesium einzunehmen, zum Beispiel als Granulat zum Schlucken oder Auflösen in Wasser. Meist ist das keine kurzfristige, sondern eine längerfristige Behandlung über mehrere Monate, um den Magnesiumspeicher wieder aufzufüllen.

Darüber hinaus sind folgende Tipps hilfreich, um im Alltag Wadenkrämpfe zu vermeiden:

  • Auf regelmäßiges Trinken achten, auch während des Sports - und vor allem auch bei Hitze.
  • Stress gezielt abbauen durch Entspannungsmethoden, denn dadurch vermindert sich insgesamt die Muskelanspannung.
  • Vorm Sport aufwärmen und die Muskeln dehnen.
  • Nicht über die Belastungsgrenze hinausgehen.
  • Häufiger Pausen einlegen. 

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